Andere Weinbaugebiete haben Lagen, die heißen Hölle. Die Sachsen haben sowas nicht – dafür aber eine Lage, die Paradies heißt. Und das trotz des teilweise höllisch steilen Terroirs: bis zu 60 % – da muss man schon Bergziegen-Qualitäten mitbringen als Winzer (m/w/d). Aber das Paradies kann auch flach sein, oben im Auslauf. Entsprechend unterschiedlich ist das Rebsortenangebot auf diesem rund 5,6 ha großen Weinberg, den zum größten Teil Schloss Wackerbarth bewirtschaftet (der andere, kleinere, gehört zur von mir 2015 besuchten Winzerei Paradiesberg). In der Steillage stehen bei den Wackerbarths Riesling und Traminer, auf der ein Hektar großen Ebene Goldriesling. Und mit dem begann heute die Lese des Jahrgangs 2026.
Der Lesebeginn liegt nur unwesentlich früher als im Durchschnitt der vergangenen Jahre, wusste der Weinbauleiter von Schloss Wackerbarth, Till Neumeister, zu berichten: „Im Vergleich zum Vorjahr sind wir eine Woche früher dran. Im sehr heißen und trockenen Jahr 2018 lag der Lesestart beispielsweise noch mal 14 Tage eher, am 6. August.“ Heiß war’s dennoch, und zwar einmal bemerkenswert früh, nämlich Mitte bis Ende Juni (mit Spitzentemperaturen von 41,7 Grad in Diesbar-Seußlitz auf dem Thonberg), und in dieser Zeit auch trocken dazu. Die Rebstöcke hätten das aber gut weggesteckt. Ein wenig Erfahrung kommt dann noch hinzu, wie der immer sehr fröhlich und bescheiden auftretende Till Neumeister dann ergänzt: „Mit geeigneten Maßnahmen haben wir unsere Reben dabei unterstützt, die aktuellen Witterungsverhältnisse zu meistern. Dazu gehören neben einer gezielten Bewässerung unserer Junganlagen auch eine individuell angepasste Bodenbearbeitung sowie eine aufwendige Pflege der Laubwand.“ In Summe lautet daher das Resümee zum Lesebeginn: „Unsere Trauben präsentieren sich aktuell in einem sehr guten Zustand und sind gesund.“