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Lebenszufriedenheit von Jugendlichen sinkt – besonders bei Mädchen

Zwischen Mädchen und Jungen hat sich die Kluft bei der Lebenszufriedenheit in den vergangenen Jahren vergrößert.
Die Lebenszufriedenheit von Mädchen ist laut der Leipziger Jugendstudie stärker gesunken als die von Jungen. © pixabay/sweetlouise
Von: Wissensland
Die Lebenszufriedenheit von Jugendlichen in Leipzig ist seit 2015 gesunken. Besonders stark fällt der Rückgang bei Mädchen aus. Eine neue Studie zeigt, wie groß die Unterschiede inzwischen geworden sind – und warum die Ursachen komplex sind.

Die Lebenszufriedenheit von Jugendlichen in Leipzig ist zwischen 2015 und 2023 gesunken. Besonders stark fiel der Rückgang bei Mädchen aus. Das zeigt eine neue Studie von Forschenden der Universität Leipzig, des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Leuphana Universität Lüneburg. Der Unterschied bei der Lebenszufriedenheit zwischen Mädchen und Jungen hat sich deutlich vergrößert.

Für die Untersuchung wertete das Forschungsteam Daten der Leipziger Jugendstudie aus. Dafür wurden in den Jahren 2010, 2015 und 2023 insgesamt rund 4.800 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren zu ihren Lebensumständen befragt.

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Die Schere zwischen Mädchen und Jungen wächst

Zwar gaben 2023 insgesamt weniger Jugendliche an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein als noch 2015. Auf einer Skala von eins bis fünf sank die durchschnittliche Lebenszufriedenheit von 3,9 auf 3,7 Punkte. Die Entwicklung verlief jedoch nicht für alle gleich.

"Alle Jugendlichen sind 2023 gegenüber 2015 unzufriedener, aber die Abnahme ist bei den Mädchen doppelt so stark wie bei den Jungen“, sagt Studienleiterin Dr. Julia Rohrer von der Universität Leipzig.

Während Mädchen 2015 nur geringfügig niedrigere Werte bei der Lebenszufriedenheit angaben als Jungen, lag der Abstand 2023 bereits bei fast einem halben Punkt auf der Skala. Die Forschenden sprechen von einer wachsenden „Gender Gap“, also einer zunehmenden Kluft zwischen den Geschlechtern.

Viele Faktoren spielen eine Rolle

Warum sich diese Unterschiede vergrößert haben, lässt sich laut den Forschenden nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Besonders deutlich zeigte sich die Entwicklung bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Allerdings habe sich die Zusammensetzung dieser Gruppe in Leipzig in den vergangenen Jahren stark verändert.

Während 2010 viele Befragte einen vietnamesischen Familienhintergrund hatten, waren 2023 häufiger Jugendliche mit Fluchtgeschichte oder muslimischem Hintergrund vertreten. Ein Teil der Unterschiede könnte deshalb auch auf Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur zurückgehen.

Hinzu kommt, dass die Befragung 2023 erstmals auf Tablets statt auf Papier durchgeführt wurde. Die Forschenden halten es für möglich, dass die größere Anonymität dazu geführt hat, dass insbesondere Mädchen ihre tatsächliche Zufriedenheit offener angegeben haben.

Darüber hinaus fanden sich Hinweise darauf, dass sich die Unterschiede bei der Zufriedenheit mit Freizeitaktivitäten und mit Freundschaften vergrößert haben. Die Forschenden vermuten, dass die Corona-Pandemie Mädchen in diesen Bereichen stärker belastet haben könnte als Jungen.

Keine einfachen Antworten

Auch in Deutschland und international wird derzeit darüber diskutiert, ob sich die psychische Gesundheit von Mädchen und jungen Frauen verschlechtert. Als Ursache werden häufig soziale Medien genannt. Die Leipziger Forschenden mahnen jedoch zur Vorsicht.

Die bisherigen Daten erlaubten keine eindeutigen Schlussfolgerungen. Viele internationale Studien seien nur eingeschränkt vergleichbar, zudem hätten sich Erhebungsmethoden und Diagnosekriterien in verschiedenen Ländern verändert.

Die Ergebnisse zeigen dennoch, dass die Lebenszufriedenheit junger Menschen aufmerksam beobachtet werden sollte – insbesondere bei Mädchen. Warum sich die Unterschiede zwischen den Geschlechtern vergrößern, ist nach Ansicht der Forschenden eine wichtige Frage für künftige Untersuchungen.

Originalpublikation:
Rohrer, J.M., McElreath, R. & Kachel, G. Why Did the Gender Gap in Adolescent Life Satisfaction Grow? Evaluating Methodological and Demographic Explanations. J Happiness Stud 27, 85 (2026).

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