Seine Werke sind in zahlreichen Museen und Privatsammlungen vertreten – und doch ist er weitgehend unbekannt. „Künstlerische Positionen, die nicht in dem Maße gewürdigt werden, müssen auch vorgestellt werden“ so Bernd Heise, der Leiter des Museums anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Wilhelm Müller“ im Leonhardi-Museum Dresden. Der Ausstellungstitel mag schlicht sein, die ausgestellten Arbeiten sind es keineswegs. Neben seinen konstruktivistischen Formen und Linien, für die er vor allem bekannt wurde, stehen informelle Arbeiten, die durch Spontanität und Zufälligkeiten brillieren. Und das ist die eigentliche Überraschung der Ausstellung.
In der Serie „Besenstiel-Schlag“ kommt dieses kontrolliert Unkontrollierte direkt vom Künstler aufs Blatt. Mit Hilfe eines Besenstiels, der mit schwarzer Farbe bestrichen ist, schlägt Müller auf das vor ihm liegende Blatt und beobachtet die Auswirkungen des Schlages. In einem 47-minütigem Film von Frank Maibier aus dem Jahr 1997 kann dieser Arbeitsprozess direkt nachvollzogen werden, einschließlich der Kommentare des Künstlers. Es macht richtig Spaß, den Gedanken und Aktionen von Wilhelm Müller zu folgen und in den künstlerischen Prozeß seiner Arbeiten einzutauchen. Auch in der Serie „Japanischer Zirkus“ (1985), scheinen die mit Bleistift und Farbstiften entstandenen Arbeiten nur dem Zufall zu folgen. Doch wer sich auf die Arbeiten einlässt und den gewohnten Blickwinkel ändert, wird die Schönheit und Einmaligkeit dieser informellen Arbeiten zu schätzen wissen. Für Wolfgang Holler war Wilhelm Müller deshalb auch „ein Forschender, ein Suchender, ein Freigeist.“