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Handball-Gaudi in Dresden hat ein Doping-Nachspiel

Handball-Gaudi in Dresden hat ein Doping-Nachspiel
Nils Kretschmer ist Deutschlands bekanntester Handball-Influencer, aber wegen Dopings derzeit gesperrt. Seine Sperre wird nun wegen eines Auftritts in Dresden noch verlängert. Foto: privat
Von: Alexander Hiller
Nils Kretschmer ist wegen eines Dopingvergehens bis Dezember 2027 gesperrt. Weil er beim Legendenspiel des HC Elbflorenz mitspielte, wird die Sperre nun verlängert. Die Regel, auf die sich der Verband beruft, ist unklar formuliert. Was der Betroffene und der Verein dazu sagen.

Der Doping-Fall um den früherer Dresdner Handball-Profi Nils Kretschmer nimmt immer größere Ausmaße an. Denn ein Gaudi-Spiel in Dresden hat für einen langjährigen Stammspieler des Zweitligisten HC Elbflorenz schwerwiegende Konsequenzen.

Kretschmer, der Dresden 2024 in Richtung Großwallstadt verlassen hatte, war einer Einladung des HC Elbflorenz zum 20. Vereinsjubiläum gefolgt und hatte dort am 14. Februar mit vielen verdienstvollen Ex-Akteuren ein sogenanntes Legendenspiel bestritten. Im Vorfeld und Rahmenprogramm des Zweitligaspiels zwischen dem HC Elbflorenz und Balingen-Weilstetten.

Das Problem dabei: Nils Kretschmer ist wegen eines Dopingvergehens seit Dezember 2024 suspendiert und von März 2025 bis Dezember 2028 vom Deutschen Handball-Bund gesperrt worden. Da Kretschmer an der Aufarbeitung seines Dopingvergehens aktiv mitgewirkt hat, wurde die Sperre um ein Jahr reduziert – bis zum 11. Dezember 2027. 

Dass in dieser Sperre auch Spiele abseits des Wettkampfbetriebs inbegriffen sind, war weder Kretschmer noch dem HC Elbflorenz bewusst. Nach Informationen der Bild-Zeitung hat die Handball-Bundesliga (HBL) mittlerweile ein Schreiben an alle Erst- und Zweitligisten versendet, in dem steht: „Nils Kretschmer hat durch seine Teilnahme am Legendenspiel seines ehemaligen Vereins einen Verstoß gegen das Teilnahmeverbot während der Sperre gemäß Artikel 10.14.1 DHB-ADO begangen.“

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Regelung ist schwammig

Aufgrund dieses Verstoßes wird die Dopingstrafe von Kretschmer wieder um ein Jahr verlängert, endet nun am 11. Dezember 2028. „Die Dauer der neuen Sperre wird an das Ende der ursprünglichen Sperre angehängt“, bestätigt die HBL. 

Nils Kretschmer, mit derzeit 420.000 Followern auf Instagram der erfolgreichste deutsche Handball-Influencer und neun Jahre in Dresden aktiv, erklärt auf Anfrage von diesachsen.de lediglich: „Da gibt es für mich bisher nichts zu sagen.“ 

Die Krux an der Geschichte: Der herangezogene Artikel 10.14.1 der Anti-Dopingbestimmungen (ADO) des Deutschen Handball-Bundes (DHB) ist etwas schwammig formuliert. Darin heißt es, dass Spieler „während einer Sperre oder vorläufigen Suspendierung in keiner Funktion an (...) Wettkämpfen“ teilnehmen dürfen. Einzig diese Passage ist relevant, weitere Punkte träfen auf den Auftritt von Kretschmer beim "Legendenspiel" des HC Elbflorenz nicht zu. Der Streitpunkt ist das Wort „Wettkampf“. Ein solcher hat nach Meinung des HC Elbflorenz und auch von Kretschmer gar nicht stattgefunden. 

Auch, weil die Definition des Streitpunktes ziemlich eindeutig ist. Ein Wettkampf ist eine "Begegnung zwischen Sportlern, bei der um die beste sportliche Leistung, um den Sieg, die Meisterschaft gekämpft wird", erklärt beispielsweise das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS). Geht es bei einem Legendenspiel, bei dem das Wiedersehen einstiger Mannschaftskollegen im Mittelpunkt steht, wirklich um eine sportliche Leistung, das Ergebnis, einen Titel und mithin um einen Wettkampf?

Klub widerspricht DHB-Regelung

Einiges spricht dagegen. Unter anderer, dass viele Mitwirkende der Jux-Partie nicht mal mehr einen gültigen Spielerpass besitzen. Der älteste auf dem Feld war mit Rainer Engelmann ein 69‑Jähriger. 

Dementsprechend argumentiert auch der Verein. „Die Veranstaltung war als traditions- und gemeinschaftsorientiertes Wiedersehen ehemaliger Spieler verschiedener Generationen angelegt. Das Legendenspiel war Teil dieses Jubiläumsrahmens und aus Sicht des HC Elbflorenz nicht mit einem regulären Spiel- oder Wettkampfbetrieb vergleichbar“, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Pressemitteilung. 

Damit widerspricht der Tabellendritte der 2. Handball-Bundesliga der Regelauslegung des DHB. „Unabhängig davon respektiert der HC Elbflorenz die Bewertung und Entscheidung der zuständigen Stellen. Der Verein bedauert die entstandene Situation, insbesondere für Nils Kretschmer persönlich“, erklärt der Klub. 

Alexander Hiller
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Alexander Hiller

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