Dem Schmuggel auf der Spur: Dresdner Forscherin kämpft für Südafrikas Schildkröten
Wer ein Tier aus der Wildnis stiehlt, reißt es aus seinem Lebensraum. Oft verlieren diese Tiere auch den Bezug zu ihrer ursprünglichen Herkunft. Genau das passiert vielen Pantherschildkröten in Südafrika. Sie werden illegal gefangen, gehandelt, weitergegeben und landen schließlich in Auffangstationen, weit entfernt von dem Ort, an dem sie zur Welt kamen. Eine Forscherin der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden hat nun einen Ansatz entwickelt, ihnen die Heimat zurückzugeben, mit Hilfe von DNA.
Dr. Melita Vamberger hat gemeinsam mit dem südafrikanischen Wissenschaftler Dr. Adrian J. Armstrong eine genetische Referenzdatenbank für Pantherschildkröten aufgebaut und erweitert. Eine solche Datenbank funktioniert ähnlich wie ein genetischer Fingerabdruck. Sie speichert die typischen Erbgutmerkmale von Tieren aus bestimmten Regionen. Wird eine beschlagnahmte Schildkröte untersucht, lässt sich ihr genetisches Profil mit den gespeicherten Daten abgleichen und so ihre Herkunftsregion bestimmen.
Was die Gene verraten
Das Ergebnis überraschte die Wissenschaftler. Von 50 untersuchten Tieren aus einer Auffangstation in der Provinz KwaZulu-Natal stammte genetisch gesehen nur eine einzige Schildkröte auch tatsächlich aus dieser Gegend. "Das zeigt, wie stark illegaler Handel, Umsiedlungen und private Haltung die natürlichen Verbreitungsmuster dieser Art durcheinanderbringen", sagt Vamberger. Die Pantherschildkröte gilt laut der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur zwar offiziell als "nicht gefährdet". Doch die Tiere sind in Südafrika erheblichen Gefahren ausgesetzt: illegaler Handel, Wilderei, Nutzung als Nahrungsquelle und in der traditionellen Medizin, tödliche Unfälle an Elektrozäunen sowie der Verlust ihres Lebensraums durch Zersiedelung, Überweidung und Brandrodung.
Wer eine Schildkröte einfach irgendwo in der Wildnis aussetzt, riskiert viel. Die Tiere könnten in ungeeignete Lebensräume geraten, einheimische Populationen mit Krankheiten infizieren oder die genetische Vielfalt einer Region durcheinanderbringen. Deshalb brauchte es vor der Auswilderung zwei Dinge. Die genaue Herkunft und eine sorgfältige Vorbereitung.
Freiheit nach sechs Monaten Vorbereitung
27 der 50 genetisch analysierten Tiere konnten bislang zurück in die Natur entlassen werden. Alle durchliefen zuvor eine rund sechsmonatige Eingewöhnungsphase. Dabei lebten sie zunächst in gesicherten Gehegen in ihrem späteren Lebensraum. Forschende beobachteten, wie gut sie sich anpassten. Erst dann öffneten sich die Tore endgültig. Je nach genetischer Herkunft kamen die Tiere in unterschiedliche Schutzgebiete. In die Ostkap-, Nordkap-, Freistaat- und Limpopo-Provinz. "Das ist entscheidend, um sie an den richtigen Ort zurückzubringen und bestehende Populationen sinnvoll zu stärken", fasst die Senckenberg-Forscherin zusammen.
Für die Zukunft wünscht sie sich mehr Zusammenarbeit zwischen Naturschutzbehörden, Auffangstationen und Forschungseinrichtungen. Nicht nur in Südafrika, sondern auch grenzübergreifend. Die Studie erschien im Fachjournal "Conservation Genetics".
Originalpublikation:
Armstrong, A.J., Kropff, A.S., Kotze, A. et al. Back Home: first successful geographical assignment of rehabilitated leopard tortoises Stigmochelys pardalis using a conservation genetic database. Conserv Genet 27, 41 (2026).