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Nach der Herzoperation: Leipzig zeigt, wie Intensivbetten frei bleiben

Dieser Raum ersetzt für neun von zehn Herzpatienten die Intensivstation: der PACU am Herzzentrum Leipzig.
Im spezialisierten Aufwachraum des Herzzentrums Leipzig werden Patienten direkt nach der OP überwacht – oft ohne den Umweg über die Intensivstation. © Christian Hüller/Helios Kliniken GmbH
Von: Wissensland
Nach einer Herzoperation auf die Intensivstation – das klingt selbstverständlich. Das Herzzentrum Leipzig beweist seit 20 Jahren das Gegenteil. Eine Langzeitstudie mit über 20.000 Patienten zeigt: Ein spezialisierter Aufwachraum ist in neun von zehn Fällen genauso sicher und entlastet das System.

Nach einer Herzoperation landet man doch automatisch auf der Intensivstation – oder? Das Herzzentrum Leipzig zeigt seit 20 Jahren, dass das nicht immer so sein muss. Herzoperationen gelten als besonders belastende Eingriffe. Umso naheliegender erscheint die Annahme, dass danach automatisch eine intensivmedizinische Betreuung folgt. Doch seit 2005 verfolgt das Zentrum einen anderen Ansatz.

Das Konzept heißt ERACS, kurz für „Enhanced Recovery After Cardiac Surgery“. Auf Deutsch etwa: beschleunigte Erholung nach herzchirurgischen Eingriffen. Statt routinemäßig auf die Intensivstation kommen viele Patienten zunächst in einen spezialisierten Aufwachraum, die sogenannte Post-Anesthesia Care Unit (PACU). Dort betreut anästhesiologisches Fachpersonal die Patienten in den ersten Stunden nach der Operation und überwacht ihre Stabilisierung engmaschig.

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Neun von zehn Patienten brauchen keine Intensivstation

Eine wissenschaftliche Auswertung über 15 Jahre liefert nun bemerkenswerte Zahlen. Von 20.773 ausgewerteten Patienten konnten mehr als 90 Prozent dank des PACU-Konzepts ohne anschließende Intensivstation versorgt werden. Die künstliche Beatmung endete im Durchschnitt nach knapp zwei Stunden, der Aufenthalt im spezialisierten Aufwachraum dauerte rund vier bis viereinhalb Stunden. Danach wurden die Patienten zunächst auf eine sogenannte Intermediate-Care-Station und später auf die normale Krankenhausstation verlegt.

Damit das funktioniert, müssen die Patienten nach der Operation stabil sein. "Konkret bedeutet dies, dass die Patienten postoperativ eine normale Körpertemperatur und einen stabilen Blutkreislauf haben müssen. Außerdem sollten sie keine relevanten Blutungen aufweisen", erklärt Jörg Ender, Chefarzt der Anästhesiologie und Intensivmedizin am Herzzentrum Leipzig. Wer diese Kriterien nicht erfüllt, wird weiterhin intensivmedizinisch betreut.

Ein Teamerfolg mit Folgen für den Klinikalltag

Das Konzept wurde über die Jahre schrittweise ausgebaut. Startete die PACU 2005 mit drei Betten, waren es 2010 bereits acht. Gleichzeitig stieg der Anteil der Patienten, die über diesen Weg versorgt wurden, von 19 Prozent im Jahr 2006 auf 60 Prozent im Jahr 2020. Obwohl die Eingriffe komplexer und die Risikoprofile der Patienten höher wurden. Für Kliniken hat das eine praktische Bedeutung: Intensivbetten, die besonders personal- und ressourcenintensiv sind, bleiben stärker für Patienten verfügbar, die tatsächlich intensivmedizinische Betreuung benötigen.

"Der Erfolg des Leipziger ERACS-Konzepts ist vor allem ein Teamerfolg", sagt Ender. Nur durch die enge Zusammenarbeit von Anästhesiologie, Herzchirurgie, Intensivmedizin, Pflege, Physiotherapie und Klinikmanagement hätten die Abläufe so verbessert werden können, dass Patienten schneller stabil seien und keine intensivmedizinische Nachbetreuung mehr benötigten. Die Studie zeigt damit, dass sich auch in der Herzchirurgie neue Wege der Nachsorge sicher in den Klinikalltag integrieren lassen.

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