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Freiberger OB‑Affäre: Was die Wahlanfechtung mit dem Leipziger Vorfall zu tun hat

Freiberger OB‑Affäre: Was die Wahlanfechtung mit dem Leipziger Vorfall zu tun hat
Keine besten Freunde, oder? CDU-Fraktionschef Steve Ittershagen (l.) gratuliert dem neuen OB Philipp Preißler. Foto: privat
Von: Meißen News
Nach Randale‑Vorwürfen, Abtauchen und einem Dienstverbot steht OB Philipp Preißler im Zentrum einer schweren Krise. Die Rechtsaufsicht prüft disziplinarrechtliche Schritte bis hin zur Amtsenthebung. Doch die Eskalation begann lange vor dem Leipziger Vorfall.

Ein Bericht von Ulf Mallek

Die Universitätsstadt Freiberg lebt weiter in einer politischen Ausnahmesituation. Oberbürgermeister Philipp Preißler, erst seit wenigen Wochen im Amt, ist nach einem Randale‑Vorfall in Leipzig, einer richterlich angeordneten Blutentnahme und Tagen des Abtauchens durch den Landkreis vom Dienst suspendiert worden. Die Rechtsaufsicht prüft nun ein Disziplinarverfahren, das bis zur Absetzung und einer Neuwahl führen könnte. Doch die aktuelle Krise hat eine Vorgeschichte – und sie beginnt weit vor dem Leipziger Ereignis. 

Am 24. Juni 2026 zeigte Preißler dem Landkreis seinen Amtsantritt an. Erst damit konnte er das Amt übernehmen – denn zuvor war die Wahl vom Oktober 2025 durch eine Wahlanfechtung blockiert. Geklagt hatte der Freiberger Bürger Marcus Seidel, der sich nach eigenen Angaben „in seinen Rechten als Wähler verletzt“ fühlte. Vor dem Verwaltungsgericht stellte der vorsitzende Richter klar: Der Kläger sei nicht in seiner Wahlhandlung behindert worden. Seine Begründung wirkte nach Beobachtern unscharf, teils widersprüchlich. Seidel zog die Klage zurück. Damit war der Weg für Preißler endlich frei – doch die Hintergründe blieben nebulös. Das Freiberger Bürgerportal Forum aktuell dokumentierte früh Zweifel daran, dass Seidel die Klage selbst vorbereitet hatte. Seine Aussagen ließen erkennen, dass ihm wesentliche politische Zusammenhänge nicht vertraut waren. Zuvor hatte Preißler auch die Wahl zum Amtsverweser (eine Art provisorischer OB bis zur Gerichtsentscheidung) am 5. März im Stadtrat knapp verloren. 

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Ein Interview von Forum aktuell mit Mathias Stahl (AfD‑Fraktion) brachte zusätzliche Brisanz: Stahl erhielt bereits im Januar zwei Klageschriften aus dem CDU‑Fraktionsvorstand – anonymisiert, aber mit klaren digitalen Spuren. In den Dokumenteigenschaften war als Autor Steve Ittershagen, CDU‑Fraktionsvorsitzender und vormaliger OB‑Kandidat, eingetragen. Druckdatum: 22. Dezember 2025, einen Tag vor Einreichung der Klage. Die Dateien kamen laut Stahl über Ittershagens persönliche E‑Mail‑Adresse.

Ittershagen hatte sich nie öffentlich zum Verfahren geäußert. Für Stahl legt eine Urheberschaft Ittershagens aber „sehr, sehr nahe“. Die Frage, ob Seidel als Strohmann fungierte, steht seitdem im Raum. Marco Weißbach von der Fraktion Bürger für Freiberg fragte jetzt öffentlich: "Wie tief steckt Steve Ittershagen insgesamt in der Affäre um die Vorbereitung der Klage zur Aufhebung der Oberbürgermeisterwahl? Und, warum hat er als Mitbewerber um das Oberbürgermeisteramt nicht selbst Einspruch eingelegt?" Ittershagen sagte nur, dass mit dem Sonderstadtrat in der Vorwoche ein vorläufiger Höhepunkt in der Befassung mit dem Fall Preißler erreicht sei. Nun gelte es, die Ergebnisse der laufenden Prüfungen und Ermittlungen abzuwarten und nicht durch immer neue Spekulationen vorwegzunehmen.

Ein Wahlkampf, der tiefe Spuren hinterließ

Doch die schossen schon zuvor ständig hoch. Der Wahlkampf war von Gerüchten, Zweifeln an der Eignung, und Angriffen auf Preißlers Privatleben geprägt. Die Wahlanfechtung traf ihn nach seinem Sieg vermutlich schwer – ein Moment, in dem er politische Stabilität gebraucht hätte. Stattdessen begann ein monatelanger Zustand zwischen Wahl, Klage, Verzögerung und öffentlicher Debatte. Das Bürgerportal spricht von einer „furchtbaren Tragödie“, die auch auf die Methodik des Wahlkampfes zurückzuführen sei. Preißler sei ein „Shooting Star“ gewesen, der unter enormem Druck stand – und dessen persönlicher Zusammenbruch sich möglicherweise über Monate aufgebaut habe.

Die Lage eskalierte endgültig, als Preißler in Leipzig in einen Polizeieinsatz verwickelt wurde. Die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, die anschließende Blutentnahme und sein Abtauchen über mehrere Tage führten zu einem drastischen Schritt: Landrat Sven Krüger verhängte ein Dienstverbot und untersagte Preißler die Amtsgeschäfte. Die Stadtverwaltung erklärte, dass es keine dienstlichen Kontakte mehr gebe.

Der Landkreis führt nun ein Disziplinarverfahren. Möglich sind: Disziplinarmaßnahmen, Amtsenthebung nach Sächsischer Gemeindeordnung und Neuwahl des Oberbürgermeisters. Die Stadtverwaltung und alle Fraktionen mahnen zur Sachlichkeit und warnen vor Vorverurteilungen. Gleichzeitig betonen sie, dass die Verwaltung arbeitsfähig bleibt. Eine große Frage ist offen: Hatten die Zweifler an der Eignung Preißlers vielleicht doch recht oder führten diese Zweifler den OB erst in diese Krise?

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