Dresden: So läuft der Belastungstest an der Brücke Budapester Straße ab
Dresden. 326 Tonnen auf 24 Achsen, im Schritttempo über maroden Beton: Was ab Montagabend über die Brücke Budapester Straße rollt, soll über die Zukunft einer der wichtigsten Nord-Süd-Achsen der Stadt entscheiden. In drei Nächten prüft Dresden die Tragfähigkeit des Bauwerks - und hofft, ihm so eine jahrelange Vollsperrung zu ersparen. Am 10. und 11. August läuft der Test jeweils zwischen 19 und 5 Uhr.
Warum die Brücke zum Sorgenkind wurde
Das Bauwerk aus den 1960er-Jahren steckt voller spannungsrisskorrosionsgefährdetem Spannstahl - jenem Material, das auch der eingestürzten Carolabrücke zum Verhängnis wurde. Ein nach dem Einsturz installiertes Messsystem schlug Alarm: Im Beton rissen die Spanndrähte, konzentriert rund um die Pfeilerachse C nahe der Ammonstraße. Am 14. Mai zog die Stadt die Reißleine, sperrte Teile der Brücke und stützte den kritischen Bereich mit wuchtigen Stahltürmen ab. Seither trägt sich die Brücke dort praktisch nur noch selbst.
Grünes Licht durch die Stützen
Möglich wurde der Test erst durch einen entscheidenden Zwischenschritt: Am vergangenen Donnerstag wurden die Notstützen erfolgreich angepresst und damit der kritische Bereich um die Achse C spürbar entlastet. Während dieser Arbeiten riss kein einziger Spanndraht - ein gutes Vorzeichen. Die dabei erhobenen Messdaten gleicht die Stadt nun mit ihren Berechnungsmodellen ab; Überbau, Stützen und Fundamente bleiben engmaschig überwacht.
Zwei Kolosse im Schritttempo
Für den Test rollen zwei zwölfachsige Schwerlasttransporter an - selbstfahrende Ungetüme von je rund 17 Metern Länge und 53 Tonnen Leergewicht, beladen mit bis zu 120 Tonnen Ballast. Mit etwa drei Kilometern pro Stunde fahren sie über die Fahrbahn, sechs Überfahrten pro Nacht, die Last steigt stufenweise bis zu einem Gesamtgewicht von 326 Tonnen. Am Montag steht Brückenzug C auf dem Prüfstand, am Dienstag Zug A; die Nacht zum Mittwoch bleibt als Reserve.
Die gläserne Brücke
Dabei wird das Bauwerk zum durchleuchteten Patienten: 850 Meter faseroptische Sensoren spüren Dehnungen und Risse im Beton auf, 122 Schallemissionssensoren horchen auf brechende Drähte, dazu messen Dutzende weitere Fühler Neigung, Durchbiegung, Temperatur und die Kräfte in den Notstützen. Forscher des Fraunhofer-Instituts überwachen jede Bewegung. Reißen mehr Drähte als berechnet, lässt sich der Versuch sofort abbrechen.
Was das für den Verkehr bedeutet
An den drei Tagen sind Ammonstraße und Brücke jeweils von 18 bis 6 Uhr voll gesperrt - und zwar für den gesamten Verkehr, auch für Fußgänger und Radfahrer. Der Busverkehr wird in Abstimmung mit den Dresdner Verkehrsbetrieben umgeleitet. Bahnen und Züge unter der Brücke fahren weiter; die Stadt nutzt für die Überfahrten die ohnehin bestehenden nächtlichen Betriebspausen.
Was auf dem Spiel steht
Läuft alles nach Plan, soll die Brücke laut Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) einspurig und mit 16-Tonnen-Grenze wieder für Autos und Busse öffnen - ein Zeitgewinn von fünf bis zehn Jahren, in denen ein Neubau geplant werden kann. Fällt der Test negativ aus, droht die dauerhafte Sperrung. Erste Zwischenergebnisse will die Stadt dem Bauausschuss am 19. August vorlegen.