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Zutritt nur mit Kind: Dresdens besondere Straßenbahn wird 35

Die bunte Dresdner Kinderstraßenbahn „Lottchen“ steht an der Haltestelle Wallstraße während der Jubiläumsfeier zum 35. Geburtstag.
Dresdner Institution auf Schienen: Seit 35 Jahren verbindet „Lottchen“ Mobilität mit Bildung. Zum Jubiläum am Internationalen Kindertag begrüßten Vertreter der Stadt und der DVB die kleine Straßenbahn an der Haltestelle Wallstraße. Foto: DVB AG//Henry Nielacny
Von: Cornelius de Haas
Einmal fuhr ein Zirkuselefant mit - und das war noch nicht mal das Ungewöhnlichste an ihr. Die Dresdner Kinderstraßenbahn „Lottchen" feiert Jubiläum, und ihre Geschichte ist so bunt wie ihre Fahrgäste klein.

Dresden. Als die Comicfiguren Leo, Theo und Layla um die Ecke biegen, leuchten an der Haltestelle Wallstraße Kinderaugen auf. Die Dresdner Kinderstraßenbahn „Lottchen" feiert heute, am Internationalen Kindertag, ihren 35. Geburtstag - und die Stadt feiert mit. Der erste Bürgermeister Jan Donhauser und DVB-Vorstand Lars Seiffert begrüßten die Jubiläumsfahrt gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Grundschule aus Ottendorf-Okrilla, die eigens zur Haltestelle Wallstraße angereist waren.

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Von der Theateridee zur Dresdner Institution

Die Geschichte der „Lottchen" beginnt mit einer einfachen, aber zündenden Idee: Der Theaterpädagoge Walter Henckel schlug gemeinsam mit dem tjg. theater junge generation und den Dresdner Verkehrsbetrieben vor, eine Straßenbahn in einen mobilen Lern- und Erlebnisraum zu verwandeln. Am 11. Mai 1991 rollte „Lottchen" erstmals durch die Dresdner Innenstadt - benannt nach Erich Kästners „Doppeltem Lottchen", jenem Klassiker, der von Begegnung, Neugier und dem Staunen über die Welt erzählt. Kaum ein Name hätte besser gepasst.

Seither trägt das Projekt zwei starke Partner: Die DVB verantworten den technischen Betrieb, die Wartung des Tatra-Wagens und das Fahrpersonal. Das Jugendamt der Landeshauptstadt Dresden steuert die pädagogischen Inhalte und koordiniert das Programm. Was nach Behördenkooperation klingt, funktioniert in der Praxis wie ein gut geöltes Uhrwerk - seit über drei Jahrzehnten.

Kinderstraßenbahn Dresden: Lernen auf 36 Sitzplätzen

Der aktuelle Tatra-Wagen bietet 36 Kindern Platz und ist bereits das dritte Fahrzeug in der Geschichte der „Lottchen". Die Vorgänger - Straßenbahnen vom Typ ET57/EB57 aus dem ehemaligen Waggonbau Gotha - leisteten bis 2010 ihren Dienst. In ihrer Blütezeit ermöglichten die größeren Züge mit Trieb- und Beiwagen sogar Fahrten für bis zu 500 Kinder an einem einzigen Wochenende. Einer der alten Triebwagen überlebte als Teil einer privaten Museumsausstellung in Pirna, bevor er 2024 verschrottet wurde.

Das heutige Angebot ist vielfältig und durchdacht: Rund 3.200 Kinder und Jugendliche steigen jährlich bei etwa 120 Veranstaltungen ein. Ob Ferienfahrten, Weihnachtsprogramme oder kreative Mitmachangebote - „Lottchen" verbindet Mobilität mit Bildung. Besonders beliebt ist die Kinderrechte-Rundfahrt, bei der Schulen, Spielplätze und Krankenhäuser zur Lernstation werden und Kinder spielerisch die zehn wichtigsten Kinderrechte kennenlernen. Auch die Rathausrallye, bei der Kinder ihre Stadtregierung auf Schienen entdecken, hat sich als festes Format etabliert.

35 Jahre „Lottchen": Geschichten, die bleiben

Manche Momente aus 35 Jahren Fahrtbetrieb sind längst Dresdner Stadtlegende. Im Dezember 1992 stieg mit Zirkuselefant Max vom Zirkus „Berolina" der wohl spektakulärste Fahrgast in der Geschichte der „Lottchen" ein und rollte durch die Innenstadt - ein Bild, das sich ins kollektive Gedächtnis der Stadt gebrannt hat. Auch auf internationalem Parkett war die Kinderstraßenbahn präsent: Beim 40. Internationalen Spielmobilkongress 2012 in Dresden staunte Fachpublikum aus sieben Nationen über das Dresdner Modell.

Darüber hinaus war „Lottchen" Teil bedeutender kultureller Ereignisse: Sie rollte beim 100. Geburtstag von Erich Kästner 1999 durch die Stadt und war Anlaufpunkt beim 33. Evangelischen Kirchentag 2011 - Belege dafür, dass die Kinderstraßenbahn weit mehr ist als ein pädagogisches Freizeitangebot.

Dresden feiert - und „Lottchen" fährt weiter

Zum Jubiläum lädt ein Sonderfahrttag ein, die bunte Welt der „Lottchen" hautnah zu erleben. Für Bürgermeister Donhauser steht fest, was das Projekt ausmacht: Es öffne Kindern einen Raum, ihre Stadt auf eine interessante Weise zu entdecken. DVB-Vorstand Seiffert betont den generationenübergreifenden Charakter: „Lottchen" verbinde seit Jahrzehnten Familien, Kinder- und Jugendgruppen und mache Dresden auf besondere Weise erlebbar.

35 Jahre, drei Fahrzeuge, unzählige Fahrten - und ein Elefant, der alles getoppt hat. Die „Lottchen" rollt weiter.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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