Das Dresdner Residenzschloss hat seine ehrwürdige Schlosskapelle wieder. Was noch zu DDR-Zeiten als schlichter Rohbau begann, präsentiert sich nun als architektonisches Meisterwerk und verbindet alte Pacht mit moderner Technik. Denn künftig solle die Kapelle nicht nur für Konzerte genutzt werden, sondern als Multifunktionssaal mit 270 Plätzen dienen, teilte das sächsische Finanzministerium mit. Der Ausbau verschlang 8,4 Millionen Euro. 3,7 Millionen davon steuerte der Bund bei. Inklusive Deckengewölbe kostete die Wiederherstellung der Schlosskapelle rund 12 Millionen Euro.
Schlingrippengewölbe gilt als architektonisches Kleinod
Die eigentliche Besonderheit der Schlosskapelle ist ihre Decke, ein sogenanntes Schlingrippengewölbe. Damit erlebte eine alte Bautechnologie aus der Gotik eine Renaissance. Architekten, Forscher und Bauingenieure ergründeten das Geheimnis dieser Gewölbeform, nachdem Baupläne verschwunden waren und die Technologie nur mündlich überliefert war. Dem Finanzministerium zufolge war es bisher noch niemandem gelungen, mit Ziegeln und doppelt gekrümmten Sandsteinrippen ein mittelalterliches Gewölbe nach traditioneller Technik von Grund auf neu zu bauen. Nicht selten mussten die heutigen Baumeister bei ihren Arbeiten in den Jahren von 2010 bis 2013 tüfteln.
Dresdner Residenzschloss soll 2027 endgültig fertig sein
Mit der Schlosskapelle ist ein weiterer Baustein beim Innenausbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Residenzschlosses gesetzt. Bis zur Fertigstellung aller Bereiche im Jahr 2027 investieren der Freistaat Sachsen und der Bund voraussichtlich rund 407 Millionen Euro in dieses Vorhaben, das noch in der letzten Phase der DDR begann.
Das Dresdner Schloss und seine Museen seien ein «Bestandteil deutscher und europäischer Kulturgeschichte», sagte Weimer. «Sie machen Dresden zu einer Kulturmetropole von Welt.» Das Schloss sei mehr als Schönheit. Es zeige deutsche Geschichte in ihrer ganzen Komplexität: künstlerische Pracht und Blüte, Zerstörung und Wiederaufbau, Verlust und Erneuerung.
Kurfürst Moritz von Sachsen hatte die Schlosskapelle um 1550 als Kirche und Musikstätte im Nordflügel des Residenzschlosses errichten lassen. Als Hofkapelle eines lutherischen Kurfürsten war sie ein zentrales Symbol der Reformation und zugleich ein Raum für die Musik. Denn sie war die Spielstätte der 1548 gegründeten Hofkapelle, der heutigen Sächsischen Staatskapelle Dresden. Kapellmeister Heinrich Schütz führte hier in der Barockzeit seine Werke auf.
Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) als Hausherrin des Schlosses wollen die Kapelle nun als vielfältige Begegnungsstätte nutzen - als «Ort für Musik, für wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs sowie für private Veranstaltungen», wie es SKD-Generaldirektor Bernd Ebert ausdrückte. Am kommenden Samstag gibt es einen Tag der offenen Tür. Ab dem 19. November kann die Schlosskapelle im Rahmen von Führungen besichtigt werden.