Der echte Macke (3)
Hurra, ein Junge! Das schoss mir durch den Kopf, als ich gehört habe, dass die noch Große Kreisstadt Riesa ein neues Stadtentwicklungskonzept vorgelegt hat. Nun möchte man ja meinen, das wurde ja vielleicht auch mal Zeit - die Hauptstraße als Boulevard, als Prachtstraße der alten Stahlstadt ist ja in ihrem Schattendasein seit Jahren wahrlich kein Aushängeschild, sondern eher ein Schandfleck, die Ausweisung neuer Wohngebiete kommt nicht voran, die Ansiedlung von Supermärkten klappt nicht, das Gelände auf dem Bereich des alten Flugplatzes liegt weiterhin brach, die Umgestaltung des Bahnhofs lässt seit den 90iger Jahren auf sich warten und so weiter und sofort - die aufgelaufenen Herausforderungen der vergangenen Jahre ließen sich schnell zu einem Buch mittlerer Stärke zusammenfassen.
Aber besser spät als nie: Gut ist es, dass sich die Stadtväter und Stadtmütter nun endlich aufraffen zu prüfen, wie diese ständig schrumpfende Stadt mit der Tendenz zur Kleinstadt in 10 oder 15 Jahren aussehen soll. Wie sollen junge Familien angesiedelt werden, was kann Gewerbesteuerer zahlenden Unternehmen angeboten werden, wie kann man Ansiedlungen befördern und wie ist es möglich, Vertrauen in die eigene Zukunft zu entwickeln, ein Selbstverständnis zu dokumentieren, das über die Vergangenheitsbewältigung hinausgeht? Man wende nicht ein, die Rahmenbedingungen seien schlecht, die Finanzen spärlich, die Politik „von da oben“ liefere nur Hemmschuhe durch Bürokratie, falsche oder fehlende Subventionen oder zu wenig Kommunalfinanzen – alles ja richtig, aber keine Entschuldigung: Der Blick zu anderen Kommunen, die mit der Situation wesentlich besser fertig werden, beweist es: Bitte erst einmal vor der eigenen Haustür kehren, gucken, ob und was man tatsächlich verbessern kann - und dann machen, machen, machen ….