Viele Menschen, die schwer an Covid-19 erkrankten, starben in vielen Fällen nicht am Virus selbst, sondern an den Folgen einer fehlgeleiteten Reaktion des Körpers. Eine außer Kontrolle geratene Kombination aus Entzündung und Blutgerinnung führte zu schweren Komplikationen. Diesen Prozess nennt die Medizin Thrombo-Inflammation. Prof. Berend Isermann von der Universität Leipzig erforscht ihn seit Jahren. "Sie spielt bei nahezu allen Erkrankungen eine Rolle", sagt Isermann. Die Pandemie habe gezeigt, wie groß die Lücke ist. "Diese desaströse Erfahrung hat uns vor Augen geführt, dass wir bisher keine Therapie für die Thrombo-Inflammation haben."
Thrombo-Inflammation entsteht, wenn das Zusammenspiel von Gerinnung und Entzündung aus dem Gleichgewicht gerät. Normalerweise schützen diese Prozesse den Körper, etwa bei Verletzungen oder in der Schwangerschaft. Gerät die Balance jedoch ins Wanken, können sie erheblichen Schaden anrichten. Bei Diabetes, Herz- oder Nierenerkrankungen spielt sie eine zentrale Rolle.
Vom Labor zur Therapie
Isermann untersucht außerdem, wie solche Schalter den Zellstoffwechsel beeinflussen. "Wenn wir den Stoffwechsel auf zellulärer Ebene verstehen, können wir auch metabolische Erkrankungen besser begreifen – und vielleicht heilen." Die Forschung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Partnern in Leipzig, unter anderem im Exzellenzcluster LeiCeM und in einem Sonderforschungsbereich.
Der entdeckte Schalter wurde bereits bei Nierenerkrankungen, nach Herzinfarkten im Tiermodell, bei schweren Covid-Verläufen und bei autoentzündlichen Erkrankungen nachgewiesen. Ziel ist es nun, seine Aktivität beim Menschen messbar zu machen. Das könnte helfen, Krankheitsverläufe besser einzuschätzen und neue Therapien zu entwickeln, die Entzündung und Gerinnung gezielt regulieren.
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