81 afghanische Straftäter sind mit einer Chartermaschine in ihr Herkunftsland abgeschoben worden. Es ist der zweite Flug dieser Art nach der Machtübernahme der islamistischen Taliban im August 2021. Schon die Ampel-Regierung hatte nach einem ersten Flug im vergangenen August weitere angekündigt. Dazu kam es nicht. Die Nachfolgeregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) versprach im Frühjahr sogar regelmäßige Flüge. Die Umsetzung gestaltet sich kompliziert.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zieht am selben Tag seine erste große öffentliche Bilanz, Dobrindt berät mit EU-Kollegen medienwirksam auf der Zugspitze über Asylverschärfungen - ist der Zeitpunkt der Abschiebung kein Zufall?
Nicht ausgeschlossen, dass dieser Eindruck bei manchen entsteht. Eine Diskussion über den Zeitpunkt gab es auch vor knapp einem Jahr beim letzten Abschiebeflug nach Afghanistan. Der fand zwei Tage vor den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen statt. Dobrindt wies mögliche Spekulationen in diese Richtung zurück: «Man kann solche Termine nicht direkt planen», sagte der CSU-Politiker. Das habe einen Vorlauf von mehreren Wochen. «Dass das heute ist, das hätte auch gestern sein können, vielleicht auch morgen, aber in den letzten Tagen hat sich in intensiven Gesprächen noch mal herauskristallisiert, dass es der heutige Tag sein wird.»
Warum sind Abschiebungen nach Afghanistan so schwierig?
Die Bundesregierung hat keine offiziellen Beziehungen zu den islamistischen Taliban, die wegen ihrer Missachtung von Menschen- und vor allem Frauenrechten international isoliert sind. Deutschland erkennt die Taliban nicht als rechtmäßige Regierung Afghanistans an - das hat international bisher nur Russland getan. Mit direkten Verhandlungen auf diplomatischer Ebene würden die Machthaber in Kabul auf internationalem Parkett quasi legitimiert. Deshalb laufen Verhandlungen über die Rücknahme von hier straffällig gewordenen Afghanen über den Umweg Katar. Das Golfemirat vermittelt. Der aktuelle Abschiebeflug nach Kabul erfolgte mit einer Maschine von Qatar Airways.
Bundesinnenminister Dobrindt sagte, für die Zukunft müsse Deutschland aber in die Lage kommen, solche Abschiebungen auch ohne «strategische Partner» vorzunehmen, auch nach Afghanistan und Syrien.