Logo Die Sachsen News
Nachrichten / News aus Tschechien

Hunderte Menschen gedenken in Prag des Einmarschs 1968

Hunderte Menschen gedenken in Prag des Einmarschs 1968
Mehrere Hundert Menschen gedachten auf dem Boris-Nemzow-Platz vor der russischen Botschaft in Prag des sowjetischen Einmarschs in die Tschechoslowakei 1968. Foto: Člověk v tísni
Von: News aus Tschechien
Mehrere Hundert Menschen haben in Prag an den sowjetischen Einmarsch in die Tschechoslowakei 1968 erinnert. Bei der Gedenkveranstaltung vor der russischen Botschaft wurde zugleich Solidarität mit der Ukraine gezeigt.

Mehrere Hundert Menschen haben in Prag an den sowjetischen Einmarsch in die Tschechoslowakei im Jahr 1968 erinnert. Das teilte die tschechische Nachrichtenagentur ČTK mit. Bei einer Gedenkveranstaltung auf dem Boris-Nemzow-Platz vor der russischen Botschaft in Prag 6 bekundeten die Teilnehmer zugleich ihre Unterstützung für die Ukraine, die sich seit 2022 gegen die russische Armee verteidigt.

Die Veranstaltung unter dem Titel „Geh nach Hause, Iwan!“ ("Akci Běž domů, Ivane!) wurde von vier gemeinnützigen Organisationen organisiert, darunter Člověk v tísni und Paměť národa. Das rund einstündige Treffen begann mit dem gleichnamigen Lied. Viele Teilnehmer brachten tschechische und ukrainische Flaggen mit, einige hielten Transparente hoch.

Im Mittelpunkt stand ein Panzer, aus dem die Köpfe von Ministerpräsident Andrej Babiš, Kulturminister Oto Klempíř, Außenminister Petr Macinka und Parlamentspräsident Tomio Okamura herausragten. Auf weiteren Transparenten standen unter anderem die Slogans „Putinova pustina“, „Make Love Not War“ und „Yesterday Prague Today Kyiv“.

Mehr aus dieser Kategorie

Zu den Rednerinnen gehörte die ehemalige Dissidentin Věra Roubalová Kostlánová. Sie rief dazu auf, die Unterstützung für die Ukraine nicht nachzulassen. Die Hilfe der Europäischen Union und der USA reiche aus ihrer Sicht nicht aus.

Auch die Aktivistin Anna Abramčuková sprach bei der Veranstaltung. Sie war im Alter von 15 Jahren zu Beginn des Krieges aus der Ukraine geflohen und setzt sich heute in Tschechien für die Menschenrechte derjenigen ein, die in der Ukraine geblieben sind. Sie berichtete unter anderem von der Situation in den von Russland besetzten Gebieten. Dort würden Bewohner nach ihren Angaben zur Annahme der russischen Staatsbürgerschaft gezwungen. Ohne diese hätten sie beispielsweise Schwierigkeiten beim Zugang zu medizinischer Versorgung und beim Kauf von Medikamenten.

Besonders eindrücklich schilderte Karel Kovařovic seine persönlichen Erlebnisse am 21. August 1968. Der damals 18-Jährige wurde nach eigenen Angaben im Prager Stadtteil Vinohrady von Soldaten der Roten Armee angeschossen, als er einem anderen verletzten jungen Mann Erste Hilfe leisten wollte. Obwohl er durch Symbole als Helfer des Roten Kreuzes gekennzeichnet war, schossen die Soldaten auf ihn. Mit zwei Schussverletzungen kam er in eine Geburtsklinik in der Londýnská-Straße. Von dort floh er aus Angst, festgenommen oder getötet zu werden.

Die Invasion hatte in der Nacht zum 21. August 1968 begonnen. Auf Anweisung der sowjetischen Führung besetzten Truppen die Tschechoslowakei, um den Reformkurs des liberalen Flügels der Kommunistischen Partei gewaltsam zu beenden. Bereits am ersten Tag wurden im gesamten Land 58 Menschen getötet oder tödlich verletzt. Bis Ende 1968 stieg die Zahl der Opfer auf 108. Weitere Menschen starben 1969 bei der gewaltsamen Niederschlagung von Demonstrationen gegen die Besatzung.

Die Ereignisse markierten den Beginn der sogenannten Normalisierung in der Tschechoslowakei. Sie war unter anderem von politischen Säuberungen, verstärkter Zensur und Einschränkungen der persönlichen Freiheiten geprägt.

News aus Tschechien
Artikel von

News aus Tschechien

News aus Tschechien ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.