Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Wissensland

Wenn der Zyklus die Stimmung belastet

Was viele als „schlechte Laune" abtun, ist für betroffene Frauen eine echte Erkrankung – mit messbaren Ursachen im Gehirn.
Erschöpft, gereizt, am Limit: Für Frauen mit PMDS ist das kein Ausnahmetag, sondern bittere Routine, Monat für Monat. Die Forschung will ihnen helfen. © KI-generiert mit ChatGPT
Von: Wissensland
Millionen Frauen leiden jeden Monat unter starker Reizbarkeit, Angst und tiefer Niedergeschlagenheit – kurz vor der Periode. Ein Forschungsteam aus Leipzig hat nun erstmals gezeigt, dass ein gestörtes Stresshormon am Morgen dabei eine Rolle spielt. Die Studie könnte helfen, ein lange unterschätztes Frauenleiden endlich besser zu verstehen.

Kurz vor der Periode ist für viele Frauen mehr als nur Unwohlsein. Reizbarkeit, Schlafprobleme, Angstgefühle oder tiefe Niedergeschlagenheit können so stark werden, dass der Alltag kaum noch zu bewältigen ist. Wer solche Beschwerden erlebt, könnte an PMDD – der Prämenstruellen Dysphorischen Störung – leiden. Bis zu acht Prozent aller Frauen weltweit sind davon betroffen. Forschende aus Leipzig haben nun neue Hinweise auf mögliche biologische Ursachen gefunden.

Jeden Morgen nach dem Aufwachen steigt der Spiegel des Stresshormons Cortisol kurz und deutlich an. Dieser sogenannte Cortisol-Antwort hilft dem Körper, in den Tag zu starten und auf Belastungen vorbereitet zu sein. Bei Frauen mit PMDD ist dieser morgendliche Anstieg rund um den Eisprung jedoch abgeschwächt. Das zeigt eine Studie, die im British Journal of Psychiatry veröffentlicht wurde. Durchgeführt wurde sie von einem Team um Prof. Julia Sacher und Kim Carina Hoffmann vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften und dem Universitätsklinikum Leipzig, gemeinsam mit weiteren Kollegen aus Leipzig und Jena.

Mehr aus dieser Kategorie

Serotonin als Teil des Puzzles

Für die Studie untersuchte das Team 30 Patientinnen mit PMDD und 29 gesunde Frauen in zwei Phasen ihres Zyklus. Die Teilnehmerinnen gaben Speichelproben ab, unterzogen sich MRT- und PET-Untersuchungen und beantworteten Fragebögen. PET ist ein bildgebendes Verfahren, mit dem sich Stoffwechselprozesse im Gehirn sichtbar machen lassen.

Die Forschenden analysierten außerdem das Zusammenspiel zwischen Cortisol und dem Botenstoff Serotonin, der eine wichtige Rolle für die Stimmung spielt. Dabei zeigte sich: Niedrigere Cortisol-Spitzen kurz vor der Menstruation gingen mit stärkeren depressiven Symptomen und einer erhöhten Bindung von Serotonintransportern im Mittelhirn einher.

Große Belastung für Betroffene

"Obwohl die Symptome dieser Patientinnen nur wenige Tage im Monat auftreten, ist ihr Schweregrad vergleichbar mit einer schweren depressiven Episode", ordnet Prof. Julia Sacher die Bedeutung der Ergebnisse. "Über die gesamte reproduktive Lebensphase kann die kumulative Belastung dem Äquivalent von etwa sechs Jahren klinisch relevanter depressiver Symptome entsprechen.“

Die Studie liefert wichtige Hinweise darauf, wie Stresshormone und Serotonin im weiblichen Zyklus zusammenwirken könnten. Da jedoch nur 59 Frauen untersucht wurden, müssen weitere Studien zeigen, ob sich die Ergebnisse bestätigen. Die Forschenden betonen zudem, dass ihre Daten Zusammenhänge zeigen, aber noch keine direkte Ursache der Erkrankung belegen. Langfristig könnten solche Erkenntnisse helfen, PMDD besser zu verstehen und gezieltere Behandlungen zu entwickeln.

Originalpublikation:
Hoffmann, K. C.; Zsido, R. G.; Villringer, A.; Hesse, S.; Sabri, O.; Engert, V.; Sacher, J.: Exploring the cortisol awakening response in premenstrual dysphoric disorder and in healthy females across the menstrual cycle. British Journal of Psychiatry (2025) 

Wissensland
Artikel von

Wissensland

Wissensland ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

METIS