Die gravierenden Hitzeschäden mit der tagelangen Einstellung des Straßenbahnbetriebs in Leipzig sind auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Das geht aus dem nun vorgelegten Gutachten des TÜV Süd Rail hervor. Demnach kam es durch die Rekord-Hitze mit tagelangen Temperaturen um die 40 Grad und die gleichzeitige hohe Beanspruchung der Gleise durch Autos, Lastwagen und Busse zu den Schäden. Ende Juni war nach mehreren Tagen mit extremer Hitze der Straßenbahnbetrieb in Sachsens größter Stadt vollständig eingestellt worden. Laut Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) war an vielen Stellen an den Schienen die Fugenmasse aufgeweicht. Die Straßenbahnen hatten diese herausgedrückt und mit ihren Rädern auf Schienen und Weichen verteilt - bis zu fünf Millimeter dick. Die Masse härtete wieder aus, verklebte die Schienen und verschmutzte auch etwa 100 Fahrzeuge. Der Schaden beläuft sich laut LVB auf etwa 4,5 Millionen Euro. Bis zum Jahresende sollen die 14 Kilometer beschädigten Fugen wiederhergestellt sein. Die Fugen werden erneut mit Bitumen verfüllt, dieses Mal aber etwa fünf bis acht Millimeter tiefer. Das Material soll zudem mit einem Kunststoffgranulat veredelt werden, welches eine Haftung der Fugenmasse an Reifen und Rädern verhindern soll. Die LVB testet dieses Granulat derzeit auf einer besonderen Strecke. Zudem empfiehlt der Experte des TÜV eine Qualitätssicherung durch engere Kontrollen beim Einbringen der Masse und eine Anpassung an klimaresistente Infrastruktur. Der interne Hitzeplan der LVB sieht für die Zukunft einen zweistufigen Plan vor. «Ab 33 Grad werden intensive Messungen an den Gleisen vorgenommen und ab 38 Grad greifen Maßnahmen wie Kühlung und im Zweifel auch Sperrungen einzelner Strecken für Busse», erläuterte Stefan Röll, Bereichsleiter Infrastruktur bei der LVB. Diese Maßnahmen hätten auch schon in der erneuten Hitzeperiode im August geholfen. «Wir sind für alle Optionen offen und sind im Austausch mit vielen Kommunen. Aber wir müssen auch sagen, dass es ein solches Ereignis zuvor noch nicht gegeben hatte», sagte Toralf Müller, Geschäftsführer für Betrieb bei der LVB. Schließlich sei auch in der Zukunft aufgrund des Klimawandels mit extremen Hitzeperioden zu rechnen. Die LVB hatte im Sommer sogar die Bevölkerung um Hilfe gebeten. «Leipzig hält zusammen. Jetzt brauchen wir euch», hieß ein Aufruf. Rund 550 Frauen und Männer waren gekommen, um mit Spaten, Malerspachteln und Knieschonern die aus den Fugen gelaufene Masse von den Gleisen zu kratzen. Als Dank für die Hilfe und das Verständnis der Menschen hatte die LVB Freikarten spendiert. Wer ein gültiges Ticket besaß, durfte Anfang Juli kostenlos eine weitere Person in Bahn und Bus mitnehmen. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenFugen aufgeweicht und herausgedrückt - kein regulärer Verkehr
Granulat soll Fugenmasse zugefügt werden
LVB-Hitzeplan: Messungen und eingeschränkter Verkehr denkbar
550 Leipziger hatten freiwillig beim Freikratzen der Gleise geholfen