Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Dresden News

Dresden: So läuft der Belastungstest an der Brücke Budapester Straße ab

Blick über die Brücke Budapester Straße in Dresden bei Sonnenschein. Auf der linken Seite ist der Unterbau mit rot-weißen Zäunen abgesperrt und durch Notstützen gesichert, wo Messungen und Arbeiten an der maroden Betonkonstruktion stattfinden.
Hält die Brücke? Vor dem Belastungstest mit 326 Tonnen ist die Brücke Budapester Straße in Dresden durch Notstützen gesichert. Die Tests entscheiden darüber, ob die wichtige Verkehrsader vor einer jahrelangen Vollsperrung gerettet werden kann. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
122 Sensoren lauschen auf berstende Drähte im Beton: Während Fraunhofer-Forscher jede Bewegung überwachen, fahren hunderte Tonnen Ballast über den kritischen Bereich. Kann die Brücke gerettet werden?

Dresden. 326 Tonnen auf 24 Achsen, im Schritttempo über maroden Beton: Was ab Montag über die Brücke Budapester Straße rollt, soll über die Zukunft einer der wichtigsten Nord-Süd-Achsen der Stadt entscheiden. In drei Nächten prüft Dresden die Tragfähigkeit des Bauwerks - und hofft, ihm so eine jahrelange Vollsperrung zu ersparen. Von 10. bis 12. August läuft der Test jeweils zwischen 19 und 5 Uhr.

Warum die Brücke zum Sorgenkind wurde

Das Bauwerk aus den 1960er-Jahren steckt voller spannungsrisskorrosionsgefährdetem Spannstahl - jenem Material, das auch der eingestürzten Carolabrücke zum Verhängnis wurde. Ein nach dem Einsturz installiertes Messsystem schlug Alarm: Im Beton rissen die Spanndrähte, konzentriert rund um die Pfeilerachse C nahe der Ammonstraße. Am 14. Mai zog die Stadt die Reißleine, sperrte Teile der Brücke und stützte den kritischen Bereich mit wuchtigen Stahltürmen ab. Seither trägt sich die Brücke dort praktisch nur noch selbst.

Mehr aus dieser Kategorie

Zwei Kolosse im Schritttempo

Für den Test rollen zwei zwölfachsige Schwerlasttransporter an - selbstfahrende Ungetüme von je rund 17 Metern Länge und 53 Tonnen Leergewicht, beladen mit bis zu 120 Tonnen Ballast. Mit etwa drei Kilometern pro Stunde fahren sie über die Fahrbahn, sechs Überfahrten pro Nacht, die Last steigt stufenweise bis zu einem Gesamtgewicht von 326 Tonnen. Am Montag steht Brückenzug C auf dem Prüfstand, am Dienstag Zug A; die Nacht zum Mittwoch bleibt als Reserve.

Die gläserne Brücke

Dabei wird das Bauwerk zum durchleuchteten Patienten: 850 Meter faseroptische Sensoren spüren Dehnungen und Risse im Beton auf, 122 Schallemissionssensoren horchen auf brechende Drähte, dazu messen Dutzende weitere Fühler Neigung, Durchbiegung, Temperatur und die Kräfte in den Notstützen. Forscher des Fraunhofer-Instituts überwachen jede Bewegung. Reißen mehr Drähte als berechnet, lässt sich der Versuch sofort abbrechen.

Was das für den Verkehr bedeutet

An den drei Tagen sind Ammonstraße und Brücke jeweils von 18 bis 6 Uhr gesperrt. Bahnen und Züge unter der Brücke fahren weiter - die Stadt nutzt für die Überfahrten die ohnehin bestehenden nächtlichen Betriebspausen. Am Montag um 18 Uhr lädt die Stadt zu einem Pressetermin vor Ort, bei dem sich die Schwerlasttechnik aus der Nähe ansehen lässt.

Was auf dem Spiel steht

Läuft alles nach Plan, soll die Brücke laut Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) einspurig und mit 16-Tonnen-Grenze wieder für Autos und Busse öffnen - ein Zeitgewinn von fünf bis zehn Jahren, in denen ein Neubau geplant werden kann. Fällt der Test negativ aus, droht die dauerhafte Sperrung. Erste Zwischenergebnisse will die Stadt dem Bauausschuss am 19. August vorlegen.

Cornelius de Haas
Artikel von

Cornelius de Haas

Cornelius de Haas ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.