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Erwärmung der Arktis: Leipziger Forscher messen Wolken über dem Meereis

Das Forschungsflugzeug Polar 5 des Alfred-Wegener-Instituts ist die fliegende Messstation der Kampagne COMPEX. Es startet von Spitzbergen aus in Richtung Meereis.
An Bord der Polar 5 messen Sensoren und Radargeräte, was Satelliten nicht sehen können: Wolken über dem arktischen Eis. © Dr. André Ehrlich/Leipziger Institut für Meteorologie
Von: Wissensland
Die Arktis erwärmt sich schneller als jede andere Region der Erde. Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universität Leipzig fliegt jetzt über das Meereis, um zu verstehen, welche Rolle Wolken dabei spielen. Was Satelliten nicht messen können, soll das Polarflugzeug Polar 5 aufdecken.

Die Arktis erwärmt sich schneller als jede andere Region der Erde. Doch warum ist das so? Wolken spielen dabei eine entscheidende Rolle. Genau dort liegt aber das Problem. Satelliten können sie über dem Meereis nur schwer zuverlässig messen. Forschende der Universität Leipzig wollen das jetzt ändern.

Seit dem 13. März 2026 ist die internationale Forschungskampagne COMPEX in der Luft. Das Kürzel steht für "Clouds over complex environment“, also Wolken über einer komplexen Umgebung. Das Forschungsflugzeug Polar 5 des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, startet von Longyearbyen auf der norwegischen Insel Spitzbergen. Bis zum 15. April sind 80 Flugstunden geplant. Geleitet wird die Kampagne von Dr. Mario Mech von der Universität zu Köln. Mit dabei ist auch die Universität Leipzig.

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Frühling über dem Eis ist kein Zufall

Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt. "Das Frühjahr ist für die geplanten Datenerhebungen der ideale Zeitraum, da die Meereisbedeckung in dieser Zeit am größten und somit von Spitzbergen aus gut erreichbar ist", erklärt Mech. Im Frühling liegt also besonders viel Meereis unter den Wolken, das die Forschenden untersuchen wollen.

An Bord befinden sich hochmoderne Messgeräte. Radargeräte vermessen die Struktur von Wolken und Niederschlag. Radiometer messen, wie viel Sonnenstrahlung Wolken und Eis aufnehmen und wieder abgeben. Weitere Sensoren erfassen Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind. All diese Daten helfen zu verstehen, wie Wärme zwischen der Eisoberfläche und der Atmosphäre transportiert wird, besonders in der komplexen Randzone des Meereises.

Satelliten sehen zu wenig

Das eigentliche Problem ist technisch. Satelliten beobachten die Erde aus dem All, doch über Meereis stoßen sie an ihre Grenzen. Wolken und Eis sind beide hell und weiß. Für Satelliteninstrumente ist der Unterschied oft schwer zu erkennen. "Für gängige Satellitenbeobachtungen stellen Wolken über Meereis aufgrund des geringen Kontrasts eine besondere Herausforderung dar", erläutert Prof. Dr. Manfred Wendisch, Sprecher des Forschungsverbunds (AC)³ an der Universität Leipzig. "Mit unserer Messkampagne wollen wir dazu beitragen, diese Beobachtungsmethoden zu verbessern und bestehende Beobachtungslücken – wenn auch nur in einem kleinen, räumlich begrenzten Gebiet – zu schließen."

COMPEX ist Teil des Sonderforschungsbereichs (AC)³, kurz für "Arctic Amplification“. Dieser Verbund unter Leitung der Universität Leipzig untersucht seit Jahren, warum sich die Arktis besonders stark erwärmt. Die neuen Messdaten sollen dabei helfen, Klimamodelle präziser zu machen – also die Computerprogramme, mit denen Forschende das Klima simulieren.

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