Landesbühnen Sachsen: Orson Welles probt Moby Dick
Mit dem Drama „Orson Welles probt Moby Dick" bringen die Landesbühnen Sachsen am 4. April eine eigenwillige Fassung von Herman Melvilles Weltroman auf die Hauptbühne im Theater Radebeul. Die Premiere verspricht nicht nur eine komprimierte Nacherzählung der berühmten Waljagd, sondern zugleich eine Diskussion über die Mittel des Theaters – kurzweilig, pointiert und mit Blick auf aktuelle Fragen von Ensemblearbeit und Inszenierungspraxis.
Regie führt Monique Hamelmann, die in Dresden durch Arbeiten am Staatsschauspiel sowie an den Landesbühnen Sachsen bekannt ist. Zuletzt inszenierte sie dort Sarah Kanes „Zerbombt“. Für die Ausstattung zeichnet Henriette Hübschmann verantwortlich. Das Team setzt damit auf eine klare, spielorientierte Form, die Melvilles Stoff nicht als museale Literaturadaption, sondern als theatrales Ereignis behandelt.
Das Stück beginnt in einem britischen Repertoiretheater. Noch bevor es losgeht, stehen die Darsteller um eine leere Bühne, kommentieren ihre Situation und beklagen sich über ihren Chef und die bevorstehende „König Lear“-Produktion. Als der Leiter dann mitteilt, dass statt Shakespeare plötzlich „Moby Dick“ auf dem Plan steht, schlägt die Stimmung zunächst in offenen Protest um.
Doch der Widerstand kippt rasch in Spieltrieb. Aus herumliegenden Gegenständen werden improvisierte Kulissen, aus schnellen Rollenwechseln entsteht ein vielstimmiges Erzählgeflecht. Im Zentrum stehen der weiße Wal und Kapitän Ahab, dessen Besessenheit die Fahrt vorantreibt. Die Inszenierung arbeitet mit Pathos und Präzision, lässt aber auch die Mechanik des Theaters sichtbar: Wie entsteht Illusion, wie funktioniert Ensemble, wo liegen die Grenzen der Darstellung?
Mit dieser Anlage wird das Stück zur doppelten Erzählung – als Abenteuerstoff und als Blick hinter die Bühne.