Jeder kennt es: Nach einer schlechten Nacht fällt das Denken schwerer, man ist unkonzentriert und der Körper wirkt erschöpft. Doch warum Schlaf so tief in Gesundheit, Gedächtnis und Stoffwechsel eingreift, verstehen Forschende bis heute nur teilweise. Ein Team der Technische Universität Dresden hat jetzt einen möglichen Schlüsselmechanismus entdeckt.
Die Forschungsgruppe um Prof. Henrik Bringmann vom Biotechnologischen Zentrum (BIOTEC) der TU Dresden hat untersucht, wie das Hormon Somatostatin im Körper wirkt. Somatostatin ist seit Jahrzehnten bekannt. Es bremst Wachstum und Stoffwechsel und kommt bei Tieren und Menschen vor. Rätselhaft war bisher, wie ein einziges Molekül so viele unterschiedliche Prozesse gleichzeitig beeinflussen kann. Die Studie erschien im Fachjournal Science Advances.
Ein Wurm als Schlüssel zum Menschen
Das Versuchstier heißt Caenorhabditis elegans, kurz C. elegans. Es ist ein hauchdünner Fadenwurm, etwa einen Millimeter lang. Er lebt im Boden und besitzt exakt 302 Nervenzellen. Beim Menschen sind es Milliarden. "C. elegans sind kleine, genetisch hervorragend untersuchbare Organismen. Da sie viele grundlegende Prozesse mit dem Menschen teilen, sind sie ein wertvolles Modell, um fundamentale biologische Phänomene wie den Schlaf zu entschlüsseln", sagt Bringmann. Die einfache Struktur des Wurms erlaubt es, wichtige Dinge klar zu beobachten. "Genau deshalb ist die Grundlagenforschung an Fadenwürmern so wertvoll: Sie ermöglicht es uns, komplexe Wechselwirkungen zu entwirren und die elementaren Mechanismen zu verstehen, die über unser Leben und unsere Gesundheit entscheiden", ergänzt er.
Die Erkenntnisse aus Dresden zeigen: Schlaf ist kein passiver Zustand. Er könnte eine zentrale biologische Schaltstelle sein, über die Hormone wichtige Prozesse im Körper koordinieren. Und ein winziger Wurm hat geholfen, das besser zu verstehen.
Originalpublikation:
Byoungjun Park, Lama Mohsen, Inka Busack, Laura Uhlig, Lorenzo Rossi, Gill Pollmeier, Ellen Geens, Majdulin Nabil Istiban, Sajal Mandal, Reshma Dominic Savio, Isabel Beets, Attila Stetak, und Henrik Bringmann: C. elegans somatostatin/allatostatin C signaling regulates sleep, metabolism, survival, and memory via a sleep-active neuron. Science Advances (April 2026)