Ein Erlebnisbericht von Tabea Yackley-Thiessen
Schon der Name verrät, wo sich dieser Chor am wohlsten fühlt: in einer Kneipe. Zwischen Tresen, Biergläsern und deftiger Kost tritt der Radebeuler Kneipenchor dort auf, wo Geselligkeit gepflegt wird. Mit Charme und Humor verwandeln die Sängerinnen und Sänger den Sonnenhof auf dem Anger von Altkötzschenbroda in einen Ort, an dem die Freude am gemeinsamen Musizieren im Mittelpunkt steht.
Zum zweiten Mal lud der Radebeuler Kneipenchor zu einem musikalischen Abend anlässlich des Tages des deutschen Bieres ein. Dicht gedrängt in der Mitte der Kneipe zwischen Tresen und erwartungsvollen Gästen standen 16 Sängerinnen und Sänger und machten gleich zu Beginn klar, worum es an diesem Abend ging: nicht um Perfektion, sondern um Gemeinschaft und Spaß an der Musik. Der Auftakt mit dem Bierkanon „Bier muss kühl sein, sonst schmeckt es nicht“ machte auch dem letzten Gast deutlich, dass hier kein Konzert eines traditionellen Chores zu erwarten war.
Geprobt wird wöchentlich ebenfalls im Sonnenhof – im hinteren Teil der Kneipe. Jeden Mittwoch stellt Betreiberin Mandy Schubert dem Chor diesen Raum unentgeltlich zur Verfügung. Es ist diese lockere, familiäre Atmosphäre, die den Kneipenchor ausmacht. Bei den Proben sind mal acht, mal bis zu 23 Menschen anwesend – und wenn Chorleiter Robert Seidel verhindert ist, organisiert die Gruppe die Probe kurzerhand selbst. Am Ende jeder Probe gehen alle Sängerinnen und Sänger mit besserer Laune nach Hause, als sie gekommen sind – gemeinsames Singen macht glücklich.
Nach dem Anfangskanon folgten Klassiker wie „Let it be“ und „Barbara Ann“, die das Publikum nicht nur zum Mitsummen, sondern auch zum Mitswingen brachten. Ganz im Sinne des Chorleiters Robert Seidel gilt beim Kneipenchor: „Wenn’s ein bisschen schief wird, einfach mehr lächeln.“
„Two beer or not two beer, that’s the question“ – frei nach Shakespeare gab Gründungsmitglied Thomas Töpfer gleich zu Beginn mit einem Augenzwinkern das Motto des Abends vor. Mit beeindruckendem Bass, humorvollen Zwischenbemerkungen und kleinen Anekdoten führte er charmant durchs Programm und sorgte immer wieder für Lacher im Publikum. Am Klavier saß, wie gewohnt, die Radebeuler Jazz-Legende Manfred Kugler, der mit flinken Fingern und spürbarer Freude den Kneipenchor begleitete.
Ein Höhepunkt war „Lady in Black“, bei dem das Publikum selbst Teil des Chores wurde. Plötzlich entstand ein Klangvolumen, das den Gastraum mühelos füllte – ein Moment, der zeigte, wie Musik verbindet, wenn sie gemeinsam entsteht.
Dass es diesen Chor überhaupt gibt, ist einer Absage zu verdanken. Als Ralf Eisenschmidt, der Gründer des Radebeuler Kneipenchors, beim Dresdner Pendant anfragte, bekam er die freundliche, aber wenig ermutigende Antwort: „Wir setzen dich auf die Warteliste der Warteliste.“ Also machte er kurzerhand sein eigenes Ding. Über sein Netzwerk fand sich eine kleine Gruppe Sangesfreudiger, die sich zunächst zum Karaoke traf. Mit der Zeit wuchs daraus etwas Größeres: Manfred Kugler kam dazu, später auch Chorleiter Robert Seidel – und plötzlich war aus einer Idee ein fester Termin im Wochenkalender geworden.
Das Konzept dahinter ist so einfach wie sympathisch: ein klassisches Tauschgeschäft. Chorleiter und Pianist werden nicht mit Geld bezahlt, sondern mit Bier und Essen aus der Sonnenhof-Küche, finanziert aus der Chorkasse. Im Gegenzug bringen Robert Seidel und Manfred Kugler ihr musikalisches Know-how ein – gepaart mit einer großen Portion Geduld, Fingerspitzengefühl und Humor.
Die nächste Gelegenheit zum Mitsingen, Mitswingen und Mitlachen bei einem Auftritt des Radebeuler Kneipenchores gibt es übrigens am 21. Juni zur „Fête de la Musique“ im Sonnenhof.