Es geschah in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar, ein Faschingsdienstag im Kriegsjahr 45. Die Mütter, die mit ihren Kindern die letzte Veranstaltung im einzigartigen Sarrasani-Zirkus besucht hatten, waren sicherlich schon zu Hause, als gegen 21:45 Uhr die Sirenen heulten und eine viertel Stunde später 773 britische Bomber in zwei Angriffswellen zunächst gewaltige Mengen an Sprengbomben auf die 630.000 Einwohner zählende und bis dato nahezu unbeschädigte Stadt abwarfen. Durch die Zerstörung der Dächer und Fenster konnten die anschließend abgeworfenen Brandbomben eine größere Wirkung entfalten. Ihr Feuersturm zerstörte rund 80.000 Wohnungen, und ihre Hitzeeinwirkung deformierte sämtliches Glas in der Innenstadt. Dem britischen Nachtangriff auf die ungeschützte Stadt folgte am Tag die Flächenbombardierung durch 311 amerikanische Bomber. Die bis zur Unkenntlichkeit verkohlten Toten lagen noch Tage auf der Straße oder in den Trümmern, ehe die Leichenberge zur Verhinderung von Seuchen verbrannt werden konnten.
Diesen Fragen auf den Grund zu gehen und damit den Opfern ihre Würde zugestehen, das würde ich mir von der Stadtpolitik und den Historikern wünschen. Aber das Gegenteil ist der Fall: Jedes Jahr lassen sich die Verantwortlichen etwas anderes einfallen, damit dieser Schicksalstag für Dresden immer aufs Neue in den Fokus der politisch Extremen gerät und somit das Gedenken an die mehren 10.000 Toten geschändet wird.
So ließ Stadtverwaltung im vergangenen Jahr die Gedenkinschrift auf dem Altmarkt, wo fast 7.000 Leichname öffentlich verbrannt wurden, in einer Hauruck-Aktion einfach so abflexen- still und heimlich… Man habe aus kommunikativer Sicht äußerst unglücklich agiert, räumte das Stadtoberhaupt zu diesem Skandal später ein.
In diesem Jahr würde ein nicht nur ästhetisch fragwürdig orangefarbener Splitter auf der Dresden Stehle am Rondell auf dem Heidefriedhof angebracht, der dem Betrachter den 1965 eingeweihten Ehrenhain und die Rolle Dresden in der NS-Zeit entsprechend einordnet. Der letzte Satz hat es dabei besonders in sich:
„Dresden wird in dieser Aufzählung als Opfer des Krieges dargestellt und die Zerstörung der Stadt mit nationalsozialistischen Kriegsverbrechen gleichgesetzt.“
An einem Massengrab spricht man also nicht nur technokratisch lediglich von der „Zerstörung der Stadt“, nein man hält es seitens der verantwortlichen Akteure offensichtlich nicht einmal für nötig, darauf hinzuweisen, dass mehr als 17.000 sterbliche Überreste auf dem Heidefriedhof bestattet sind. Mit dieser Inschrift werden die Opfer des 13. Februars quasi entmenschlicht. Sie werden von Ihren eigenen Nachfahren zu Opfern zweiter Klasse degradiert.
Man fragt sich geradezu, was plant die Stadt eigentlich als Nächstes, um den erinnerungspolitischen Keil tiefer in die Dresdner Stadtgesellschaft zu treiben?
Die Exhumierung des Heidefriedhofes?
Die Bombardierung einer (Innen)Stadt - auch wenn sie eine Stadt des angreifenden Staates ist - stellt ein Bruch des Kriegsvölkerrechtes dar. Dieses Flächenbombardements hat keine Schlacht um die Stadt entschieden und auch das Kriegsende nicht beschleunigt, aber mehreren 10.000 Zivilisten das Leben gekostet. Jörg Friedrich beschrieb die Bombardierungen vieler deutscher Städte 2002 aus der Sicht der Betroffenen und als schon vor den letzten Kriegsmonaten militärisch sinnlose, beabsichtigte Massenvernichtung.