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Verrückte Idee: Olympiasieger-Kraftpaket rennt jetzt Marathon

Verrückte Idee: Olympiasieger-Kraftpaket rennt jetzt Marathon
Laufen gehört ohnehin zu den Trainingsinhalten von Tom Liebscher-Lucz. Jetzt hat der dreifache Kanu-Olympiasieger daraus eine skurril anmutende Idee geformt. Foto: Privat
Der Dresdner Weltklasse-Kanute Tom Liebscher-Lucz hat in seiner Sportart schon alles gewonnen. Jetzt strebt der 33-Jährige ein Ziel an, bei dem er keine Titel gewinnen kann - beim Dresden-Marathon am 25. Oktober.

Dresden. Man stelle sich mal einen Profifußballer beim Diskuswerfen vor. Beides hochanspruchsvoller Sport, mit ganz spezifischen Ausrichtungen und nahezu diametralen Anforderungen an den Athleten - völlig verschiedene Welten. So mutet die Konstellation auch beim neuen Projekt von Tom Liebscher-Lucz an. Der dreifache Kanu-Olympiasieger, eigentlich ein Kurzarbeiter, weil auf Sprintstrecken spezialisiert, rennt beim Dresden-Marathon am 25. Oktober erstmals 42,195 Kilometer am Stück. 

Der Sportsoldat wird trotz der erwarteten Rekordteilnehmerzahl von 15.000 Startern auffallen, obwohl er nix gewinnen kann. Liebscher-Lucz hat mit 100 gut verteilten Kilogramm Gewicht bei 1,89 Meter Größe alles andere als eine klassische Läuferstatur. „Meine Körperkonstitution ist absoluter Käse fürs Laufen", sagt er lachend, "aber mich reizt diese Herausforderung."

Auf den ersten Blick also ein ziemlich verrücktes Unterfangen. Aber: „Ich habe seit 15 Jahren den gleichen Trainingsaufbau, zum jetzigen Vorbereitungsstand sind Ausdauerläufe für mich nichts Neues. Ich betreibe jetzt seit zwei Wochen etwas mehr als eine halbe Stunde Laufaufwand als sonst, zwischen drei und dreieinhalb Stunden in der Woche“, sagt der 33-Jährige. Den Rest seiner aktuell 15-Stunden-Trainingswoche verbringt der achtfache Weltmeister mit Kraft- oder Bootseinheiten. 

Da er sich erst ganz am Anfang seines Saisonaufbaus befindet, ist der Vorzeigeathlet vom Kanuclub Dresden gewissermaßen zu Großteilen selbst der Herr über seinen eigenen Trainingsplan und kann sich individuell positionieren. Spätestens im ersten Trainingslager mit dem Deutschen Kanu-Verband (DKV) im Dezember ist es mit dieser Freiheit vorbei. 

Kaum mediale Präsenz für Kanu

Deshalb setzt er jetzt einen lange gehegten Traum um. "Einen Marathon wollte ich schon immer mal laufen. Deshalb verfolge ich jetzt dieses große Ziel zu einem Zeitpunkt, an dem es noch möglich ist. Nächstes Jahr würden mir alle den Vogel zeigen und ich würde es wohl auch nicht dürfen”, sagt der 33-Jährige, der im Sommer Weltmeister im Kajak-Vierer wurde. Damit feierte er nach einer sportlichen Krise im Vorjahr ein glanzvolles Comeback im Erfolgsboot des DKV. 2025 hatte Liebscher-Lucz in der internen nationalen Qualifikation den Sprung in das Quartett verpasst und war erstmals seit 2011 ohne internationale Medaille geblieben. 

Das soll ihm nicht noch mal passieren. 2027 zur gleichen Zeit startet die Vorbereitung auf die Olympia-Saison für die Spiele in Los Angeles. Es sollen die vierten für den zweifachen Familienvater – und das vierte Gold. Dem Ziel, vielleicht das letzte in seiner Sportkarriere, ordnet er alles unter. 

Und ist auch deshalb immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen, die ihn antreiben, beschäftigen, motivieren. „Dieses Jahr ist die Idee vom Marathon zwar immer noch dumm, aber irgendwie vertretbar. Und ein Ziel, was ich auch im Training brauche“, bestätigt der Routinier, der immer wieder neue und öffentlichkeitswirksame Ideen kreiert. Und deshalb für sein außergewöhnliches Vorhaben kräftig auf seinem Instagram-Kanal wirbelt.

Kanurennsport wird, wenn überhaupt, medial im Sommer abgebildet, wenn Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele stattfinden. Schon Berichte über Kanu-Europameisterschaften sind in den Medien kaum zu finden. Das hat Liebscher-Lucz schon längst verstanden und mithin nach Wegen gesucht, die Sichtbarkeit der Nischensportart mit anderen Ideen zu erhöhen. Seine Marathon-Premiere ist eine davon.

Er sucht noch den passenden Laufschuh

„Das Thema interessiert zehnmal so viele Leute. Mit Laufen, mit Marathon können viele etwas anfangen", stellt Liebscher-Lucz mit Blick auf seine Social-Media-Kanäle sachlich nüchtern fest.  

Dabei ist der Leistungssportler beileibe kein Lauf-Novize, beim Dresden-Marathon lief er bereits zweimal die halbe Distanz. „Meine Bestzeit im Halbmarathon liegt bei 1:25 Stunden, über zehn Kilometer bei 37 Minuten“, sagt er. Nun peilt er für seinen ersten Marathon eine Zielzeit von unter vier Stunden an. Für jede Minute über oder unter dieser Marke will er zehn Euro für einen guten Zweck, an eine gemeinnützige Organisation spenden. An welche, ist noch offen. 

Die für ihn bislang unbekannte Distanz will er bis dato im Training nicht simulieren. „Mein Pensum wird bis zum 25. Oktober so bleiben. Aber ich werde am Freitag mal 20 Kilometer am Stück laufen. Wir fahren für einen Kurzurlaub ins Erzgebirge. Ich steige 20 Kilometer vorher aus und jogge den Rest“, sagt Liebscher-Lucz. 

Das einzige Problem: Seine alten Laufschuhe musste er vor der Kanu-WM aussortieren, „die waren einfach kaputt“. Ein entsprechend nachhaltiges Nachfolge-Modell hat der zweifache Familienvater noch nicht gefunden. „Ich hoffe, das klärt sich diese Woche. Ich muss die ja noch einlaufen.“ 

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