Die Zahl antisemitischer Straftaten in Sachsen bleibt auf einem hohen Niveau. 2016 waren es mindestens 90, teilte Linke-Politikerin Kerstin Köditz am Mittwoch in Dresden mit. Damit liege die Zahl zwar unter dem Wert des Vorjahres, aber immer noch über dem langjährigen Mittel. Von einer Trendwende wollte sie deshalb nicht sprechen.
Die Extremismusexpertin ihrer Partei fragt die Zahlen regelmäßig im Parlament nach. In den meisten Fällen gehe es um judenfeindliche Hassparolen, Volksverhetzung und die Leugnung des Holocaust, hieß es. 2012 gab es mit 51 Fällen den niedrigsten Wert seit 2004. Bis 2015 stieg er auf den bisherigen Rekordwert 120 an.
In fast allen Fällen müsse von einem «rechten Tathintergrund» ausgegangen werden, sagte Köditz. Das ergebe ein Detailvergleich der einzelnen Fälle mit der Statistik rechtsmotivierter Straftaten: «Die in den vergangenen Jahren verzeichnete Entwicklung antisemitischer Delikte folgt denn auch der allgemeinen Zunahme des Fallaufkommens von rechts und einer zunehmenden Verlagerung brauner Propaganda in die sozialen Netzwerke.»