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Nach 20 Jahren Provisorium: Dresden baut für 62 Millionen Euro diese Schule neu!

Ein grauer Plattenbau-Schulkomplex aus DDR-Zeiten mit gelb umrandeten Fenstern, der hinter dichten, teils unbepflanzten Sträuchern, Hecken und Bäumen steht. Im Vordergrund verläuft ein leicht bemooster Asphaltweg.
Abschied vom DDR-Bau: Das alte, stark sanierungsbedürftige Schulgebäude an der Lortzingstraße ist von dichtem Grün umgeben. Es wird bis Sommer 2027 vollständig zurückgebaut. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Nach mehrjähriger Umzugsphase und einer über 20 Jahre langen Planungs- und Sanierungs-Odysee startet endlich der Ersatzneubau des Bertolt-Brecht-Gymnasiums in Dresden-Johannstadt. Dresden investiert rund 62,8 Millionen Euro in einen klimaneutralen Schulcampus, der die Basis für ein wachsendes internationales Bildungsangebot bildet.

Dresden. Rund zwei Jahrzehnte Warten, zeitweise Unterricht auf der Baustelle, ein Baustopp und der Umzug in ein Ausweichquartier am Terrassenufer: Die Vorgeschichte des Bertolt-Brecht-Gymnasiums in Dresden-Johannstadt ist lang. Nun beginnen im Oktober die ersten Arbeiten für den Ersatzneubau an der Lortzingstraße, wie die Stadt Dresden mitteilte. Rund 62,8 Millionen Euro fließen in das Vorhaben.

Zeitplan reicht bis 2030

Den Anfang machen Fällarbeiten, Artenschutzmaßnahmen und die Beräumung des Areals. Bis zum Sommer 2027 sollen dann die beiden Altbauten aus DDR-Zeiten abgerissen werden. Parallel liefen die Ausführungsplanung sowie die Ausschreibungen und Vergaben der Bauleistungen, so die Stadt. Der eigentliche Baubeginn für die neuen Schulgebäude ist für Oktober 2027 vorgesehen, in Betrieb gehen soll das Gymnasium zum Schuljahr 2030/31.

Eine belebte Perspektive des Schulinnenhofs mit zahlreichen Jugendlichen auf Sitzbänken und Wegen. Im Hintergrund verbindet ein überdachter Gang zwei moderne Schulgebäude. Große Bäume und Wiesenflächen lockern das Areal auf.
Ein klimaneutraler Campus für rund 900 Schüler: Der weitläufige Innenhof verbindet die beiden Neubauten und bietet viel Grünfläche sowie Aufenthaltsbereiche im Freien für die Pausengestaltung. Visualisierung: heinlewischer Partnerschaft freier Architekten mbB

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Der Terminplan hat sich dabei mehrfach verschoben: In Ankündigungen aus dem Frühjahr 2025 war noch von einem Abriss ab Ende 2025, einem Baubeginn im Februar 2026 und einer Fertigstellung um 2029 die Rede. Bis zur Eröffnung bleibt die Schulgemeinschaft in ihrem Ausweichquartier, seit dem vergangenen Jahr ist der Betrieb an das Terrassenufer 15 in der Pirnaischen Vorstadt ausgelagert, nach bisheriger Planung voraussichtlich bis Sommer 2028.

Klimaneutraler Campus in Holzhybrid-Bauweise

Am angestammten Standort im Süden der Johannstadt sollen zwei neue Gebäude in klimaneutraler Holzhybrid-Bauweise samt Außenanlagen entstehen, ausgelegt für rund 900 Schülerinnen und Schüler. Die Klimaneutralität solle unter anderem über Photovoltaik auf den Dächern, Fernwärme und eine moderne Lüftungsanlage erreicht werden. Der Ersatzneubau tritt an die Stelle zweier Schulhäuser aus DDR-Zeiten, deren Zustand sich über die Jahre verschlechtert hat.

Finanzierung über Bund und Stadt

Von den rund 62,8 Millionen Euro sollen etwa 38 Millionen aus einem Sondervermögen des Bundes stammen, die verbleibenden gut 24 Millionen Euro trägt die Stadt. Der Bund übernimmt damit rund 60 Prozent der Kosten. Frühere Planungen waren noch von höheren Kosten zwischen rund 66 und 70 Millionen Euro ausgegangen. Die letzte Hürde nahm das Projekt mit dem städtischen Haushalt: Erst der Etatbeschluss im Frühjahr 2025 machte den Weg endgültig frei.

Internationaler Zweig soll wachsen

Mit dem Neubau will die Stadt auch das internationale Profil der Schule sichern. Seit 2011 können die Jugendlichen neben dem sächsischen Abitur den international anerkannten Abschluss IB Diploma erwerben, der weltweit als Hochschulzugangsberechtigung gilt. Künftig soll das Angebot um das Middle Years Programme der International Baccalaureate Organisation erweitert werden.

Dreistöckiges Schulgebäude mit heller vertikaler Lamellenstruktur und rotbraunen Jalousien an den Fenstern. An der linken Stirnseite prangt eine stilisierte Grafik von Bertolt Brecht. Ein Zaun trennt das begrünte Schulgelände von der Straße.
Nachhaltig in die Zukunft: Das neue Schulgebäude integriert neben Photovoltaik und Fernwärme auch optische Highlights wie das stilisierte Porträt des Namensgebers Bertolt Brecht an der Außenfassade. Visualisierung: heinlewischer Partnerschaft freier Architekten mbB

Dieses richtet sich in der Regel an die Klassenstufen 6 bis 10 und soll den internationalen Bildungsweg früher beginnen lassen. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten der sächsische Kultusminister Conrad Clemens und Dresdens Bildungsbürgermeister Jan Donhauser im September 2025. Der Neubau schaffe die räumlichen Voraussetzungen, um dieses Bildungsangebot langfristig zu sichern, hieß es aus dem Rathaus.

Jahre der Rückschläge

Der lange Vorlauf hat eine zähe Geschichte. Seit 2006 reihte sich am Brecht-Gymnasium ein Rückschlag an den nächsten. Aus einer zunächst auf ein Jahr angesetzten Baustelle wurde ein jahrelanges Provisorium, in dem zeitweise unter Baustellenbedingungen unterrichtet worden sei, ehe die Schule um einen Baustopp bat. Ob sich wenigstens eines der beiden Gebäude sanieren ließe, war lange offen. Am Ende gaben Bausubstanz und die Frage der sogenannten Grauen Energie den Ausschlag für den kompletten Ersatzneubau.

Kritik im Stadtrat

Beschlossen wurde der Neubau im Februar 2025 mit großer Mehrheit, allerdings nicht ohne Widerspruch. Der Beschluss fiel inmitten eines von Sparzwängen geprägten Haushalts, was die Debatte um die Kosten zusätzlich anheizte. CDU-Stadtrat Matthias Dietze warnte vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft bei den Schulen und verwies auf Vorhaben, die anderswo auf der Strecke blieben, etwa Grundschulneubauten, eine fehlende Turnhalle oder den Sanierungsstau an älteren Standorten.

Eine moderne, helle Fassade eines dreistöckigen Schulgebäudes mit einer großen Bahnhofsuhr. Vor dem Eingang befindet sich ein langes Vordach. Auf dem Vorplatz bewegen sich Schüler, teils mit Fahrrädern, und links lädt eine Grünfläche zum Verweilen ein.
Blick auf das zukünftige Hauptgebäude (Haus 1) des Bertolt-Brecht-Gymnasiums an der Lortzingstraße. Der Entwurf setzt auf einen einladenden, überdachten Eingangsbereich und eine moderne Holzhybrid-Bauweise. Visualisierung: heinlewischer Partnerschaft freier Architekten mbB

Holger Zastrow von Team Zastrow kritisierte vor allem die Millionen für das klimaneutrale Bauen. Grünen-Stadträtin Katharina Ringler hielt dagegen, ein solcher Bau spare über die Jahre sogar Kosten, etwa durch Photovoltaik und Fernwärme. Für die Schulgemeinschaft ändert sich vorerst wenig: Der Unterricht läuft bis zur Fertigstellung am Terrassenufer weiter.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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