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Am Bahnhof Meißen steht jetzt ein Klavier

Am Bahnhof Meißen steht jetzt ein Klavier
Konnten sich bei einer tollen Improvisation von Valentin (9) über eine gelungene Zusammenarbeit freuen: Sponsorin Beate Vogt, Theaterchefin Ann-Kristin Böhme, Anlagenmanager Roy Schröder, Samuel Meinert vom Jugendbahnhof und Kulturreferentin Sara Engelmann. Foto: Stadt Meißen
Von: Meißen News
In der Empfangshalle des Bahnhofs Meißen steht ab sofort ein öffentliches Klavier. Zur Einweihung spielte der neunjährige Valentin und verwandelte den Bahnhof kurz in einen Konzertsaal.

Im Bahnhof Meißen erklingt seit Freitag regelmäßig Musik. In einer kleinen Feierstunde wurde in der Empfangshalle ein öffentlich zugängliches Klavier eingeweiht. Die Halle, 1928 nach Plänen des Architekten Wilhelm Kreis errichtet, bildet mit ihrer Architektur einen besonderen Rahmen für das neue Angebot, das sich an Reisende, Passanten und alle Musikinteressierten richtet, teilte die Stadtverwaltung mit.

Zahlreiche Neugierige verfolgten die ersten Töne direkt vor Ort. Den Auftakt gestaltete der erst neunjährige Musikschüler Valentin, der mehrere Stücke spielte und damit für einen Moment die Atmosphäre eines Konzertsaals entstehen ließ. Zwischen Ankommen, Aufbruch und Durchsagen wurde es ungewohnt still – viele blieben stehen, hörten zu oder zückten ihr Handy, um die Szene festzuhalten.

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Stadt will Wartezeiten kulturell nutzen

Oberbürgermeister Markus Renner sieht in dem Instrument eine Einladung, den Bahnhof anders zu erleben. „Ich freue mich sehr, dass wir nun Passanten und Reisende einladen können, bei ihrer Ankunft kurz innezuhalten, die Wartezeit auf den nächsten Zug musikalisch zu gestalten oder einfach zuzuhören“, sagte Renner. Den Wunsch nach einem öffentlichen Klavier habe er schon länger verfolgt und das Projekt mit auf den Weg gebracht.

Mit dem Klavier soll der Bahnhof als wichtiger städtischer Eingangsbereich aufgewertet und stärker belebt werden. Statt nur Transitort zu sein, soll er auch Raum für spontane Begegnungen und kulturelle Momente bieten – ohne Eintritt, ohne Bühne, ohne feste Spielzeiten. Wer spielen kann, darf sich setzen; wer nicht spielt, kann zuhören. Gerade in einem Gebäude, in dem täglich viele Menschen zusammentreffen, soll so ein niedrigschwelliges Angebot entstehen.

Privates Instrument wird öffentliches Kulturobjekt

Zur Verfügung gestellt wurde das Klavier von der Meißner Musikerin Beate Voigt. Für sie ist es auch ein Stück Biografie: In den 1980er Jahren hatte sie das Instrument als Studentin von ihren Eltern bekommen, die dafür damals rund zwei Monatsgehälter aufbringen mussten. Nun wird das Klavier zum öffentlichen Begleiter im Bahnhof – ein persönliches Objekt, das künftig vielen Menschen offensteht.

Die Initiative knüpft an frühere Kulturformate im Bahnhof an. In Kooperation mit der Deutschen Bahn gab es in der Vergangenheit bereits Weihnachtskonzerte wie „Viel Glögg und viel Segen“ sowie Kultursommerkonzerte. Realisiert wurden diese Veranstaltungen unter anderem mit dem Bahnhofsmanagement Dresden und der DB InfraGO – Personenbahnhöfe. Das neue Klavierangebot setzt nun stärker auf Spontanität: Musik soll nicht nur zu angekündigten Terminen stattfinden, sondern dann, wenn jemand Lust hat zu spielen.

Kulturreferentin Sara Engelmann bezeichnete das öffentliche Klavier als naheliegenden Schritt. „Der Bahnhof ist bei aller Eile ein Ort der Begegnung. Hier kommen Menschen miteinander in Kontakt, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären“, sagte Engelmann. Mit dem Klavier entstünden neue Gelegenheiten zum Begegnen und Verweilen – „mitten im Alltag, zwischen Ankommen und Aufbruch“. Sie dankte Beate Voigt sowie allen Partnern für ihr Engagement und betonte, dass solche Vorhaben nur mit Offenheit und verlässlicher Zusammenarbeit gelingen.

Bei der Einweihung waren neben Beate Voigt und Valentin auch Samuel Meinert, Projektleiter im Jugendbahnhof Meißen, sowie Roy Schröder, Anlagenmanager der Deutschen Bahn, anwesend. Schröder begleitet nach Angaben der Beteiligten seit Jahren Kulturvorhaben im Bahnhof. Die Stadt verwies darauf, dass gemeinsame Ideen bei der Bahn auf „fruchtbaren Boden“ gefallen seien und in kompetenten Händen lagen – eine Voraussetzung, damit Projekte im laufenden Betrieb umgesetzt werden können.

Parallel wird der Bahnhof als Standort auch in anderer Hinsicht weiterentwickelt: Im Frühjahr soll der Jugendbahnhof Meißen, eine Anlaufstelle der Arche Meißen für Jugendliche und junge Erwachsene, im ehemaligen Saxonia-Restaurant offiziell eröffnen. Das Vorhaben wird mit europäischen Mitteln aus dem ESF Plus Fonds unterstützt. Damit soll der Bahnhof nicht nur kulturell, sondern auch sozial stärker verankert werden.

Auch Sicherheit und Ordnung im Blick

Seit Januar besteht zudem eine Sicherheits- und Ordnungspartnerschaft zwischen dem Ordnungsamt der Stadt Meißen und DB Sicherheit. Beide wollen – unter Beachtung des jeweiligen Hausrechts und der gesetzlichen Vorgaben – koordiniert im Bahnhof und im Umfeld tätig sein. Bei schwerwiegenden Verstößen werden weiterhin Landes- und Bundespolizei hinzugezogen. Aus Sicht der Stadt ergänzt das mehr Sicherheit die kulturellen und sozialen Maßnahmen zur Belebung des Areals.

Mit verschiedenen Bausteinen soll der Bahnhof als Visitenkarte der Stadt weiter aufgewertet werden – auch mit Blick auf kommende Jubiläen: 2028 werden 100 Jahre Empfangshalle gefeiert, 2029 folgt das 1.100-jährige Stadtjubiläum von Meißen. Wer spontan am Klavier spielt, kann seine Auftritte außerdem in sozialen Medien teilen: Videos sind unter dem Hashtag #meipiano willkommen.

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