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Robotik-Gründer dämpft in Dresden Erwartungen an Humanoide

Björn Enders steht auf einer blau-violett beleuchteten Bühne neben einem Rednerpult. Auf einer großen Leinwand im Hintergrund ist eine Präsentationsfolie mit der Aufschrift „Humanoide Roboter und KI“ und dem Veranstaltungsnamen „Brains on Silicon Dresden“ zu sehen.
Zwischen Hype und Realität: Symbiosika-Chef Björn Enders ordnete auf der Dresdner Konferenz „Brains on Silicon“ die Chancen humanoider Roboter ein. Für den echten Praxiseinsatz fehle es vor allem noch an den nötigen Trainingsdaten. Foto: CdH
Beim Kongress "Brains on Silicon" zieht ein Robotik-Gründer eine nüchterne Bilanz zu humanoiden Robotern. Sein Befund: kaum echte Anwendungen, und der deutsche Datenvorteil sei ein Mythos.

Dresden. Tanzende Roboter, ein Roboter-Halbmarathon in China: Solche Videos kursieren millionenfach, doch im Arbeitsalltag sind humanoide Roboter bislang kaum zu sehen. Diese Lücke zwischen Show und Praxis stellte Björn Enders, Gründer und Chef des Robotik-Startups Symbiosika, am Dienstag bei der Konferenz "Brains on Silicon" in Dresden in den Mittelpunkt. Sein Vortrag war ein nüchterner Statusbericht, kein Werbeauftritt.

Die meisten humanoiden Roboter würden zwar in China verkauft, stünden aber in Forschung und Laboren und nicht in der Produktion, sagte Enders. Panik sei nicht angebracht, Europa dürfe sich aber auch nicht ausruhen.

Das Nadelöhr heißt Daten

Humanoide Roboter würden heute nicht mehr programmiert, sondern trainiert, erklärte Enders. Im Kern arbeite ein Vision-Language-Action-Modell, das Bild und Sprache direkt in Bewegung übersetze. Damit auch mehrstufige Aufgaben gelängen, steuere ein größeres Planungsmodell in der Cloud die einzelnen Schritte.

Das eigentliche Problem sei der Mangel an Daten. Aktuelle Modelle erreichten vielleicht rund 90 Prozent Erfolg, für den Produktiveinsatz reiche das nicht. Die Daten entstünden bislang mühsam durch Teleoperation, bei der ein Mensch dem Roboter Griffe im Ganzkörper-Anzug vormache, in eigens gebauten Trainingshallen. Symbiosika trainiere nach eigenen Angaben als Partner des Herstellers NEURA Robotics auf dessen Plattform.

„Den Datenvorteil haben wir nicht"

Auf die Frage, welche Daten Deutschland denn habe, widersprach Enders einer verbreiteten Erzählung. Einen deutschen Datenvorsprung in der Robotik gebe es aus seiner Sicht nicht; er habe zehn Jahre lang in der Industrie Daten gesammelt und diesen Schatz dort nie gesehen. Deutschlands Stärken lägen woanders: bei Hardware und Ingenieurwesen, bei guten Softwareentwicklern und darin, Technik stabil, sicher und in großer Stückzahl auf die Straße zu bringen. Das Training selbst hält Enders mittelfristig aber auch in Europa für machbar. 

Erste Anwendungen im Handel erwartet

Laufen, Navigation und Sprache funktionierten schon ordentlich, sagte Enders. Schwer täten sich die Roboter noch mit kleinen Teilen, mit verformbaren Dingen wie Textilien und mit allem, was schnelle Reaktionen und feinen Tastsinn verlange.

Erste autonome Anwendungen erwartet Enders im Handel dennoch schon im kommenden Jahr, volle Autonomie in vier bis fünf Jahren. Zur Haftungsfrage, die ein Automatisierungsingenieur aufwarf, sagte er, aus einem lernenden Roboter lasse sich kein klassischer, exakt bestimmbarer Code machen. Man werte stattdessen statistisch aus und zeichne jede Bewegung mit Kräften und Geschwindigkeiten auf, ähnlich wie beim autonomen Fahren, um Verlässlichkeit zu belegen.

Symbiosika, gegründet 2024 im hessischen Hohenstein, entwickelt Software für humanoide Roboter in Pflege und Hotellerie. NEURA Robotics sitzt im baden-württembergischen Metzingen und baut derzeit ein Netz von Trainingszentren für solche Roboter auf.