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Lukas Rietzschel recherchierte für «Sanditz» in der Ukraine

Lukas Rietzschel recherchierte für «Sanditz» in der Ukraine
Der Görlitzer Autor Lukas Rietzschel hat einen neuen Roman «Sanditz» geschrieben. (Archivbild) / Foto: Paul Glaser/dpa
Von: DieSachsen News
Sein dritter Roman «Sanditz» spielt in einem fiktiven kleinen Ort in der Lausitz. Für die Recherche reiste der Autor sogar in die Ukraine. Wie seine Erlebnisse das Buch geprägt haben.

Der Görlitzer Autor Lukas Rietzschel hat für seinen neuen Roman «Sanditz» auch vor Ort in der Ukraine recherchiert. Er sei über Polen und dann weiter mit dem Nachtzug über die Grenze gereist. «Und auf einmal ist man im Kriegsland», sagte Rietzschel bei einer Lesung in Dresden. Er habe eine «Schneise der Verwüstung» erlebt und an der Grenze eine lange Schlange von Frauen und Kindern, die auf ihre Ausreise warteten. «Das hat mich wahnsinnig aufgewühlt bis heute», so Rietzschel. Er selbst habe hingegen als EU-Bürger mühelos ein- und ausreisen können - und das als großes Privileg erlebt. 

In seinem dritten Roman beleuchtet Rietzschel die Geschichte der Familie Wenzel vom Ende 1970er-Jahre bis hin zur Corona-Pandemie und dem Beginn des Ukraine-Krieges als eine Art ostdeutsche Familien- und Gesellschaftschronik. Eine der Figuren - der Ex-Polizist Tom - reist als Freiwilliger in die Ukraine, um dort die Streitkräfte zu unterstützen.

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«Ein Ort, wie ich ihn gern hätte»

Sanditz - so der Titel des Romans - ist eine fiktive Lausitzer Kleinstadt nahe einem Braunkohlerevier, an der «Bruchkante des Tagebaus», wie Rietzschel beschreibt. In dieser Stadt stecke ein wenig von Kamenz drin, aber auch von Görlitz, Zittau und Weißwasser mit seiner Glasindustrie, so Rietzschel. «Ich baue mir einfach einen Ort, wie ich ihn gern hätte.»

Der Roman ist geprägt von zahlreichen Figuren und Zeitsprüngen. Um den Überblick nicht zu verlieren, hat Rietzschel viele Reißzwecken, rote Schnüre und Klebezettel an die Wand gepinnt. Ähnlich, wie man sich die Arbeit der Kriminalpolizei vorstelle, so der Autor. «Die Rauhfasertapete war voll.» 

Rietzschel als wichtige Stimme des Ostens

Rietzschel wurde 1994 in Räckelwitz geboren und wuchs in Kamenz auf. Er studierte Politikwissenschaft, Germanistik und Kulturmanagement in Kassel und Zittau/Görlitz. Rietzschels erster Roman «Mit der Faust in die Welt schlagen», in der er eine Familiengeschichte von Wendeverlierern und Rechtsradikalen erzählt, erregte 2018 Aufmerksamkeit. Der Roman wurde verfilmt. 

2022 bekam der Autor den Sächsischen Literaturpreis 2022 - als «eine unüberhörbare, wichtige Stimme aus dem Osten», die die langfristigen Folgen des tiefgreifenden Wandels nicht nur im Osten Deutschlands und nicht nur in den ländlichen Regionen für die Menschen bewusst mache.

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