Kennen Sie Lufthaken, Kümmelspalter oder Froschhaar-Pinsel? Wer früher eine Lehre in Industrie, Handwerk oder Verwaltung begann, wurde von Ausbildern und Kollegen gern humorvoll auf die Schippe genommen. Dann wurde der oder die Neue schon einmal losgeschickt, den Rahmen fürs Blutbild zu holen, Ersatzblasen für die Wasserwaage, die Gewerbesteuermesslatte oder das Steuerhinterziehungsformular. Wenn der Lehrling dann tatsächlich loszog, hatten seine neuen Kollegen ihre Freude. Gibt es solche Bräuche zum Ausbildungsstart heute noch in Sachsen?
Anfragen bei Unternehmen, Kammern und Verwaltungen zeigen, dass bei manchen Mitarbeitern zumindest die Erinnerung daran lebt. Bei der Sparkasse Zwickau etwa war laut Ausbildungsleiter Ronny Hüdel Anfang der 2000er Jahre die Stornozange berüchtigt. Die brauchte man angeblich, um Lastschriften zu stornieren. Doch weil die Zangen rar waren, haben sich die Banken diese untereinander geliehen, so die Erzählung. Die Azubis wurden dann zu einer anderen Bank geschickt, die Zange zu holen. Andere sollten Fingerabdrücke abgeben für Vergleiche bei der Polizei - wobei die Kollegen das Stempelkissen zuvor mit viel Farbe präpariert hatten.