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KI hört den Hühnern zu: HTW Dresden entwickelt Frühwarnsystem gegen Federpicken

Nahaufnahme mehrerer brauner Legehennen in einem dicht besetzten Hühnerstall. Im Hintergrund hängen gelbe Futterbehälter und Tränken von der Decke. Die Tiere blicken aufmerksam in verschiedene Richtungen.
KI-Schutz im Hühnerstall: Forschende der HTW Dresden entwickeln ein System, das Federpicken unter Legehennen frühzeitig erkennt. Kameras und Mikrofone sollen verändertes Verhalten in der Herde melden, bevor Schäden entstehen. Symbolfoto: Magnific/tawatchai07
Von: Dresden News
Kameras und Mikrofone im Hühnerstall, ausgewertet von Künstlicher Intelligenz: Forschende der HTW Dresden bauen ein System, das Federpicken bei Legehennen früh erkennt, bevor es zu schweren Verletzungen kommt.

Dresden. Wenn Legehennen im Stall anfangen, sich gegenseitig die Federn auszupicken, bleibt oft wenig Zeit zum Gegensteuern. Hat sich das Verhalten erst in der Herde etabliert, machen es weitere Tiere nach, die Folgen reichen von kahlen Stellen im Gefieder bis zu Kannibalismus. Forschende der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTWD) entwickeln deshalb ein KI-System, das solche Anzeichen früh erkennt.

Das Projekt trägt den Namen HEN-SENSE. Die Idee: Kameras und Mikrofone überwachen die Herde durchgehend, eine Künstliche Intelligenz wertet die Daten aus und schlägt Alarm, sobald sich das Verhalten der Tiere auffällig verändert. Die optische Sensorik erfasst Veränderungen am Gefieder, die akustische bestimmte Laute, mit denen Hennen etwa auf das Bepicken reagieren und die sich vom normalen Stallgeräusch unterscheiden.

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Bislang wird das Gefieder stichprobenartig geprüft, empfohlen etwa alle vier Wochen. In der Praxis ist das aufwändig. „Aufgrund des damit verbundenen hohen Arbeitsaufwands ist diese regelmäßige Bonitur in der Praxis eine große Herausforderung", sagt Projektleiterin Nicola Hirsch, Professorin für Tiergesundheitsmanagement an der HTW Dresden. Gerade in der Anfangsphase gebe es noch Möglichkeiten, mit gezielten Maßnahmen gegenzusteuern. „Wird zu spät reagiert, kann sich das fehlgeleitete Pickverhalten in der Herde etablieren."

Der Bedarf ergibt sich auch aus einer Änderung in der Haltung: Seit dem Ausstieg aus dem routinemäßigen Kürzen der Schnäbel bei Junghennen setzen Betriebe auf Beschäftigungsmaterial wie Pickblöcke oder Luzerneballen und auf Rückzugsmöglichkeiten, um Federpicken vorzubeugen. Hirsch war über zehn Jahre in der tierärztlichen Bestandsbetreuung beim Geflügelgesundheitsdienst Bayern tätig und hat den Bedarf dort erkannt.

Wer am Projekt beteiligt ist

Die Auswertung der Daten und die KI-Modelle entstehen an der HTW Dresden unter Leitung von Maik Thiele, Professor für Datenbanksysteme. „Erst durch den Einsatz moderner KI-Modelle wird es möglich, große Tierbestände kontinuierlich und objektiv zu beurteilen", sagt Thiele. Die Sensortechnik entwickelt die IfU Diagnostic Systems GmbH im sächsischen Lichtenau. Getestet wird das System unter Praxisbedingungen im Geflügelzentrum der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Kitzingen.

Später soll das System nicht nur warnen, sondern auch konkrete Empfehlungen geben, etwa zu Futter, Wasser, Stallbelüftung oder zusätzlichen Beschäftigungsangeboten. Perspektivisch sollen sich einzelne Tiere wiedererkennen lassen, um individuelle Entwicklungen nachzuvollziehen. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert HEN-SENSE von Juni 2026 bis Oktober 2029.

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