Logo Die Sachsen News
Nachrichten / News aus Tschechien

Kolumne aus Prag: "Infantino! Wir wollen Dein Geld nicht!"

Kolumne aus Prag: "Infantino! Wir wollen Dein Geld nicht!"
Blick ins Teplicer Stadion. Foto: Hannes Mallek
Von: News aus Tschechien
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist Geschichte und die tschechische Chance Liga hat den Betrieb wieder aufgenommen. Für Kolumnist und Böhmen- und Bohemka Prag-Fan Egbert Pietsch Grund für einen Ausflug nach Teplice.

Eine Kolumne von Egbert Pietsch

Er ist Leipziger, im Grunde aber auch Prager. Seine Wurzeln sind böhmisch. So oft er kann, fährt er in die Tschechische Republik. Vor allem nach Prag. Des Fußballs wegen. Das ist sein Hauptthema, aber auch Fußball und vor allem Fußball. Ab und zu geht es in seinen Kolummen auch um Pflaumenknödel, Reichenberger Rasen und Literatur. Der Mann liebt Bücher. Ab sofort können die Leser von News aus Tschechien seine Kolumnen fürs Landesecho lesen. Egbert Pietsch wurde 1965 in Magdeburg geboren und studierte Germanistik in Leipzig. 1991 war er Mitgründer des Magazins KREUZER und ist bis heute Geschäftsführer und Mehrheitseigner des Magazins. Viel Spaß beim Lesen.


Egbert Pietsch fährt gern Bahn. Foto: privat

Diese 26er WM war in mehrfacher Hinsicht denkwürdig, wenn auch kaum im guten Sinne. Aus tschechischer Sicht sowieso nicht. Die Mannschaft machte einen äußerst desolaten Eindruck und schied sieglos nach drei Gruppenspielen aus. Wirklich überraschend kam das nicht, denn nur mit viel Glück wurde die Qualifikation im letzten Moment keineswegs überzeugend geschafft. Trainer Koubek schaffte es leider zu keinem Moment, aus 11 zweifellos großen Profis ein Kollektiv zu formen. Um so seltsamer, dass er glaubt, diesen Job weiter machen zu können.

Mehr aus dieser Kategorie

Ansonsten war diese WM vor allem durch hemmungslosen Kommerz und widerliche Gestalten wie Infantino und FIFA-Friedenspreisträger Trump gekennzeichnet. Trump, der natürlich auch während der WM nicht von seinem geliebten Hobby Bombardieren lassen konnte. Und die persische Mannschaft lustvoll erniedrigte. Eine Lehrstunde in hemmungsloser Großkorruption. Zu viele Spiele, absurde Trinkpausen, eine völlig lächerliche Halbzeitshow im Finale. Wir wollen aber zwei Halbzeiten, nicht vier Viertel! Zwar wussten wir, dass Infantino ein korrupter Arschkriecher ist, aber dass er sich als eine solche Marionette diesem widerlichen Trump derart lustvoll unterwirft, das war wirklich zu viel des Schlechten. Nur seine Gier und Machtgeilheit übertreffen das noch. Dieser Mensch gehört asap abgewählt. Was aber vermutlich nicht passieren wird, weil er jeden Widerspruch mit Millionen zuwirft. Wir scheißen aber auf sein Geld. Wir wollen den Fußball zurück! Dieser ganze Verband, ein Verein nach Schweizer Recht, gehört reformiert. Und zwar gründlich.

Diese Abschweifung kommt ihnen vielleicht zu streng vor? Tut mir leid, war leider notwendig.

Wir kommen zu Erfreulicherem: In Böhmen rollt der Ball wieder! Unsere Bohemka hat am 25. Julei zwar das erste Punktspiel in Teplitz 1:3 verloren, aber durchaus gute Ansätze gezeigt. Der neue wuchtige Stoßstürmer Ladislav Almasi, mit seinen 1,96 nicht zu übersehen, köpfte entschlossen den 1:2 Anschlusstreffer. Wir drängten auf den Ausgleich, aber 10 Minuten vor ultimo unterliefen unserer Abwehr gleich drei Fehler hintereinander und es stand 3:1… Der Slowake Almasi kam im Sommer von Banik Ostrau, die letzten Jahre verbrachte er aber als Leihspieler beim FC Esseg/Osijek in Kroatien und bei Zalaegerszegi TE in Südwest-Ungarn. Wir dürfen gespannt sein. Auch in der Abwehr haben wir neue Leute zu integrieren, das sah aber noch nicht überzeugend aus. Noch kurz ein Wort zum Ausgang der letzten Saison. Wir hatten ja überraschend die Mittelgruppe erreicht, unvergessen das 2:0 über den AC Sparta am letzten Spieltag! Aber schon gegen Olmütz waren wir dann raus und belegten am Ende den schönen 10. Platz. Schön, weil exakt ausreichend. Ob man nun 7. oder 10. wird: Völlig egal. Da hatten die Spieler verständlicherweise den längeren Urlaub im Blick, denken wir.

Neu in dieser Saison sind gleich zwei Klubs aus Brünn. Der Traditionsklub Zbrojovka und auch Artis Brünn, das erst voriges Jahr aus dem vormaligen SK Lisen entstand, einem Brünner Stadtteilverein. Zbrojovka startete mit einem überraschenden 3:1-Sieg über Sparta Praha in die Saison. Das lässt hoffen. Auf der Strecke blieb in der Abstiegsrunde im Mai diesmal Dukla Prag, ein immer noch seltsamer Verein ohne wirkliche Fan-Basis. Aber das Stadion Juliska kann gefallen. Die Pilsner übrigens verloren ihr erstes Punktspiel daheim überraschend gegen Slovan Liberec, die ja auch neuerdings einem Milliardär gehören. Dazu später einmal mehr, wenn sich das Landesecho wieder einmal nach Reichenberg begeben wird.

Die Aufarbeitung des im Frühjahr aufgedeckten Wettskandals endete u.a. mit dem Zwangsabstieg des diesjährigen Pokalsiegers MFK Karvina. Der Verband hat hier erfreulich konsequent durchgegriffen. Die rechtlichen Auswirkungen im Umkreis sind noch nicht ganz abzusehen. Wir bleiben dran.

Die Kolumne wurde zuvor bereits im Landesecho, Magazin der Deutschen in der Tschechischen Republik, veröffentlicht.

News aus Tschechien
Artikel von

News aus Tschechien

News aus Tschechien ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.