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Windkraft bläst Dorfgemeinschaft durcheinander

Foto: Blick über Wiesen und Felder mit einzelnen Bäumen in der Ferne bei Morgendämmerung, leichter Nebel am Boden
Künftig könnten dort Windräder stehen. Blick von Steinbach aus auf das Vorranggebiet für Windkraft. Foto: Annett Skeide
Von: Bürgerjournalismus in Sachsen
Die Störche sind da, die Boten des Frühlings sind überall zu spüren. Die Wiesen nehmen sattes Grün an, die Saat geht auf, Vogelgezwitscher, man kann es förmlich fühlen und riechen. Die Sonne verabschiedet sich hinter der Hügellandschaft von Steinbach. Zart und sanft breitet sich der Glockenklang des alten Kirchleins aus. Rehe kommen bis auf den Dorfrand heran, ein herrlicher Frühlingstag geht zu Ende.

Ein Beitrag von Steffen Skeide

Das Telefon summt, erst einfach, dann immer stärker werdend. Eine Nachricht verbreitet sich rasant in den Chats, Gruppen, Netzwerken: Die Windräder kommen. Am 23. März wurden die Standorte des Regionalen Planungsverbandes Oberes Elbtal/Osterzgebirge beschlossen und sickern so langsam durch. Im Vorranggebiet 28 auf Ebersbacher Flur (Nachbargemeinde von Steinbach), nur durch die Straße getrennt, sollen auf einer Fläche von 53 Hektar, die Windräder direkt neben den Ort hier her.

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Mittleres bis hohes Konfliktpersonal

Die Ergebnisse der Umweltprüfung „Insgesamt mittleres Konfliktpotenzial, mit hohem Konfliktpotenzial in Bezug auf die Sichtposition“, klingen auf dem Papier einfach und rational. Aber sie spalten das Dorf in drei Gruppen. Erste Gruppe: Die Gleichgültigen. Sie finden sich bestätigt, dass man sowieso nichts machen kann, der Bürgerwille nichts zähle. Zweite Gruppe: Die Windkraftbefürworter. „Irgendwo muss die Energie herkommen“, sagen sie und sehen die Windkraft als Chance. Dritte Gruppe: Die Windkraftgegner. Sie wollen keine Lärm- und Sichtbelästigung, keinen Wertverlust ihrer Grundstücke, keinen Eingriff in die Natur zugunsten der Windlobby.

Unmut in der Ortschaftsratssitzung

Am 13. April lädt der Steinbacher Ortschaftsrat, mit seinem Vorsitzenden Gerald Bibas, zur Sitzung mit dem Thema Windräder ein. Unter den Anwesenden ist auch Katrin Sontag, die neu gewählte Bürgermeisterin aus Moritzbug. Aus dem Ortsteil Steinbach erhielt Sie 79 Prozent der abgegebenen Stimmen. Sie ist noch nicht amtstätig und argumentiert sachlich und nüchtern. Die Windräder stehen nicht auf Gemeindegebiet, sagt sie. Es gebe keinen direkten Handlungsbedarf.

Starre. Momente später ein Raunen, Stimmen werden lauter, Unmut breitet sich aus. Teilnehmer berichten, dass erst durch Eingreifen des Ortsvorstehers, mit Hinweis auf die Geschäftsordnung, Ruhe zur sachlichen Diskussion wieder hergestellt werden konnte.

Wie weiter? Am 28. April um 19 Uhr beginnt dazu eine Bürgerversammlung im Dorfgemeinschaftshaus Steinbach.

Link zu den Unterlagen des Planungsverbandes Oberes Elbtal/Osterzgebirge:
https://rpv-elbtalosterz.de/regionalplanung/wind/aktuelles


Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts "Bürger machen Journalismus" entstanden.
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