Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Meißen News

Wie geht es voran mit dem Glasfaserausbau im Landkreis Meißen, Herr Lindner?

Glasfaserkabelende, im Hintergrund aufgegrabene Erde und Schaufeln
Noch eine Menge Arbeit: Alle Haushalte sollen bis 2030 einen Glasfaseranschluss haben. Foto: privat
Von: Bürgerjournalismus in Sachsen
Das Ziel ist, alle Haushalte im Landkreis Meißen bis 2030 mit einem Glasfaseranschluss zu versorgen. Ob das realistisch ist, sagt der Technik-Beigeordnete Tilo Lindner.

Ein Interview von Pauline Beger

Herr Lindner, wie ist der aktuelle Stand des Glasfaserausbaus im Landkreis Meißen?

Das Gebiet des Landkreises Meißen umfasst 28 Städte und Gemeinden, davon die fünf Großen Kreisstädte Coswig, Großenhain, Meißen, Radebeul und Riesa. Auf einer Fläche von 1.455 km² leben hier rund 240.000 Einwohnerinnen und Einwohner in 122.000 Haushalten unter rund 72.000 Adresspunkten. Fast die Hälfte der Adresspunkte wird durch den eigenwirtschaftlichen Ausbau der Telekommunikationsunternehmen nicht mit schnellen Internetanschlüssen erreicht (Stand 01/2026).

Im Landkreis Meißen trieben ab 2016 die meisten Kommunen unter Nutzung von Förderprogrammen den Breitbandausbau eigenständig voran. Nachfolgend stellte der Landkreis Meißen im Jahr 2019 selbst einen Antrag auf Förderung der verbleibenden sogenannten „weißen Flecken“ (Download kleiner 30 Mbit/s) und der Förderung des Anschlusses von Schulen, Krankenhäusern und Gewerbe (Sonderaufrufe) als Kooperation mit 20 kreisangehörigen Kommunen. Zuletzt stellte der Landkreis Meißen im Jahr 2022 einen Antrag auf Förderung der sogenannten „hellgrauen Flecken“ (Download kleiner 100 Mbit/s) als Kooperation mit 26 kreisangehörigen Kommunen.

Der Landkreis und die Kommunen werden im Ergebnis die geförderte Versorgung von über 28.000 Adresspunkten mit Glasfaser erreichen. Die Umsetzung erfolgt überwiegend im Wirtschaftlichkeitslückenmodell.

Ausgehend davon werden einige Gebiete in den sogenannten „dunkelgrauen Flecken“ (Download größer 100 Mbit/s, jedoch kleiner 1.000 Mbit/s bzw. alle sozioökonomischen Schwerpunkte) bestehen bleiben, welche bisher weder eigenwirtschaftlich noch gefördert ausgebaut werden. Diese Anschlüsse betreffen private Haushalte, Unternehmen sowie kommunale Standorte. Noch in 2026 soll ein Markterkundungsverfahren hierzu Klarheit bringen.

Mehr aus dieser Kategorie




Porträtfoto eines Herrn mit Brille und Krawatte im schwarzen Anzug

Technik-Dezernent Tilo Lindner.
Foto: Landratsamt Meißen


Welche Gebiete sind bereits erschlossen bzw. stehen als nächstes an?

Der Ausbau der „weißen Flecken“ ist in der finalen Phase. Der Ausbau der „hellgrauen Flecken“ beginnt noch in 2026.

Welche Rolle spielen dabei Förderprogramme von Bund und Land?

Bund, Länder und Kommunen haben erkannt, dass in weiten Teilen der Bundesrepublik Deutschland ein Marktversagen bei der Breitbandversorgung vorliegt. Viele Gebiete sind für Telekommunikationsunternehmen wirtschaftlich nicht attraktiv genug, kurz gesagt, weil hohe Tiefbaukosten auf vergleichsweise wenige Anschlussnehmer treffen. Daher stellen der Bund und auch der Freistaat Sachsen Förderprogramme zur Verfügung, die im Rahmen von Vergabe- und Beihilfevorschriften den Breitbandausbau forcieren sollen. Die Fördermittel fließen in einem komplexen Verfahren über die Kommunen an die Telekommunikationsunternehmen. Diese Förderprogramme sind essentiell für ländliche Regionen wie den Landkreis Meißen. Ohne die Förderung würde der Glasfaserausbau deutlich langsamer oder eben teilweise gar nicht erfolgen.

Die Gigabitförderung von Bund und Land schafft damit Planungssicherheit und Perspektiven für Kommunen und Telekommunikationsunternehmen. Festzuhalten ist, dass die Breitbandversorgung bzw. der Glasfaserausbau keine originäre Aufgabe der Kommunen ist, sondern als freiwillige Aufgabe zur Behebung von Standortnachteilen erledigt wird.

Welche Herausforderungen bestehen bei der Umsetzung, z. B. Bau, Genehmigungen, Nachfrage?

Der Glasfaserausbau ist sehr tiefbauintensiv und es werden über viele Kilometer Leitungen entlang von Straßen, durch Ortschaften und über geschützte Landschaftsteile verlegt. Für solche Baumaßnahmen sind zahlreiche Genehmigungen erforderlich.

Daher hat der Landkreis Meißen zentrale Ansprechpartner für Planungsbüros und Behörden eingerichtet, die die interkommunalen Ausbauprojekte ebenso koordinieren wie die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und die Anfragen zu Genehmigungsanträgen.

Kritische Stimmen bemängeln, dass der Glasfaserausbau in Deutschland insgesamt zu langsam voranschreitet. Wie bewerten Sie die Situation im Landkreis Meißen?

Die Zeitkomponente ist selbstverständlich ein wesentlicher Faktor des Breitbandausbaus. Deshalb nutzen wir die zur Verfügung stehenden Instrumente und verfolgen im Landkreis Meißen den Gigabitausbau mit Nachdruck.

Wie informiert das Landratsamt die Bürgerinnen und Bürger über den Fortschritt?

Wir informieren durch Pressemitteilungen im Amtsblatt, auf der Website des Landkreises Meißen und auf dem Informationsportal „Breitbandausbau im Landkreis Meißen“ unter www.breitband-kreis-meissen.de. Wer konkrete Fragen zur eigenen Liegenschaft hat, kann sich gern an die Breitbandkoordination bei der Wirtschaftsförderung Region Meißen (WRM) wenden.

Welche Bedeutung hat schnelles Internet für die Attraktivität des ländlichen Raums?

Hierzu könnte man sehr weit ausholen: Kurz gesagt ist schnelles Internet heutzutage ein Teil der Grundversorgung und wesentlich für die Bereiche Wirtschaft, Bildung und medizinische Versorgung. Damit auch die ländlichen Regionen daran teilhaben, hat sich der Landkreis Meißen um die Förderung des Ausbaus der weißen und hellgrauen Flecken beworben und stellt zur Koordination zentrale Ansprechpartner zur Verfügung. Eine freiwillige Aufgabe, die wir gern erfüllen.

Wann ist mit einem flächendeckenden Ausbau im Landkreis zu rechnen?

Die Gigabit-Richtline des Bundes verfolgt das Ziel bis 2030 Deutschland möglichst flächendeckend mit Glasfaser zu versorgen. Ob dies realisierbar ist, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten – das wäre der Blick in die berühmte Glaskugel.


Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts "Bürger machen Journalismus" entstanden.
Mehr Informationen zum Projekt - und wie auch Sie teilnehmen können - finden Sie unter: www.buergerjournalismus-sachsen.de

Bürgerjournalismus  in Sachsen
Artikel von

Bürgerjournalismus in Sachsen

Bürgerjournalismus in Sachsen ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media