Mit dem Hinweis «Mind the Gap!» werden an Londoner U-Bahn-Stationen Fahrgäste vor der Lücke zwischen Bahnsteig und einfahrender Bahn gewarnt. Bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) bekommt der Warnruf jedoch eine andere Bedeutung. Unter dem Motto «Akzent – Mind the Gap!» geht es um eine Lücke, die der künstlerische Nachwuchs in den Umbaupausen zwischen Ausstellungen füllen soll. Im Kupferstich-Kabinett im Residenzschloss übernimmt das derzeit der Fotograf Robert Vanis – noch bis Ostermontag.
Nachwuchs kann im Kupferstich-Kabinett aus dem Vollen schöpfen
Der Nachwuchs kann dabei aus dem Vollen schöpfen. Denn das Kupferstich-Kabinett bewahrt mit mehr als einer halben Million Zeichnungen, Druckgrafiken und Fotografien vom Mittelalter bis heute Werke bedeutender Meister wie Dürer, Rembrandt, Toulouse-Lautrec oder Baselitz. Für die Absolventen der HBFK sei es eine große Freude, dort ausstellen zu dürfen, sagt Robert Vanis. Er erinnere sich noch gut an seine erste Begegnung mit Originalen im Studiensaal des Kabinetts.
Brücke zwischen Kunst der Gegenwart und Vergangenheit
Direktorin Buck betont, dieser Ort sei für alle offen, kostenfrei zugänglich und «ein wirklich großzügiges und demokratisches Angebot der SKD». Gerade jungen Menschen und Künstlern die Sammlung zu öffnen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, gehöre zum Selbstverständnis des Hauses. Auch für das Kupferstich-Kabinett sei «Mind the Gap!» eine große Bereicherung. Das Format ermögliche es, die eigene Sammlung aus der Perspektive junger zeitgenössischer Künstler zu betrachten und eine Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu schlagen.
Für seine Ausstellung hat Robert Vanis das Foyer des Studiensaals in rotes Licht getaucht. Damit will er das Gefühl erzeugen, eine Dunkelkammer zu betreten – seit 170 Jahren ein zentraler Arbeitsort für Fotografen. In der Schau sind ebenso fotografische Manipulationen zu sehen, die glaubwürdig wirken, wie Realitätsbilder, die irritieren. Der Fotograf möchte sein Publikum dazu anregen, über technischen Wandel, Zuverlässigkeit und den Kunstcharakter der Fotografie nachzudenken. In einer Vitrine liegen Skizzen: «Dieser unfertige Moment – so könnte man das nennen – darauf möchte ich hinweisen.»