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Wiedervereinigung in Dresden? Was der Schachgipfel in Dresden für den Verband bedeutet

Wiedervereinigung in Dresden? Was der Schachgipfel in Dresden für den Verband bedeutet
Paul Meyer-Dunker steht seit Mitte Mai an der Spitze des Deutschen Schachbundes und setzt große Hoffnungen in den Schachgipfel von Dresden. Foto: DSB
Von: Alexander Hiller
Der Deutsche Schachbund fiel bis vor wenigen Wochen noch durch Eifersüchteleien, Ränkespiele und gegenseitige Vorwürfe auf. Der Deutsche Schachgipfel in Dresden könnte daran einiges ändern. Das hofft zumindest der neue Verbandsboss.

Geht von Dresden eine vereinende Wirkung aus? Der Deutsche Schachbund (DSB) hat bis in den Mai hinein öffentlich das Bild eines zerstrittenen Dachverbandes mit vielen unterschiedlichen Strömungen, Interessenslagen und gegenseitigen Eifersüchteleien abgegeben. Der Deutsche Schachgipfel, der seit Donnerstag und bis zum 26. Juli in Dresden ausgetragen wird, könnte daran einiges ändern.

Das glaubt und hofft zumindest der neue Verbands-Chef Paul Meyer-Dunker, der am 16. Mai in einer knappen Kampfabstimmung mit 116:114 Stimmen zum neuen DSB-Präsidenten gewählt worden war. "Strömungen und Lager", sagt der 34-Jährige auf Nachfrage von diesachsen.de, "sind große Worte. Am Ende hängen manche Sachen sehr an Personen. Ich glaube, jetzt wo wir die Dinge geklärt und auch einen Wechsel herbeigeführt haben, sind die Leute auch froh, wenn wir gute Turniere organisieren und den Sport gut repräsentieren."

Vom größten nationalen Schachereignis in Dresden, bei dem u.a. neun deutsche Meisterschaften im Congress Center ausgetragen werden, könnten also vereinende Impulse ausgehen. "Wenn der Schachgipfel gut läuft und wir insgesamt unseren Mitgliedern wieder mehr zuhören, ist das relativ schnell eine Sache der Vergangenheit. Am Ende des Tages hat der Schachsport alle Grundlagen, um sich hervorragend zu entwickeln", sagt der Politikwissenschaftler.

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Der gebürtige Berliner zählt dafür gleich einige Argumente auf. "Wir haben etwa 100.000 Mitglieder in fast 2300 Vereinen, 17 starke Landesverbände und eine Nationalmannschaft, die so stark ist wie noch nie. Das ist eine Macht – auch innerhalb des deutschen Sports. Auch finanziell steht der Schachsport gut da. Es war noch nie so einfach, sich im Schach beruflich zu verwirklichen – als Trainer, Organisator, Spieler oder als Influencer", sagt er. 

In der Tat nutzt der DSB den Schachgipfel auch zu einigen strukturellen Nachbesserungen. Auf der sogenannten Bundesvereinskonferenz am 25./26. Juli will der Dachverband gemeinsam mit der Deutschen Schachjugend und den Vertretern von möglichst vielen Vereinen einerseits über Sorgen und Nöte an der Basis sprechen, andererseits Ideen und Strategien für mehr Miteinander entwickeln. Zudem sollen in Dresden zwei Fördervereine ins Leben gerufen werden: Der „Förderkreis Inklusion im DSB“ sowie ein Förderverein für Frauen- und Mädchenschach. 

Diese erhofften und vorbereiteten Impulse könnten auch den Ruf Dresdens als Schachhauptstadt Deutschlands stärken. Den Beinamen hatte sich die sächsische Landeshauptstadt während und nach der Schacholympiade 2008 - dem weltweit größten Schachereignis - selbstbewusst zugeordnet. Der neue DSB-Boss will diese absolute Formulierung aus diplomatischen Gründen nicht ganz so stehen lassen. 

Dresden ein Top-Standort unter mehreren Großstädten

"Ich bin natürlich in der Pflicht, alle Standorte im Blick zu haben", erklärt er schmunzelnd. "Ich glaube, wir haben das große Privileg, dass wir in Deutschland nicht eine Schachhauptstadt haben, sondern viele starke Standort. Dresden ist einer davon, das ist völlig richtig. Aber wir haben auch viele andere starke Standorte: München, Berlin, Hamburg – um nur ein paar zu nennen. Aber Dresden fügt sich wunderbar in diese Liste ein", sagt Meyer-Dunker, fügt aber das Alleinstellungsmerkmal der Elbmetropole im selben Atemzug an. "Dresden ist ein etablierter, bekannter, zuverlässiger Ausrichter von Schachgroßveranstaltungen ist. Ich muss da gar nicht groß an die Schacholympiade von 2008 erinnern. Das war das letzte Mal, dass wir das größte Schachereignis der Welt in Deutschland hatten."

Auch anderweitig bekommt der DSB Hilfe aus Dresden. Der Verband bekommt 125.000 Euro durch eine außergerichtliche Einigung im Rechtsstreit mit dem auf Bewährung verurteilten Schach-Organisator Dirk Jordan. Die Summe ist inzwischen auf dem DSB-Konto eingegangen und Paul Meyer-Dunker hat mit seinen neuen Mitstreitern offenbar schon Ideen für deren Verwendung gesponnen.


Das neue DSB-Präsidium: Jürgen Gersinska, Jürgen Klüners, Paul Meyer-Dunker und Jannik Kiesel (v.l.). Foto: DSB

"Der Vorgang ist im Prinzip für uns vollständig abgeschlossen, alle Seiten haben ihre Pflichten gegeneinander erfüllt. Es gibt tatsächlich Ideen, was wir mit der Summe tun, denen ich aber nicht vorgreifen will, weil wir das noch final im Präsidium beschließen müssen und sicherlich auch unsere Mitglieder informieren sollten. Aber dass die Summe dem Schachsport zugute kommen soll, ist natürlich völlig klar, wollen damit etwas Sinnvolles für einen Sport machen – das werden wir auch tun", sagt der DSB-Präsident. 

Der zweifache Familienvater, der mit seiner Lebensgefährtin in Berlin wohnt, nimmt zudem noch einmal abschließend Stellung zu den anonymen Vorwürfen im Vorfeld des Schachgipfels. Der DSB soll, behauptet ein anonymer Hinweisgeber mit Verweis auf der Redaktion vorliegenden Unterlagen, potentielle Einnahmen kleingerechnet haben, um den höchstmöglichen Förderzuschuss der Stadt von 75.000 abzuschöpfen.

Klare Meinung zu Vorwürfen: Großer Unfug

"Da hat irgendwer groben Unfug verbreitet auf Basis von gefährlichem Halbwissen. Es ging bei dem Vorgang darum, dass es bei Förderanträgen in der Regel Gelder gibt, die als nicht förderfähig akzeptiert werden. Preisgelder gehören als Ausgaben z.B. klassisch dazu. Wir haben bei der Elite relativ hohe Preisgelder in der Meisterklasse, die ein Sponsor bereitstellt", sagt Meyer-Dunker.

Der Verband stand mithin vor der Frage: "Wenn wir die Ausgaben des Preisgeldes im Förderantrag nicht aufführen, weil die nicht förderfähig sind, müssen wir dann nicht eigentlich auch die Einnahmen weglassen? Sonst stünde der Förderantrag komisch da, wenn wir Einnahmen aus Sponsoring aufführen, die die Veranstaltung besserstellen, aber die dazugehörigen Ausgaben nicht und dadurch die Fördersumme sinkt", erklärt der DSB-Chef. 

Darauf habe der Verband bei der Stadt Dresden angefragt, "wie sie es gerne hätte. Uns wurde gesagt, wir sollen alles auflisten, egal ob förderfähig oder nicht. Das haben wir pflichtgemäß getan – und das war das Ende der Fahnenstange", sagt Meyer-Dunker, betont aber in diesem Zusammenhang. "Ich hatte in der Vergangenheit oft das Gefühl, dass der DSB nicht immer sehr offen und schlau kommuniziert hat. Der Vorgang hat das unterstrichen. Man hat daraus viel mehr gemacht, als es war."

Alexander Hiller
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Alexander Hiller

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