In der Werkstättengalerie der Deutschen Werkstätten in Dresden-Hellerau ist vom 4. Juni bis 6. August die Doppelausstellung „genormt, geformt, bewohnt.“ zu sehen. Sie verbinde das Fotoprojekt „PLATTENBAU PRIVAT“ von Susanne Hopf und Natalja Meier mit Hellerauer Montagemöbeln aus der DDR-Zeit, teilten die Deutschen Werkstätten am 1. Juni mit. Die Schau frage danach, wie aus genormtem Wohnraum ein privater Lebensraum werde. Im Zentrum steht damit ein Thema, das Architektur-, Design- und Alltagsgeschichte miteinander verbindet. Auf der einen Seite zeigen die Ausstellungsstücke die gestalterischen Wohnideale der DDR-Moderne. Funktionalität, Klarheit und modulare Systeme hätten dabei eine wichtige Rolle gespielt. Auf der anderen Seite stehen Fotografien von Wohnräumen in Plattenbauten, die Jahrzehnte später von ihren Bewohnerinnen und Bewohnern ganz unterschiedlich eingerichtet worden seien. So entstehe ein Spannungsfeld zwischen standardisiertem Bauen und individueller Aneignung. Dr. Claudia Quiring, Kustodin für Baugeschichte und Stadtentwicklung am Stadtmuseum Dresden, sagte, hinter der vermeintlichen Monotonie von Plattenbau-Fassaden verbergten sich zahllose individuelle Gestaltungsansätze. Die Spannung zwischen Typisierung und Individualität mache eine Ausstellung zum Thema Plattenbau besonders reizvoll. Quiring hatte die Sonderausstellung „Platte OST / WEST. Wohnen und Bauen in Großtafelbauweise“ im Stadtmuseum Dresden kuratiert und wird zur Eröffnung am 3. Juni in Hellerau sprechen.
Ein Teil der Schau widmet sich den modularen Systemmöbeln der Deutschen Werkstätten. Seit den späten 1960er Jahren habe in der DDR nicht nur neuer Wohnraum entstehen sollen. Auch die Einrichtung der Wohnungen sei auf neue Bedürfnisse ausgerichtet worden. Gefragt gewesen seien variable Möbel, die zugleich erschwinglich und gestalterisch anspruchsvoll seien. Entwerfer wie Rudolf Horn und Siegfried Hausdorf hätten mit ihren Systemen neue Maßstäbe gesetzt. Die Deutschen Werkstätten seien dabei zunächst Entwicklungspartner und später Produzent gewesen. Zu sehen sind zwei Varianten des Montagemöbels Deutsche Werkstätten, kurz MDW, von Rudolf Horn sowie das Modell 150 von Siegfried Hausdorf. Die Objekte stelle das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden als Leihgaben zur Verfügung. Museumsdirektor Thomas A. Geisler sagte, das Kunstgewerbemuseum unterstütze die Ausstellung mit Exponaten aus seinen weltweit einzigartigen Sammlungsbeständen zur Produktion der Deutschen Werkstätten Hellerau.
In den Fotografien von Hopf und Meier seien diese Montagemöbel an einigen Stellen noch zu erkennen. Das zeige eine nachhaltige Designkultur, die die DDR-Zeit überdauert habe. Der zweite Ausstellungsteil präsentiert das Fotoprojekt „PLATTENBAU PRIVAT“. Susanne Hopf und Natalja Meier fotografierten 2002 insgesamt 60 Wohnzimmer im experimentellen Hochhausbautyp P2. Aus dem Projekt entstand 2004 ein gleichnamiges Buch, später auch eine Ausstellung. Die Aufnahmen gelten als Zeitdokument, weil sie zeigen, wie stark persönliche Vorlieben, Erinnerungsstücke, Möbelbiografien und Alltagspraktiken die Räume geprägt hätten. Damit werde nicht nur ein Wohnkonzept sichtbar, sondern auch die Geschichte seiner Nutzerinnen und Nutzer. Die Ausstellung steht in direkter Verbindung zur aktuellen Sonderausstellung „Platte OST / WEST. Wohnen und Bauen in Großtafelbauweise“ im Stadtmuseum Dresden. Dort werde der Plattenbau als Architektur-, Stadt- und Sozialgeschichte gezeigt. Die Werkstättengalerie in Hellerau setze einen ergänzenden Schwerpunkt auf das Innere der Wohnungen. Im Mittelpunkt stehen dort Möbel, Wohnideale und individuelle Gestaltungen.
Die design- und sammlungsgeschichtliche Perspektive bringe das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ein, dessen Bestand „Deutsche Werkstätten“ seit Jahren wachse. Klára Němečková, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstgewerbemuseum, sagte, das Museum habe das Möbelsystem Modell 150 von Siegfried Hausdorf noch zu dessen Lebzeiten für die Sammlung sichern können. Die Ausstellung biete nun die Gelegenheit, diesen Prototyp sowie das Montagemöbel Deutsche Werkstätten von Rudolf Horn in zwei unterschiedlichen Ausführungen im Original zu sehen. Für die Deutsche Werkstätten Gruppe sei die Schau zugleich ein Blick auf die eigene Geschichte, sagte CEO Stefan Kükenhöhner. Besonders spannend sei, dass die Systemmöbel nicht isoliert gezeigt würden, sondern den privaten Wohnräumen gegenüberstünden, in denen sich über viele Jahre eigene Wohnwirklichkeiten entwickelt hätten. Eröffnet wird die Ausstellung am 3. Juni um 19.30 Uhr in der Werkstättengalerie am Moritzburger Weg 68 in Dresden. Zur Eröffnung begrüßt Dieter Trautzsch, Geschäftsführer der Deutsche Werkstätten Hellerau GmbH. Redebeiträge halten Dr. Claudia Quiring und Susanne Hopf. Geöffnet ist die Schau montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr, nicht an Feier- und Brückentagen. Die Werkstättengalerie selbst entstand Anfang der 1990er Jahre nach der Reprivatisierung des Unternehmens und befindet sich seit dem Umzug in den Neubau am Moritzburger Weg im Jahr 2006 im offenen Arbeitsbereich. Sie zeigt regelmäßig zeitgenössische Kunst und verknüpft Kunst, Raum, Gestaltung und Arbeitswelt.