Das Foto zeigt ein Stück deutsch-deutsche Geschichte. Unzählige Dresdner drängen sich am 19. Dezember 1989 um den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (1930-2017), der vor den Trümmern der Frauenkirche eine unvergessliche Rede hält. Bei seinem Antrittsbesuch an der Elbe verspricht er den knapp hunderttausend Zuhörern: «Mein Ziel bleibt - wenn die geschichtliche Stunde es zulässt - die Einheit unserer Nation». Immer wieder wird seine spontane Rede von lauten «Deutschland» -Rufen unterbrochen.
Auch einen Tag später ist die Euphorie groß, wieder strömen Tausende in die Stadt, um sich vom Bundeskanzler zu verabschieden. Unter ihnen ist Gerlinde Keil. In einer hellen Jacke schwenkt sie euphorisch die Deutschlandfahne, streckt ihre Hände über ein Auto hinweg nach Kohl aus - und holt sich seinen Händedruck ab. Das Bild geht um die Welt. Dass ausgerechnet dieses Foto später sogar die Langspielplatte mit der gut 15-minütigen Rede Kohls bebildert, hätte sich das Ehepaar Keil damals nicht träumen lassen.