Ein Bericht von Ulf Mallek
Die Universitätsstadt Freiberg lebt weiter in einer politischen Ausnahmesituation. Oberbürgermeister Philipp Preißler, erst seit wenigen Wochen im Amt, ist nach einem Randale‑Vorfall in Leipzig, einer richterlich angeordneten Blutentnahme und Tagen des Abtauchens durch den Landkreis vom Dienst suspendiert worden. Die Rechtsaufsicht prüft nun ein Disziplinarverfahren, das bis zur Absetzung und einer Neuwahl führen könnte. Doch die aktuelle Krise hat eine Vorgeschichte – und sie beginnt weit vor dem Leipziger Ereignis.
Am 24. Juni 2026 zeigte Preißler dem Landkreis seinen Amtsantritt an. Erst damit konnte er das Amt übernehmen – denn zuvor war die Wahl vom Oktober 2025 durch eine Wahlanfechtung blockiert. Geklagt hatte der Freiberger Bürger Marcus Seidel, der sich nach eigenen Angaben „in seinen Rechten als Wähler verletzt“ fühlte. Vor dem Verwaltungsgericht stellte der vorsitzende Richter klar: Der Kläger sei nicht in seiner Wahlhandlung behindert worden. Seine Begründung wirkte nach Beobachtern unscharf, teils widersprüchlich. Seidel zog die Klage zurück. Damit war der Weg für Preißler endlich frei – doch die Hintergründe blieben nebulös. Das Freiberger Bürgerportal Forum aktuell dokumentierte früh Zweifel daran, dass Seidel die Klage selbst vorbereitet hatte. Seine Aussagen ließen erkennen, dass ihm wesentliche politische Zusammenhänge nicht vertraut waren. Zuvor hatte Preißler auch die Wahl zum Amtsverweser (eine Art provisorischer OB bis zur Gerichtsentscheidung) am 5. März im Stadtrat knapp verloren.