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Dresden erinnert mit neuer Stele an Marwa El-Sherbini

Eine moderne Gedenkstele aus Metall und Glas steht im Marwa-El-Sherbini-Park. Auf dem Glas sind grüne Pflanzenmotive und ein biografischer Text zu sehen. Im Hintergrund ist der steinerne Eingang des Landgerichts Dresden erkennbar.
Ort gegen das Vergessen: Seit dem 22. Juni 2026 erinnert eine neue Gedenkstele vor dem Landgericht Dresden an Marwa El-Sherbini, die 2009 aus rassistischem Hass nach einer Zeugenaussage ermordet wurde. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Seit Montag steht vor dem Landgericht eine Gedenkstele für Marwa El-Sherbini, die dort 2009 ermordet wurde. Zum Jahrestag am 1. Juli lädt die Stadt zum gemeinsamen Gedenken.

Dresden. Es ist ein stiller, schwerer Ort. Vor dem Landgericht Dresden - in dem Marwa El-Sherbini im Sommer 2009 aus rassistischem und islamfeindlichem Hass ermordet wurde - erinnert seit Montag, 22. Juni 2026, eine Gedenkstele an die junge Frau. Sie soll bewahren, was kein Urteil zurückbringen kann: ihren Namen und ihre Geschichte. Zum 17. Jahrestag der Tat lädt die Stadt am Mittwoch, 1. Juli, in den nach ihr benannten Park zur Gedenkveranstaltung, wie die Stadt Dresden mitteilte.

Marwa El-Sherbini war eine junge Frau, als ihr Leben endete. 1977 im ägyptischen Alexandria geboren, war sie Sportlerin und Pharmakologin, arbeitete als Apothekerin und lebte mit ihrer Familie in Dresden. Hergekommen sei sie, um hier zu leben und zu arbeiten, um Teil dieser Stadt zu sein, erinnerte Nataliya Heletiy-Luka vom Integrations- und Ausländerbeirat bei der Vorstellung der Stele. Am 1. Juli 2009 sagte die Apothekerin im Landgericht als Zeugin gegen einen Mann aus, der sie zuvor beschimpft hatte. Ausgerechnet an einem Ort, der für Schutz und Recht steht, wurde sie getötet. Den rechtsextremen Täter verurteilte das Gericht am 11. November 2009 wegen Mordes zu lebenslanger Haft und stellte die besondere Schwere der Schuld fest.

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Entstehung und Kosten der Gedenkstele

Bis zu diesem Zeichen war es ein langer Weg. Über Jahre rangen Stadt, Justizministerium und der Initiativkreis „Gedenken.Erinnern.Mahnen" um eine würdige Form des Erinnerns, in Bild wie in Worten. Entstanden ist die Stele aus Glas und Metall in Zusammenarbeit mit der Glasgestalterin Marion Hempel und dem Metallkünstler Uwe Hempel. Rund 26.000 Euro kostete sie; etwas weniger als ein Drittel trug das sächsische Justizministerium, einen weiteren Teil das Stadtbezirksamt Altstadt und den Rest von etwa 12.000 Euro das Kulturamt, wie Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch erläuterte.

Den Park vor dem Gericht hatte die Stadt schon 2022 nach Marwa El-Sherbini benannt, nun bekommt das Gedenken auch einen festen, sichtbaren Ort. Zuletzt sei der bereits beschlossene Text noch einmal überarbeitet worden, um sie selbst stärker in den Mittelpunkt zu rücken, so Klepsch. Ein Ort, der für die Ewigkeit gedacht sei, brauche eben seine Zeit.

Gedenkveranstaltung am 1. Juli vor dem Landgericht

Am 1. Juli um 17.30 Uhr kommen Menschen zusammen, um an sie zu denken. Neben Klepsch sprechen der Amtschef des sächsischen Justizministeriums, Till Pietzcker, sowie Lara Arabi vom Integrations- und Ausländerbeirat und zwei Frauen vom Frauentreff des Ausländerrats. Dass die Tat in einem Gerichtsgebäude geschah, schließe eine besondere Verantwortung ein, sagte Pietzcker; gemeinsam müsse man dem Hass und menschenverachtenden Ideologien entgegentreten.

Eindringlicher noch klingt Lara Arabi: Das Gedenken dürfe kein Ritual des Schweigens sein, mahnt sie, sondern „ein lauter Aufruf zum Handeln". Alltäglichem Rassismus dürfe nirgends Raum bleiben, nicht im Bus, nicht am Arbeitsplatz, nicht in der Nachbarschaft. Niemand solle in dieser Stadt Angst haben müssen, weil er nicht in das Weltbild von Rassisten passe. Die aktuelle Marwa-El-Sherbini-Stipendiatin Svitlana Kovalchuk führt durch den Abend, danach können die Gäste Blumen niederlegen.

Begleitprogramm: Film, Theater und Fußballturnier

Das Gedenken reicht über diesen einen Abend hinaus. Am Donnerstag, 25. Juni, zeigt der Frauentreff des Ausländerrats um 17 Uhr im Johannstädter Kulturtreff den Film „Es brennt" von Erol Afşin, der den Mord aus der Sicht der Familie erzählt. Am selben Abend um 19.30 Uhr steht im Kleinen Haus des Staatsschauspiels „You came, you saw – Ein No Escape Room" von Ayşe Güvendiren auf dem Programm, in dem Betroffene rechtsextremer Gewalt zu Wort kommen. Und am Sonnabend, 4. Juli, treten im Sportpark Ostra 20 Mannschaften beim antirassistischen Turnier „Kick Racism" an, ausgerichtet vom Kick-Racism-Team und dem Dresdner Sportclub 1898, gespielt wird um den Marwa-El-Sherbini-Cup. Der Erlös geht an die Dresdner Seenotrettungsorganisation Mission Lifeline.

Das Gedenken soll mehr sein als Trauer, so der Wunsch der Initiatoren: ein Auftrag, hinzusehen, wo andere wegschauen.

Weitere Informationen hat die Stadt unter dresden.de/marwa veröffentlicht.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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