Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Wirtschaft

Generationenaufgabe Wasser: Reicht der Vorrat noch?

Generationenaufgabe Wasser: Reicht der Vorrat noch?
An Flüssen wie der Elbe ist in Zeiten von Trockenheit viel mehr vom Flussbett zu sehen als sonst (Archivbild). / Foto: Katharina Kausche/dpa
Von: DieSachsen News
Manche Talsperren sind im Sommer nicht mehr voll, das Grundwasser sinkt: Sachsen steht vor der Herausforderung, seine Wasserversorgung langfristig zu sichern. Das kostet neben Zeit auch viel Geld.

  Wer derzeit auf die Elbe oder andere Flüsse schaut, sieht vor allem eines: Ebbe. Der Pegel Dresden zeigt noch etwas mehr als einen halben Meter Wasserstand an. Vor 24 Jahren war das völlig anders. Im August 2002 wuchs die Elbe in Dresden auf einen bis dato unbekannten Höchststand von 9,40 Metern an und überschwemmte Teile der Stadt.

Das Gefühl, viel zu viel Wasser zu haben, ist seither geschwunden. Auch wenn es 2013 ein weiteres Jahrhunderthochwasser gab und der Fluss noch manches Mal über die Ufer trat, herrscht heute ein anderer Eindruck vor. Angesichts von Trockenheit und Hitze stellt sich die bange Frage, wie es mit der Wasserversorgung der Zukunft beschaffen ist. Was ist, wenn es mit dem Klimawandel so weitergeht? Wo kommt unser Wasser her?

Mehr aus dieser Kategorie

Der Osten Deutschlands ist trockener als der Westen 

In Sachsen macht man sich darüber vor allem im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Gedanken. Hier sitzen die Wasserexperten des Freistaates. Hier befindet sich das Landeshochwasserzentrum, das außer für Hochwasser auch für die generelle Landeshydrologie zuständig ist. 

Klimatologe Daniel Hertel verweist auf eine Sonderstellung Ostdeutschlands. Anders als der Westen sei der Osten vom Kontinentalklima geprägt und bekomme im Regelfall bereits ohne Klimawandel weniger Niederschlag ab.

Hertel erklärt die sogenannte Westwind-Zirkulation: Die Wolken vom Atlantik regnen sich auf ihrem Weg nach Osten an diversen Mittelgebirgen ab und können über der Landfläche zusätzliche Feuchtigkeit verlieren. Selbst innerhalb Sachsens lässt sich eine unterschiedliche Niederschlagsverteilung ausmachen. Im Erzgebirge fällt der Regen üppiger aus als in Ostsachsen. Die Lausitz gilt noch aus einem anderen Grund als wassermäßiges Sorgenkind: Hier hat jahrzehntelanger Braunkohlebergbau einem Landstrich praktisch das Wasser abgegraben. 

Programm «Zukunft Wasser für Sachsen»

Vor zweieinhalb Jahren hat Sachsens alte Regierung ein Programm «Zukunft Wasser für Sachsen» aufgelegt. Es beschreibt künftige Anforderungen - von der öffentlichen Wasserversorgung über Anpassungen bei den Talsperren bis hin zum Wasserrückhalt in der Fläche und einem Management bei Niedrigwasser. Der Investitionsbedarf wurde seinerzeit auf 1,6 Milliarden Euro beziffert. Gemessen an der Dimension der Aufgaben könne der Bedarf langfristig noch wachsen, meint Wasserexperte Andy Philipp.

Mit Blick auf die angespannte Haushaltslage im Freistaat darf bezweifelt werden, ob sich alle Maßnahmen des Programmes umsetzen lassen. Fest steht eines: Die Sicherung der Wasserversorgung ist eine Generationenaufgabe, in die noch viele Milliarden Euro fließen müssen. Im zuständigen Landesamt ist man weit von Panikmache entfernt. Doch Leute wie Philipp wissen, dass sich auch die Bevölkerung perspektivisch auf Veränderungen einstellen muss.

Sachsen sind bundesweit Vorbild beim Wasserverbrauch 

Dabei sind die Sachsen schon heute im bundesweiten Vergleich die größten Wasser-Sparer. In Deutschland liegt der aktuelle Wasserverbrauch bei etwa 125 Litern pro Tag, in Sachsen sind es weniger als 100 Liter, sagt Philipp. Das hänge vor allem mit den Investitionen in die Wasserinfrastruktur nach der Wende zusammen. Neue Rohrleitungen und neue Technik sorgen im Osten für weniger Schwund auf dem Weg zum Verbraucher. 

Philipp hält es für einen großen Luxus, dass hierzulande Wasser in ausgezeichneter Qualität mehr oder weniger zu den Selbstkosten frei Haus geliefert wird. Rund 40 Prozent der Bevölkerung erhalten in Sachsen das Trinkwasser aus Talsperren - im bundesweiten Vergleich ein hoher Wert. Wenn ein Fachmann wie Philipp von einem Wasserproblem spricht, dann zielt er nicht unbedingt auf die Menge von Wasser ab, sondern vielmehr auf dessen Verfügbarkeit zu bestimmten Zeiten.

Zufluss in die Talsperren ging drastisch zurück 

Nach Angaben der Landestalsperrenverwaltung haben die sächsischen Talsperren in diesem Juli nur ein Drittel ihres Zuflusses bekommen, den sie im Schnitt sonst in diesem Monat haben. Die Folge lässt sich derzeit besonders an der Talsperren Lehnmühle im Osterzgebirge beobachten. Sie ist momentan nur etwa zur Hälfte gefüllt. Eine Steinbrücke im Stauraum, die sonst komplett unter Wasser steht, ist wieder aufgetaucht. 

Eine sächsische «Trockenzeit» ist zumindest für die Fachleute schon seit mehr als zehn Jahren erkennbar. Seit 2013 geht das Grundwasser zurück. Ab 2018 folgten drei ausgeprägte Dürrejahre. Nur 2021 bildete eine Ausnahme. Nennenswerte Schneerücklagen aus dem Winter gibt es nicht mehr, was wiederum Auswirkungen auf das Grundwasser hat. Die Verdunstung nimmt zu, auch weil die Temperatur sowie Intensität der Sonnenstrahlen durch eine immer sauberer werdende Atmosphäre zunimmt.

Druck auf die strategische Ressource Wasser nimmt zu 

«Der Wasserhaushalt ist in den vergangenen Jahren unter Druck geraten, weil wir fast immer unterdurchschnittliche Niederschläge zu verzeichnen hatten», berichtet Philipp. 2026 sei man erneut auf einem solchen Pfad. «Das ist für sich genommen nicht dramatisch, aber es akkumuliert sich von Jahr zu Jahr.» Bislang sei noch immer genügend Wasser da gewesen, um die Bedürfnisse aller zu befriedigen. Doch ohne Vorkehrungen werde das so nicht bleiben.

Philipp zufolge wird es künftig viel mehr als bisher darum gehen, Niederschlagswasser in Städten und ländlichen Räumen zurückzuhalten - Stichwort: Schwammstadt. Unklar sei, in welchem Maß die Bevölkerung künftig den Wasserverbrauch etwa in Sommermonaten reduzieren müsse. Die Landkreise würden schon heute mit Entnahmeverboten aus den Oberflächengewässern reagieren. Insgesamt werde der Druck auf die strategische Ressource Wasser zunehmen.

Verbraucher mit guten Argumenten überzeugen

Um einen nachhaltigeren Umgang mit Wasser zu fördern, plädiert Philipp für ein bundesweites Modell nach bayerischem Vorbild: Dort wird für größere Wassernutzungen ein sogenannter «Wassercent» erhoben. Für die Entnahme von Grundwasser werden dort nun einheitlich 10 Cent pro Kubikmeter (1.000 Liter) fällig. Dabei gilt eine Freimenge von 5.000 Kubikmetern pro Jahr. «Das ist sicher eine Stellschraube, an der man drehen könnte», ist Philipp überzeugt. Es bringe nichts, die Probleme zu kaschieren. Mit guten Argumenten ließen sich die Konsumenten bestimmt überzeugen.

Dass es über den Tellerrand zu schauen gilt, beweist eine andere Anforderung an die sächsische Wasserwirtschaft. Per länderübergreifender Vereinbarung mit Berlin und Brandenburg ist der Freistaat gehalten, vor allem in Trockenzeiten genügend Wasser in die Spree einzuleiten. Bei Niedrigwasser stammt rund die Hälfte des Wassers in der Spree aus der «Sümpfung» des Braunkohletagebaus - dem Abpumpen und Entfernen von Grund-, Sicker- oder Grubenwasser. 

Sachsen muss Wasser für Brandenburg und Berlin liefern

Deshalb ist die Frage, was nach dem Ende der Braunkohleära geschieht. Ein kompletter Wegfall der Einspeisungen aus dem Tagebau wäre nach Ansicht von Philipp unter Umständen kritisch, etwa für den Wassertourismus im Spreewald. Um gerade bei Trockenheit die im Einzugsgebiet verfügbaren Wassermengen zu erhalten, müsste man weiterhin zumindest zeitweise «sümpfen» oder mehr Speicherraum schaffen. Als dritte Möglichkeit ist ein Überleiter von der Elbe in die Spree geplant - doch auch hier gibt es Widerstand.

Der Überleiter - ein Rohrsystem mit Pumpen - dürfte vor allem eine finanzielle Herausforderung sein. Allein für die Trasse zur Überleitung wurden bisher je nach Schätzung mehrere hundert Millionen Euro veranschlagt. Die jährlichen Betriebskosten etwa für das Pumpen des Wassers lassen sich auf einen einstelligen Millionenbetrag beziffern. Philipp weist auch auf den Zeitrahmen solch eines Projektes hin. «Das ist nichts, was man innerhalb weniger Jahren in die Landschaft stellt.» Auch deshalb bleibe Wasser eine Generationenaufgabe.

Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Sachsen News
Artikel von

Sachsen News

Sachsen News ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media