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Der Vollblut-Ehrenamtler: Jugendtrainer Uwe Richter vom Radebeuler BC sucht Talente sogar im Kindergarten

Foto: Ein Mann hockt auf Kunstrasen, vor sich ein Fußball und ein Whiteboard mit der Darstellung eines Spielfelds
Jugendtrainer Uwe Richter vom Radebeuler BC, Foto: Matthias Lienert
Von: Bürgerjournalismus in Sachsen
Dienstagnachmittag im Weinbergstadion. Die tief stehende Sonne taucht den wie echt aussehenden Kunstrasen in warmes Licht. Mittendrin: Uwe Richter (66). Mittelgroß, noch volles, leicht angegrautes Haar, drahtig, konzentriert, präsent. Mindestens zweimal pro Woche leitet Richter gemeinsam mit seinem Co-Trainer Sascha Kotzin das Training der B-Jugend des Radebeuler BC. Zusammenhalt im Verein wird großgeschrieben. Auch deshalb ist Richter länger als ein Vierteljahrhundert dabei.

Ein Porträt von Matthias Lienert

Nach der freundlichen Begrüßung der 16- bis 17-jährigen Spieler, von denen er viele seit elf Jahren kennt, beginnt das strukturierte Training. Er formuliert klar und knapp, setzt Schwerpunkte. Seine Stimme ist ruhig, dabei bestimmt. Er wirkt souverän, motiviert die Jungs: „Denkt an das nächste Spiel am Sonnabend gegen Leipzig. Die kämpfen gegen den Abstieg, sind dabei höchst motiviert und dabei gefährlich. Die werden mit Feuer und Flamme voll dabei sein. Denkt an das Spiel aus der Tiefe, an die Laufbereitschaft, nehmt euch Mittelfeldspieler Vitinha von Paris Saint-Germain zum Vorbild. Wie der müsst ihr Räume öffnen.“

Ein kurzer Austausch mit dem Co-Trainer. Sie verstehen sich ohne große Worte. Klare Ansage zur Mannschaft. Richter beobachtet genau, lobt oder korrigiert die Übungen, wie das schnelle Dribbeln mit dem Ball um die Pylonen, die Kunst der Annahmen und Abgaben des Balls und die Schüsse aufs Tor. Ebenso kommen Konditions- und Fitnessübungen nicht zu kurz. Der Co-Trainer überwacht die Übungen, fordert auch hier Leistungsbereitschaft. Neunzig Minuten konzentriertes Training. Dreimal die Woche und dazu oft anstrengende Auswärtsspiele.

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Inzwischen ist es fast 19:30 Uhr. Es wird frisch im Weinbergstadion. Ausgepowert sammeln sich die Jungs um die Trainer, hören zu, diskutieren. Richter analysiert die Einheit präzise, bezieht den Co-Trainer und die Mannschaft ein. Kurze Rückmeldungen, klare Worte.

Ein gewöhnliches Training und doch ein Tag, der zeigt, mit welcher Konsequenz und Energie hier gearbeitet wird. Richter ist Vollblut-Ehrenamtler, dabei hoch professionell. 2023 hat er auf eigene Kosten die UEFA-Trainer-B-Lizenz, immerhin die erste offizielle Lizenzstufe im Leistungsfußball, in einem Lehrgang gemeinsam mit Amerikanern, Engländern, Kanadiern und Brasilianern erworben. Alles in Englisch, einschließlich der Prüfung in Bad Blankenburg. Dafür hat der gelernte Kfz-Meister seine 1990 vom Vater übernommene Werkstatt vor reichlich zwei Jahren an einen Nachfolger übergeben. Richter lebt für den Fußball, genauso wie seine Frau Petra, ohne die der ganze Einsatz unmöglich wäre. Ihm geht es nicht vordergründig um Siege, die er während der vergangenen Jahre mit ersten und zweiten Plätzen in der Landesklasse der B-Jugend zur Genüge eingefahren hat. In den letzten Wochen lief es spielerisch nicht ganz nach seinen und der Mannschaft Vorstellungen. Richter steckt es weg. Ihm geht es um mehr, um Zusammenhalt. Er kämpft und motiviert. Er weiß, dass er sich auf die Eltern verlassen kann, die nicht nur anfeuern, sondern auch Betreuung, mitunter Gastronomie und aufwendigen Fahrdienst bei Auswärtsspielen in- und außerhalb Sachsens übernehmen. Immerhin sind so 10.000 Kilometer zusammengekommen. Genauso ist ihm im Verein die Zusammenarbeit mit den anderen Trainern, Übungsleitern und weiteren ehrenamtlich Aktiven wichtig, wie dem 86-jährigen Günter Sommer.

Das Geld ist knapp. Der Verein ist auf Sponsoren angewiesen. Richter kann sich auf seine Connection um die Radebeuler Autohäuser Hammer, Helmstedt sowie Hahn und Schmidt verlassen, die ihn vor allem mit Kleinbussen für die Fahrten zu Auswärtsspielen unterstützen. Anfang des Jahres hat Richter noch eins draufgesetzt, indem er sich zum Bewegungs-Coach hat ausbilden lassen und Übungsstunden in Kindergärten anbietet. Vielleicht künftige Fußballer und Fußballerinnen?



Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts "Bürger machen Journalismus" entstanden.
Mehr Informationen zum Projekt - und wie auch Sie teilnehmen können - finden Sie unter: www.buergerjournalismus-sachsen.de

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