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Schock und Unverständnis in Kamenz

Schock und Unverständnis in Kamenz
Die angekündigte Schließung der Geburtsabteilung im Krankenhaus Kamenz beschäftigt die Menschen. Foto: Pixabay
Von: Matthias Stark
Die angekündigte Schließung der Geburtsabteilung im Krankenhaus Kamenz schlägt in der Lessingstadt hohe Wellen.

So äußert sich Oberbürgermeister Michael Preuß in einer Pressemitteilung wie folgt:

„Mit großem Bedauern, erheblicher Besorgnis und großem Unverständnis habe ich von der unerwarteten und kurzfristigen Schließung der Geburtsabteilung im Kamenzer Krankenhaus St. Johannes erfahren. Es ist geplant, die Geburtsabteilung Ende Mai 2026 zu schließen. Diese Entscheidung trifft unsere Stadt zu einem sensiblen Zeitpunkt und hat weitreichende Auswirkungen für werdende Familien, medizinisches Personal und unter Umständen die gesamte Gesundheitsversorgung vor Ort. Besonders bedauerlich ist der Umstand, da der jetzt angekündigte Schritt im klaren Gegensatz zu den Anfang des Jahres 2026 gegenüber der Presse abgegebenen Statements steht.“

Die Geburt eines Kindes sei ein zutiefst persönlicher und bedeutender Moment im Leben – umso wichtiger sei die wohnortnahe, verlässliche und qualitativ hochwertige Betreuung. Der plötzliche Wegfall dieses Angebots stelle viele werdende Eltern vor große Unsicherheiten und organisatorische Herausforderungen und schwäche den Standort Kamenz in erheblichem Maß, so Oberbürgermeister Preuß. 

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Und er ergänzt: „Ich habe umgehend das Gespräch mit der Geschäftsführung des Krankenhauses gesucht, um die Hintergründe dieser Entscheidung zu erfahren. Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit hat dabei für mich oberste Priorität. Gleichzeitig setze ich mich mit Nachdruck dafür ein, kurzfristige Lösungen zur Sicherstellung der Versorgung zu finden und mittelfristig eine Wiederaufnahme des Betriebs oder gleichwertige Alternativen zu prüfen. Dazu werde ich bereits heute erste Gespräche im politischen Raum führen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geburtsabteilung sorgen seit Jahrzehnten mit großem Engagement und hoher fachlicher Kompetenz für das Wohl von Müttern und Kindern. Dafür gilt Ihnen schon jetzt mein besonderer Dank, ich stehe an deren Seite.

Ich sichere allen Bürgerinnen und Bürgern zu: Die Stadt wird alles in ihrer Macht Stehende tun, um die medizinische Versorgung in diesem sensiblen Bereich sicherzustellen und das Vertrauen in unsere Gesundheitsinfrastruktur zu bewahren.“

Geburtshilfe gehört zur Grundversorgung

Auch die Fraktion „Miteinander für Kamenz“ im Kamenzer Stadtrat zeigt sich schockiert. Sie teilt in einem Statement mit:

Unsere Fraktion zeigt sich empört und schockiert über die geplante Schließung der Geburtsabteilung und mögliche Einschnitte in der Gynäkologie am Krankenhaus Kamenz. Diese Entwicklung stellt einen erheblichen Eingriff in die medizinische Versorgung der Stadt und der gesamten Region dar.

„Hier geht es nicht um einzelne Abteilungen, sondern um die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Kamenz insgesamt“, erklärt Fraktionsvorsitzender Alex Theile. „Wenn zentrale Bereiche wegfallen, verliert der Standort an Substanz, mit Folgen für Patientinnen und Patienten ebenso wie für die Beschäftigten.“

Zugleich sieht die Fraktion die aktuellen Entwicklungen auch als Ausdruck struktureller Fehlentwicklungen: „Wir erleben seit Jahren eine verfehlte Gesundheitspolitik, die dazu führt, dass die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zunehmend ausblutet“, so Theile. „Wenn wirtschaftliche Interessen über Versorgungsaufträge gestellt werden, wird Gesundheit zur Ware – das ist der falsche Weg.“

Aus Sicht der Fraktion braucht es jetzt klare Signale. Zum einen fordert „Miteinander für Kamenz“ eine verbindliche Standortgarantie für das Krankenhaus Kamenz, um langfristige Planungssicherheit zu schaffen. Zum anderen müsse die Entscheidung zur Schließung der Geburtsabteilung umgehend überprüft und neu bewertet werden.

„Geburtshilfe gehört zur Grundversorgung. Ihre Schließung wäre ein schwerer Einschnitt für Familien in unserer Stadt“, so Theile weiter. „Das Krankenhaus ist jetzt gefordert, tragfähige Lösungen vorzulegen, die sowohl medizinische Qualität als auch regionale Erreichbarkeit sichern.“

Die Fraktion betont zugleich die Notwendigkeit eines geschlossenen politischen Handelns: „Gerade jetzt ist Zusammenhalt gefragt. Der gesamte politische Raum sollte an einem Strang ziehen, um die medizinische Versorgung und die Arbeitsplätze in Kamenz zu sichern“, so Theile.

Abschließend unterstreicht die Fraktion ihre Unterstützung für die laufenden Bemühungen auf kommunaler Ebene: „Wir stehen hinter den Initiativen des Oberbürgermeisters und werden diesen Kurs konstruktiv unterstützen. Am Ende muss ein Ergebnis stehen, das den Menschen in Kamenz gerecht wird.“

Matthias Stark
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Matthias Stark

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