Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Dresden News

So haben Dresdens jüngste Brücken-Kritiker abgestimmt

Pressekonferenz zum Carolabrücke-Neubau vor gelb-grauer Wand: Anke Lietzmann, Steven Eichler, Baubürgermeister Stephan Kühn und Stadtsprecher Daniel Heine am Tisch (v.l.). Ein Monitor im Hintergrund zeigt die Ergebnisse der Kinderbeteiligung.
Auch Dresdens Nachwuchs will mitreden: Dresdens Kinder- und Jugendbeauftragte Anke Lietzmann, STESAD-Projektleiter Steven Eichler, Baubürgermeister Stephan Kühn und Stadtsprecher Daniel Heine (v.l.) stellten die Kinderbeteiligung zum Carolabrücke-Neubau vor. Ihr Favorit? Der Entwurf von FHECOR mit Platz zum Spielen.
Von: Cornelius de Haas
Während die Stadt über Spuren, Kosten und Statik streitet, hatten in Dresden auch die Jüngsten das Wort. Was Kinder und Jugendliche sich von der neuen Carolabrücke wünschen, ist charmant, überraschend konkret - und nah dran am Votum der Erwachsenen.

Dresden. Eine Brücke ist für Erwachsene ein Bauwerk aus Statik, Spuren und Millionen. Für Kinder ist sie erst mal ein Ort - zum Sitzen, Spielen, Staunen. Genau diesen Blick hat sich Dresden beim Neubau der Carolabrücke bewusst geholt. Und der fiel klarer aus, als man denken würde.

Dass Kinder und Jugendliche mitreden durften, ist dabei kein nettes Extra. Ihre Beteiligung ist rechtlich verankert - in der UN-Kinderrechtskonvention ebenso wie in der Sächsischen Gemeindeordnung, die Kommunen vorschreibt, junge Menschen bei Vorhaben zu beteiligen, die ihre Interessen berühren. Eine neue Elbquerung, über die viele von ihnen täglich zur Schule fahren, ist ein solches Vorhaben.

Mehr aus dieser Kategorie

Mit dem Entdeckerbogen durch die Ausstellung

Für die rund 165 Grundschulkinder - im Alter von sieben bis zehn Jahren - wurde das komplexe Thema kindgerecht heruntergebrochen. Betreut vom Kinder- und Jugendbüro Dresden kamen 15 Hortgruppen ins Stadtforum, wo die Modelle der vier Entwürfe standen. Jede Brücke bekam ein eigenes Zeichen und eine Farbe, dann ging es mit einem „Entdeckerbogen" durch die Ausstellung. Am Ende bewerteten die Kinder jede Brücke auf einer Skala aus fünf Smileys - zwei nach oben, einer in der Mitte, zwei nach unten. So wurde ihr Urteil mit dem der Älteren vergleichbar.

Das Ergebnis: Auch bei den Kindern lag der Entwurf von FHECOR klar vorn (89 Stimmen), vor LAP (43). Grassl und Schüßler-Plan kamen auf je zehn. Interessant dabei: Diese Kinderstimmen flossen nicht in die große carolaVOTE-Auswertung ein, sondern wurden gesondert erfasst.

Ein Spielplatz, viel Grün - und eine Zeitkapsel

Aufschlussreicher als das Ranking sind die Wünsche. Der Favorit der Kinder überzeugte vor allem mit einem Spielplatz und vielen Sitzmöglichkeiten unter der Brücke. Ganz oben auf der Liste standen außerdem gute und sichere Geh- und Radwege, mehr Aufenthaltsqualität durch Bänke und Licht, dazu Pflanzen und Bäume. Und auf die Frage, was denn noch fehle, kam eine Idee, die im Raum besonders gut ankam: eine Zeitkapsel in der neuen Brücke.

Die Jugendlichen argumentieren fast wie Fachleute

Die zweite Gruppe - rund 1.185 Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren - stimmte in den drei Wochen vor den Sommerferien digital über carolaVOTE ab, begleitet von pädagogischen Fachkräften des DiggiClub direkt in den Schulen. Auch hier: FHECOR mit großem Abstand auf Platz eins. Gelobt wurden die Bogengestaltung, eine moderne, aber nicht zu kühle Konstruktion und das gute Einfügen ins Dresdner Stadtbild.

Was den Jugendlichen wichtig war, klingt streckenweise wie aus einem Verkehrsplanungsbüro: möglichst viele Sitz- und Freizeitmöglichkeiten auf und unter der Brücke, breite Fuß- und Radwege, Begrünung - und ein Radweg, der eben nicht zwischen Auto und Straßenbahn eingeklemmt wird. Überraschend deutlich war zudem ein Materialwunsch: Sandstein statt Beton.

Am Beteiligungstool selbst gab es neben viel Zuspruch auch Kritik - gerade von den Jüngeren. Die Zuordnung der Bewertungen zu den einzelnen Brücken sei nicht immer klar gewesen, die Übersicht könnte besser sein. Ein Hinweis, den die Stadt ausdrücklich als „Lessons learned" mitnimmt.

Bei der Frage, wie wichtig es ihnen war, überhaupt mitreden zu dürfen, fiel das Urteil dann eindeutig aus: 970 Jugendliche gaben den Daumen nach oben, nur acht nach unten.

Cornelius de Haas
Artikel von

Cornelius de Haas

Cornelius de Haas ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.