Viele Menschen nehmen täglich das Medikament Levothyroxin ein, weil bei ihnen eine leichte Schilddrüsenunterfunktion festgestellt wurde. Oft schlucken sie die Tabletten über viele Jahre. Doch brauchen wirklich alle diese Behandlung? Genau das wollen Forschende aus Dresden, Leipzig und Cottbus jetzt herausfinden.
Im Mittelpunkt der Studie steht eine leichte Form der Schilddrüsen-Unterfunktion. Fachleute nennen sie latente Hypothyreose. Die meisten Betroffenen merken davon nichts. Im Blut fällt lediglich ein erhöhter TSH-Wert auf. TSH ist ein Hormon, mit dem der Körper die Schilddrüse steuert. Ist der Wert erhöht, kann das ein Hinweis darauf sein, dass die Schilddrüse etwas zu wenig Hormone bildet.
Viele Menschen mit einer solchen Diagnose erhalten Levothyroxin. Das Medikament ersetzt das Schilddrüsenhormon, das der Körper selbst bildet. Besonders häufig betrifft eine Schilddrüsenunterfunktion Frauen und ältere Menschen. Ob Levothyroxin bei einer leichten Schilddrüsenunterfunktion tatsächlich hilft, ist wissenschaftlich bislang nicht sicher belegt. Dennoch wird das Medikament häufig verschrieben und oft über viele Jahre eingenommen.
Weniger Medikamente – wenn es sicher ist
Über mehrere Monate kontrollieren Hausärzte regelmäßig die Schilddrüsenwerte und fragen nach Beschwerden und der Lebensqualität der Teilnehmenden. Die Studie soll zeigen, ob das Absetzen der Tabletten genauso sicher ist wie ihre weitere Einnahme und den Betroffenen keine Nachteile entstehen. "Wird der Nachweis erbracht, dass ein sicheres Absetzen möglich ist, werden wir entsprechende Handlungsempfehlungen für Ärztinnen und Ärzte veröffentlichen", sagt Projektleiterin Dr. Karen Voigt.
Ein Beirat aus Patienten und Hausärzten begleitet das Projekt kritisch in allen Phasen. Außerdem wirkt er daran mit, den Studienplan und später auch die Ergebnisse verständlich für Fachleute und die Öffentlichkeit aufzubereiten. "Mit DELTA-RCT betreten wir Neuland", sagt Prof. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. Öffentlich geförderte Studien in der Allgemeinmedizin seien nach wie vor selten. Die Ergebnisse könnten künftig dabei helfen, unnötige Behandlungen zu vermeiden, ohne die Sicherheit der Patienten zu gefährden.