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Der Größte der SGD ist gegangen: Ein Nachruf auf Hans-Jürgen Kreische

Der Größte der SGD ist gegangen: Ein Nachruf auf Hans-Jürgen Kreische
Dynamo Dresden trägt Trauer: Hans-Jürgen Kreische ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Foto: Robert Michael/dpa
Von: Dresden News
Hans-Jürgen Kreische, 344 Pflichtspiele, 188 Tore, fünf Meisterschaften: Der Ehrenspielführer der SG Dynamo Dresden starb in der Nacht zum 1. April 2026. Ein Verein verliert seinen letzten Garanten dafür, dass die goldene DDR-Ära nicht zur bloßen Legende verblasst.

Es gibt Spieler, bei denen die Zahlen die Sache erledigen. Hans-Jürgen Kreische war einer davon — und gleichzeitig jemand, bei dem das allein nicht reicht. 127 Tore in 234 Oberligaspielen für Dynamo Dresden, dazu 17 Treffer in 37 Europapokalspielen, 25 Länderspieltore für die DDR, viermal Torschützenkönig der Oberliga. Mit 262 Torbeteiligungen ist er noch immer der unangefochtene Topscorer der Vereinsgeschichte. Kein Spieler kam ihm seither auch nur annähernd nahe. In der Nacht vom 31. März auf den 1. April 2026 ist Hans-Jürgen Kreische im Alter von 78 Jahren verstorben.

Kreische war Dresdner durch und durch — auch wenn das Schicksal das zunächst anders geplant hatte. Sein Vater Hans Kreische, selbst Fußballer beim Dresdner SC und später bei Dynamo, schleppte die Familie nach West-Berlin und Heidelberg, bevor es die Mutter 1954 zurück nach Dresden drängte. Zehn Jahre alt war „Hansi" da. Er meldete sich bei der SGD an, durchlief den Nachwuchs und debütierte am 29. November 1964 in Leipzig. Er schoss — natürlich — in der 90. Minute sein erstes Tor.

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Was folgte, war die prägendste Spielerkarriere, die Dresden je gesehen hat. Wobei Kreische selbst stets darauf bestand, falsch eingeordnet worden zu sein: Er sei kein Stürmer gewesen, sondern offensiver Mittelfeldspieler. Dass er trotzdem viermal Torschützenkönig wurde — das war kein Widerspruch, das war Klasse. In der Saison 1970/71 erzielte er 17 Treffer, gewann die Torjägerkanone und holte mit Dynamo das erste Double der DDR-Fußballgeschichte. 1972 und 1973 ließ er die Kanone folgen, 1976 noch einmal, nach zwei Jahren Verletzungspause.

Die Verletzungszeit zwischen 1973 und 1975 hätte eine andere Karriere beendet. Kreische kam zurück. 1974 stand er noch bei der Weltmeisterschaft in der BRD auf dem Platz — einschließlich des historischen 1:0 gegen die spätere Weltmeistermannschaft aus der Bundesrepublik. Sein letztes Oberligaspiel bestritt er am 15. Oktober 1977 beim 4:2 über Wismut Gera. Er erzielte dabei, wie schon in seinem ersten Spiel 1964, ein Tor. Als er den Platz verließ, war er mit 127 Oberligatreffern der erfolgreichste Torschütze der Dynamo-Geschichte. Dieser Rekord steht bis heute.

Kreisches Bindung an den Verein endete nicht mit dem Karriereende. In der dunkelsten Stunde des Klubs, nach Lizenzentzug und Zwangsabstieg in die Regionalliga, übernahm er 1995/96 als Cheftrainer — nicht aus Berechnung, sondern weil er gefragt wurde und weil es Dynamo war. Danach gründete er eine Fußballschule, arbeitete als Scout beim HSV und ab 2010 als Chefscout bei RB Leipzig. 2014 holte ihn Ralf Minge, damals Sportgeschäftsführer, wieder zurück nach Dresden. Seitdem war Kreische Übergangskoordinator im Nachwuchs, ging am Messering ein und aus, schaute sich Trainingseinheiten an, redete mit den Jungen. Zu seinen Schützlingen zählten Talente wie Ulf Kirsten, Matthias Sammer und Alexander Zickler. „Ich hocke nicht gern zu Hause rum", sagte er noch zu seinem 75. Geburtstag. „Lieber gebe ich meine Erfahrung weiter."

Doch eine Krankheit schränkte ihn in den letzten Monaten ein. Seine Präsenz an der Akademie wurde seltener. Am 31. März 2026 starb Hans-Jürgen Kreische. Vor dem Heimspiel gegen Hertha BSC am Samstag wird es eine Gedenkminute geben, die Mannschaft läuft mit Trauerflor auf.

Was bleibt: 78 Jahre, fast sieben Jahrzehnte davon mit Dynamo Dresden — als Kind, als Spieler, als Trainer, als Scout, als Übergangskoordinator, als Ehrenspielführer. Kein anderer hat diesen Klub so lange und so durchgängig mitgetragen. Die Statistiken stehen im Archiv. Aber dass jemand, der mit zehn Jahren anfing und mit 78 aufhörte, dazwischen keine Lücke ließ — das ist keine Zahl mehr. Das ist eine Haltung.

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