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Podcast: Spionage, Widerstand und Kalter Krieg – 70 Jahre Stasi-Knast Bautzen II

Podcast: Spionage, Widerstand und Kalter Krieg – 70 Jahre Stasi-Knast Bautzen II
Foto: Gedenkstätte Bautzen
Von: Uwe Tschirner
Im August 1956 übernahm die Staatssicherheit ein altes Strafgefängnis in Bautzen. Es sollte zu einem der geheimsten und berüchtigtsten Orte der DDR werden: Bautzen II, umgangssprachlich bekannt als "Mielkes Privatknast".

Am 9. August 1956, also genau heute vor 70 Jahren, wurde ein altes Strafgefängnis in Bautzen vom Ministerium für Staatssicherheit übernommen und zur Sonderhaftanstalt für besonders gefährliche "Staatsfeinde" umfunktioniert. Aus diesem Anlass widmet der Podcast "Verbotene Zone" der Gedenkstätte Bautzen dem düsteren Jubiläum eine neue Folge, die tief in die Geschichte dieses berüchtigten Ortes eintaucht.

Im Mittelpunkt stehen zwei Zeitzeugen: Sigurd Weber und ihr Bruder Jens Leck, ein Geschwisterpaar, das in den 1960er- und 70er-Jahren für den Bundesnachrichtendienst (BND) in der DDR spionierte und nach seiner Verhaftung in Bautzen II landete.

Die Geburtsstunde der Anstalt schildert Gedenkstättenleiterin Silke Klewin: In der Nacht vom 8. auf den 9. August 1956 brachte ein Stasi-Kommando 124 Strafgefangene aus dem Isolationsbereich der Strafvollzugsanstalt Brandenburg-Görden nach Bautzen, wo sie bei Morgengrauen einzeln auf die Zellen verteilt wurden. Am 10. August wurden die Männer im Hafteingangsbuch registriert – alphabetisch von A bis Z, der erste war Siegfried Altenkrüger, der letzte Karl Zippler – und damit begann die Geschichte der Stasi-Sonderhaftanstalt Bautzen II.

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Historiker Dr. Ronny Heidenreich vom Stasi-Unterlagen-Archiv erforschte die Erstbelegung und stellte überrascht fest, dass sich unter den 124 Häftlingen sogar 44 ehemalige Stasi-Mitarbeiter befanden, die für westliche Geheimdienste gearbeitet hatten. Bautzen II war kein gewöhnliches Gefängnis – die Stasi besaß hier weitreichende Sonderrechte und bestimmte eigenständig, wer hier inhaftiert wurde, weshalb der Ort umgangssprachlich lange als "Mielkes Privatknast" bezeichnet wurde, benannt nach Stasi-Minister Erich Mielke. Insgesamt wies die Staatssicherheit rund 2.400 Menschen nach Bautzen II ein – fast 2.000 Männer und mehr als 400 Frauen aus Ost und West, darunter Spione, Fluchthelfer und regimekritische Frauen und Männer.

Sigurd Weber wurde im Februar 1979 vom Ost-Berliner Militärgericht zu lebenslanger Haft verurteilt, ihr Bruder Jens Leck erhielt 15 Jahre Haft, und beide kamen als "besonders gefährliche Westspione" in die Sonderhaftanstalt – unter demselben Dach, aber strikt voneinander getrennt. Nach zweieinhalb Jahren wurde Sigurd Weber 1981 im Rahmen eines Agentenaustauschs freigelassen, ihr Bruder folgte erst nach mehr als dreieinhalb Jahren, und 1992 wurden beide rehabilitiert. Im Podcast berichten die Geschwister von ihrem Haftalltag, der Isolation und ihrem Leben nach der Entlassung. Die neue Folge "Spionage, Widerstand und Kalter Krieg – 70 Jahre Stasi-Knast Bautzen II" ist ab sofort auf allen gängigen Podcast-Plattformen und auf der Website der Lausitzer WORTmanufaktur abrufbar.

Uwe Tschirner
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Uwe Tschirner

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