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Gastgeber-Gen im Fürstenlager an der Hessischen Bergstraße

Weinprinzessin
Die 77. Deutsche Weinprinzessin Katja Simon kommt aus dem Anbaugebiet Hessische Bergstraße (Bild: Ulrich van Stipriaan)
Von: Ulrich van Stipriaan
Katja Simon, Deutsche Weinprinzessin von der Hessischen Bergstraße, führte ins Fürstenlager und zeigte mit regionalen Weinen und gutem Essen, warum sich ein Besuch lohnt.

Katja Simon ist die 77. Deutsche Weinprinzessin – also eine von zweien, die sich die „77“ teilen (die andere ist Emma Meinhardt aus dem Anbaugebiet Saale-Unstrut; die 77. Deutsche Weinkönigin Anna Zenz von der Mosel hatten wir hier schon im Podcast „Auf ein Glas“). Sie ist – wie der ungestellte Schnappschuss oben vielleicht zeigt – eine Prinzessin der Sorte fröhlich und gut drauf, hat aber obendrein eine Menge zu sagen. Sie weiß viel, sie erklärt gut – und sie macht das wunderbar natürlich, was sie (wie auch ihre Kolleginnen im Amt) fabelhaft abhebt von altbackenen Vorstellungen zum Thema Weinmajestäten.

Katja Simon kommt von der Hessischen Bergstraße, die auch bei durchaus wissenden Weingenießern meist ein weißer Fleck auf der Landkarte ist. Ob’s daran liegt, dass sie mit 440 ha (Stand: 2025, Quelle: DWI) das derzeit zweitkleinste Weinanbaugebiet ist? Sieger der Kleinen ist übrigens der Mittelrhein – mit nur einem Hektar weniger… Oder liegt es daran, dass es die Hessische Bergstraße als eigenständiges Anbaugebiet erst seit 1971 gibt (vorher war es zusammen mit der Badischen Bergstraße – jetzt einer der neun Bereiche in Baden – die Bergstraße)? Egal, aber keineswegs liegt es daran, dass man zwischen dem Stachelberg im Norden und dem Eckweg im Süden nichts finden würde, was sich zu probieren lohnt.

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Katja arbeitet im Weingut Simon-Bürkle mit – ein Zweifamilienweingut, das eine Generation vor ihr von den beiden Winzern Kurt Simon (ein gebürtiger Zwingenberger) und Wilfried Bürkle (gebürtiger Badener) gegründet wurde. Die beiden hatten sich im Studium kennengelernt und danach das Weingut gegründet. Tochter Katja Simon studierte in Geisenheim und in Wien, und nach Weinbau-Praktika auf Mallorca, in Südtirol sowie in der Pfalz und im Rheingau ist sie jetzt wieder an der Hessischen Bergstraße zu Hause. Es war also ein Heimspiel für sie, als sie Journalistinnen und Journalisten zum Fürstenlager führte.

Fürsten-was? Muss man das kennen? Sagen wir mal so: Wer in Bensheim oder Zwingenbach wohnt und das nicht kennt, hat in Heimatkunde nicht aufgepasst und/oder ist selber schuld. Für den Rest der Welt gilt: ist schon OK, aber ein Besuch könnte sich lohnen… Das gilt sowohl für die 46 ha große Anlage, die (ja wo gibt’s denn so was?) kostenlos besucht werden kann. Lediglich Führungen kosten – aber wer nur die Schönheit des englischen Landschaftsgartens mit zahlreichen Aussichtspunkten und etlichen Naturdenkmalen (darunter einer der ältesten Mammutbäume Deutschlands) erleben will, kann sich das Geld aufsparen für einen Besuch im Restaurant. Man kann natürlich, weil es draußen weit über 30 Grad im Schatten hat (oder, an anderen Tagen, weil es gießt wie aus Eimern), auch gleich das Restaurant aufsuchen – wobei es ganz ohne Fußweg nicht geht, denn der Park ist autofrei. Das hilft aber (beim Rückweg) der Verdauung!


Dominik Stenger (Bild: Ulrich van Stipriaan)

Auf der Terrasse des Restaurants nimmt Dominik Stenger die Journalistentruppe in Empfang. Er ist seit 2024 Pächter des Restaurants im Herrenhaus des Staatsparks Fürstenlager in Bensheim-Auerbach. Zusammen mit seiner Frau betreibt er das Restaurant und bewirtschaftet zugleich den Kiosk im Park. Sein Konzept hatte nicht nur den Verpächter überzeugt: Stenger erhielt ein halbes Jahr nach der Wiedereröffnung von der Wirtschaftsförderung Bergstraße den Gründerpreis. Wenn er dann live am Tisch sein Konzept erklärt, ist der erste Gedanke: das passt. Stenger repräsentiert die leider viel zu selten gelungene Mischung aus fundierter Ausbildung (zum Hotelfachmann im Schlosshotel Bühlerhöhe, zum staatlich geprüften Hotelbetriebswirt an der Hotelfachschule Heidelberg) und Praxis in leitender Funktion in der Systemgastronomie bei Block House, L’Osteria, Gastro & Soul (Vapiano und andere). Hinzu kommt aber etwas, was man zwar schärfen kann, das aber vorhanden sein muss: das Gastgeber-Gen.

Unkompliziert und gut

Unkompliziert und offen zu sein ist ja durchaus schwieriger als Begriffe wie regional und nachhaltig in die Karte zu schreiben. Wobei dieser Ansatz im Restaurant natürlich auch gelebt wird: die Weine der offenen Weinkarte kommen alle von der Hessischen Bergstraße, bei den Flaschenweinen gibt es neben solchen aus der Region auch weiterführende Geschmacksrichtungen von weiter weg. Die Webseite verspricht authentische deutsche Küche, aber was heißt das schon? Wir hatten zum Beispiel einen Salat mit einem unglaublich schmackhaften Dressing und Gambas on top. Nicht hessisch, aber passend. Aber wenn es Steak zum Hauptgang gibt, ist das schon näher dran, und den Flammkuchen kann man sich mit Handkäs schon recht hessisch angehaucht bestellen. Aber egal: schmecken muss es (und die probierten ersten beiden Gerichte haben es!).

Als Weinjournalisten on tour gab es natürlich mehr als einen Wein zum Probieren, so dass wir von der hauseigenen Cuveée „Fürstenglück“ bis zum Syrah. Die Cuvée haben übrigens acht Leute vom Restaurant-Team im Weingut von Hanno Rothweiler zusammengestellt, erzählt Dominik Stenger. Das sei nicht nur gut fürs Teambuilding, sondern auch verkaufsfördernd – wer verkauft nicht gerne seinen eigenen Wein? Rothweiler bewirtschaftet unter anderem die Lage Auerbacher Fürstenlager, den Hausberg des Restaurants. Da könnte das Restaurant rein theoretisch einen eigenen Qualitätswein von da als Hauswein nehmen – aber die Cuvée erschien dem Team spannender (und Hanno Rothweiler liebt und beherrscht das Spiel mit den verschiedenen Sorten).

Vom Weingut Simon-Bürkle – genau, das der Weinprinzessin – probierten wir einen 2023 Riesling Granit, von der Bergsträßer Winzergenossenschaft einen 2024 Roter Riesling. Nach den erfrischenden Weißen passten zum Steak dann ganz gut zwei Rotwein-Proben, beide Jahrgang 2023: Der Syrah von Hanno Rothweiler ist in der erwähnten Lage Auerbacher Fürstenlager gewachsen und durfte dann im Barrique reifen, bevor er im Fürstenlager Restaurant zeigte, was so ein Wein dem Essen mit zusätzlicher Würze Gutes tun kann (dem Trinker – w/w/d natürlich – auch). Ebenfalls ein prima Essensbegleiter: der Spätburgunder Bernsheimer Kirchberg vom Weingut der Stadt Bensheim.

Fürstenlager Restaurant
Fürstenlager 1
64625 Bensheim-Auerbach

Tel. +49 6251 8605572
fuerstenlager-restaurant.info

[Besucht am 18. Juni 2026]

Ulrich van Stipriaan
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Ulrich van Stipriaan

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