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Dresdner Philharmonie: Müssen Chorsänger künftig zahlen?

Dresdner Philharmonie: Müssen Chorsänger künftig zahlen?
Symbolbild Chöre / pixabay StockSnap
Von: Cornelius de Haas

Die Dresdner Philharmonie steht vor einer ungewohnten Frage: Sollen Sängerinnen und Sänger, die in den Philharmonischen Chören ehrenamtlich mitwirken, künftig Geld dafür bezahlen? Berichte über entsprechende Überlegungen haben eine offizielle Reaktion ausgelöst. Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch stellte klar: Eine Entscheidung ist noch lange nicht gefallen.

Haushaltsnot treibt Suche nach Einnahmen

Hintergrund ist die angespannte Finanzlage der Landeshauptstadt. Im Zuge der laufenden Haushaltskonsolidierung sind alle städtischen Kulturbetriebe aufgefordert, mögliche Einnahmequellen zu prüfen. Die Dresdner Philharmonie hatte die Philharmonischen Chöre und deren Vorstände bereits im Rahmen von Elternabenden und Mitgliederversammlungen über entsprechende Überlegungen informiert – woraufhin die Sache an die Öffentlichkeit gelangte.

Klepsch betonte in ihrer Stellungnahme ausdrücklich, dass es sich bei den diskutierten Beträgen lediglich um eine „Diskussionsgrundlage" handele, nicht um konkrete Pläne. Eine Einführung von Mitgliedsbeiträgen oder Teilnahmegebühren könne erst auf Basis einer Verwaltungsvorlage und nach einem Beschluss des Dresdner Stadtrates in Kraft treten. Konkrete Haushaltszahlen für 2027/28, auf die sich die Debatte bezieht, gibt es noch gar nicht: Der Entwurf des nächsten Doppelhaushalts ist erst nach der Sommerpause 2026 zu erwarten.

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Vergleich mit anderen Chören

Aus der Pressemitteilung geht hervor, dass Mitgliedsbeiträge in der Dresdner Chorlandschaft keineswegs ungewöhnlich sind. Das Heinrich-Schütz-Konservatorium, der Dresdner Kreuzchor, die Singakademie und der Chorus 116 erheben bereits entsprechende Beiträge, um laufende Kosten für Personal, Proberäume, Noten und Gastspiele zumindest anteilig zu decken. Das Modell soll laut Klepsch sozial verträglich gestaltet werden und Härtefallregelungen beinhalten, damit kulturelle Teilhabe gewährleistet bleibt. Die eingenommenen Mittel kämen direkt der Chorarbeit zugute.

Traditionsreiche Chöre mit breiter Basis

Die Philharmonischen Chöre wurden 1967 auf Initiative des damaligen Chefdirigenten Kurt Masur gegründet und sind seit über 50 Jahren fest im Dresdner Kulturleben verankert. Zum Ensemble gehören neben dem Philharmonischen Chor mit rund 70 Erwachsenensängerinnen und -sängern auch der renommierte Philharmonische Kinderchor sowie ein Bürgerchor. Die Chöre proben ehrenamtlich, erhalten aber professionelle Stimmbildung und Leitung – ein Angebot, das städtische Mittel voraussetzt.

Weitere Schritte offen

Ob und in welcher Höhe Beiträge tatsächlich eingeführt werden, bleibt abzuwarten. Die Stadtpolitik muss erst die Haushaltszahlen kennen, bevor konkrete Entscheidungen möglich sind. Bis dahin bleibt die Diskussion, wie so oft in der Dresdner Kulturpolitik, zwischen Sparzwang und dem Anspruch, die Stadt als lebendige Musikstadt zu erhalten, in der Schwebe.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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