Ein Kommentar von Frank Buchholz
Der Wind streift durch das frische Grün am Straßenrand. Wer durch die Lommatzscher Pflege oder das Elbe‑Röder‑Dreieck im Meißener Land fährt, sieht sie bereits heute: Windräder, die sich unweit großer Arbeitgeber und energieintensiver Betriebe drehen. Und es sollen in den kommenden Jahren mehr werden. Denn die Anforderungen wachsen. Industrieprozesse sollen elektrifiziert, Gebäude verstärkt mit Wärmepumpen beheizt und Mobilität zunehmend elektrisch organisiert werden. Prognosen zufolge wird der Strombedarf bis 2040 um etwa das Anderthalbfache steigen.
Langfristig könnte sauberer Windstrom aus der Region direkt energieintensive Betriebe sowie die Halbleiterindustrie im Dresdner Norden versorgen. Noch ist das Zukunftsmusik. Klar ist jedoch: Ohne einen deutlichen Ausbau der erneuerbaren Energien wird dieser Weg nicht zu gehen sein. Beim Ausbau der Windenergie hinkt Sachsen im bundesweiten Vergleich hinterher. Mit dem Wind‑an‑Land‑Gesetz hat der Bund die Länder verpflichtet, geeignete Flächen für Windenergie auszuweisen. In Sachsen sollen zunächst 1,3 Prozent der Landesfläche, bis 2032 dann zwei Prozent, als Vorranggebiete festgelegt werden. Diese Aufgabe liegt bei den vier regionalen Planungsverbänden. Für die Region Oberes Elbtal‑Osterzgebirge liegt derzeit der Teilregionalplan Wind zur öffentlichen Beteiligung aus. Noch bis Anfang Juni stellen Dialogveranstaltungen den Entwurf der Bürgerschaft vor.
Wie volatil die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sein kann, zeigte sich bereits am Rande einer dieser Veranstaltungen im Meißener Berufsschulzentrum. Während am späten Nachmittag rund 45 Prozent des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Quellen stammten – vor allem aus Photovoltaik und Wind –, lag der Anteil kurz vor Sonnenuntergang unter 20 Prozent (Quelle: energy-charts.info). In dieser Phase trug nahezu ausschließlich die Windenergie zur Stromversorgung bei. Ihr Anteil am Strommix soll künftig weiter steigen – auch aus Gründen der Versorgungssicherheit. Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ist die Abhängigkeit von Energieimporten aus politisch unsicheren Regionen zu einem zentralen Thema geworden.
Um die gesetzlichen Ausbauziele zu erreichen, sieht der Regionalplan eine Vervierfachung der Windvorrangflächen vor. Auch die Industrie drängt zunehmend auf eine verlässliche Versorgung mit grünem Strom. Studien im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums zeigen, dass der Ausbau erneuerbarer Energien regionale Wertschöpfung stärkt. Hinzu kommt das sächsische Energieertragsbeteiligungsgesetz: Kommunen erhalten mindestens 0,3 Cent pro eingespeister Kilowattstunde aus Windenergieanlagen, bei individuellen Vereinbarungen bis zu 0,5 Cent. Das bedeutet jährliche Einnahmen von rund 35.000 bis 50.000 Euro pro Anlage – Geld, das den Gemeinden für Aufgaben der Daseinsvorsorge zur Verfügung steht.