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Dresdens bester Motorrad-Pilot und seine Abenteuer in Le Mans: Brände, Stürze, dicke Oberschenkel

Dresdens bester Motorrad-Pilot und seine Abenteuer in Le Mans: Brände, Stürze, dicke Oberschenkel
Lennox Lehmann in seinem Element. Dresdens derzeit bester Motorrad-Rennfahrer startet in dieser Saison gleich in zwei Klassen. Foto: Team Motobox Kremer Racing
Von: Alexander Hiller
Der 20-jährige Lennox Lehmann steigt in die Langstrecken-Weltmeisterschaft auf - und fährt parallel noch in einer weiteren Klasse. Beim legendären 24-Stunden-Rennen in Le Mans kommt der Dresdner an seine Grenzen.

Länger als sein halbes Leben sitzt Lennox Lehmann schon auf PS-starken Motorrädern. Dabei ist der gebürtige Dresdner erst 20 Jahre jung. Angefangen hat er mit sieben Jahren auf einem Pocketbike und vier Pferdestärken. Heute toben derer 230 unter Lennox Lehmann, Dresdens bestem Motorrad-Rennpiloten. Der hat in dieser Saison einen großen Karrieresprung geschafft.   

Lehmann startet für das Team Motobox Kremer Racing aus Rheinland-Pfalz als permanenter Starter in der FIM Endurance World Championship (EWC). Gemeinsam mit dem Australier Max Stauffer und dem Österreicher Max Kofler wechselt er sich quasi im Stunden-Takt bei den insgesamt vier Rennen der Langstrecken-Weltmeisterschaft regelmäßig ab.

Als Werksfahrer für Yamaha, bei denen er bis 2027 plus Option für eine weitere Saison unter Vertrag steht, wird der Pilot von seinem Arbeitgeber in entsprechende Partner-Teams gesteckt, in dieser Saison sind es gleich zwei.

Denn parallel zur Langstrecken-WM startet Lehmann für das holländische Team Apreco in der Euro Moto Supersport – vormals IDM. Im Vorjahr wurde er Gesamt-Achter in der IDM.

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In der Klasse Euro Moto startet Lennox Lehmann für das holländische Team Apreco - und in zwei Wochen am Sachsenring. Foto: Apreco

Den Start in diese auch für ihn besondere Saison legte Lennox Lehmann am vergangenen Wochenende auf einer der legendärsten Rennstrecken der Welt hin - beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Über Nacht ist der Sachse bisher noch nie gefahren. „Für mich ist das eine völlig neue Herausforderung", sagte er im Vorfeld. Danach konnte er über ein extrem turbulentes Rennen berichten, das für sein Team am Sonntagnachmittag auf Rang 22 endete - nach einem kleinen Drama. 

Denn nach 22 Stunden lag das Trio Lehmann, Kofler und Stauffer noch auf Gesamtplatz zehn. Ein Elektronikproblem zwang das Team jedoch in die Box, erst nach einer Stunde konnte die Maschine technisch aufgefrischt wieder auf die Strecke. "Es war okay. Klar war es schade, dass wir am Ende die technischen Probleme mit der Elektronik hatten. Das kann natürlich passieren", sagte Lehmann enttäuscht. Denn solch ein langes Rennen - das Siegerteam Yart Yamaha spulte in 24 Stunden insgesamt knapp 3595 Kilometer runter - führt nicht nur die Maschinen an die Grenzen, sondern auch die Rennfahrer. 

Schlafentzug war das Schlimmste

"Am meisten habe ich meinen Nacken und meine Oberschenkel gespürt", erzählt Lehmann nach dem Rennen. Insgesamt musste er acht Mal auf die Maschine - knapp 50 Minuten hält der 24-Liter-Tank, dann erfolgt ein Fahrerwechsel. Also nach ca. 1:40 Stunde Pause war Lehmann in der Regel wieder dran. "Die Müdigkeit war für mich mit das Schlimmste. Ich habe versucht zu schlafen, konnte es aber nie wirklich", sagt er. Mit Unmengen Kaffee, Unterhaltungen mit Kollegen und ein bisschen Musik hielt sich der Dresdner wach.

Zwei Kilogramm habe er bei den Strapazen abgenommen, obwohl er in den Pausen so ziemlich alles gegessen habe, von Spaghetti bis Süßigkeiten. "Man lernt viel über seinen Körper, wie man damit wirklich umgeht, wozu man in der Lage ist. Ich bin dauerhaft relativ am Limit gefahren", sagt Lehmann. Damit ist er hochzufrieden. 

Von Stürzen oder gar Bränden blieb sein Team verschont, im Gegensatz zur Konkurrenz. Selbst in der zehnminütigen Rennzusammenfassung des übertragenden Senders Eurosport sind viele Stürze zu sehen - und vier brennende Maschinen. Grenzerfahrungen eben. "Solche Brände entstehen meist durch Motorprobleme, dass dort Öl ausläuft und sich durch die Hitze vom Motor entzündet und dann das Motorrad in Flammen aufgeht. Oder im Tank entsteht ein kleines Loch, aus dem Sprit herausläuft", erklärt Lennox Lehmann. Explosionsgefahr bestehe dabei aber kaum. "Ich kann mich in meiner Karriere nicht an solch einen Vorfall erinnern."

Auch zum Sachsenring mit dem Wohnmobil

Mit dem Rennen waren die Herausforderungen aber noch nicht vorbei. "Ich bin tatsächlich 19 Uhr schlafen gegangen, am nächsten Tag hatte ich noch zwölf Stunden Autofahrt vor mir", sagt er. Denn der 20-Jährige fährt zu den meisten Rennen in Europa mit einem eigenen Wohnmobil, dafür stehen den Piloten im Fahrerlager abgesperrte Parkplätze zur Verfügung. "Die Möglichkeit nutzen viele Piloten, man ist halt nah an der Strecke und hat alles dabei, was man braucht." Nebenbei spart man auch Hotelkosten. 

Nun ist der 1,74 Meter große Rennfahrer zu einem einwöchigen Trainingslager in Holland - in Vorbereitung auf das erste Saisonrennen in der Euro-Moto-Klasse. Das steigt am zweiten Mai-Wochenende ausgerechnet am Sachsenring, gewissermaßen die Heimstrecke von Lennox Lehmann. Doch auch da pendelt er nicht zwischen seiner Heimatstadt Dresden und Hohenstein-Ernstthal, sondern übernachtet im Wohnmobil direkt an der Strecke.

Lehmann ist mithin ganz selten zu Hause - auf eine eigene Wohnung verzichtet er deshalb. „Ich bin 60, 70 Prozent des Jahres nicht in Dresden. Da macht es gar keinen Sinn, mir eine eigene Wohnung zu suchen. Mama freut sich ja auch, wenn es klingelt”, sagt er lächelnd. 

Alexander Hiller
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Alexander Hiller

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