Dresden. Wer im vergangenen Mai die Prager Straße entlangging und sich fragte, warum die Bühnen so anders standen als in den Jahren zuvor, dem sei gesagt: Es war kein gestalterischer Einfall. Es war Notlösung. Wegen Sicherheitsauflagen der Stadt, die Mehrkosten von bis zu 120.000 Euro für den Terrorschutz verursacht hätten, musste das Festival sein Freiluftprogramm in nur vier Wochen umplanen. Die Jazzmeile schrumpfte von sieben Bühnen in der Altstadt auf drei an der Prager Straße. Dem Verein blieb ein Defizit von mehr als 60.000 Euro.
44 Bands aus acht Ländern: Das Programm 2026
44 Bands und Solisten aus acht Ländern, 276 Stunden Live-Musik, 51 Veranstaltungen an 60 Spielorten. Bis zu 350.000 Besucher werden bei gutem Wetter erwartet. Pressesprecher Hendrik Meyer sagt, das Festival habe sich in den letzten Jahren konsequent verjüngt, „ohne seine Wurzeln zu verleugnen". Und er beschreibt, was das konkret bedeutet: „Wir haben junge Bands, die auf international höchstem Niveau spielen, absolut stilsicher im Traditional Jazz sind, eigene Kompositionen mitbringen und dabei einen Entertainmentfaktor haben, der auch ein erfahrenes und kritisches Dresdner Publikum überzeugt. Das ist kein Kompromiss. Das ist die Zukunft dieser Musik."
Pariser Publikumslieblinge kehren nach Dresden zurück
Als Beleg dafür stehen die Mama Shakers aus Paris, eine Band um Sängerin und Trompeterin Angela Strandberg, die beim Festivaldebüt 2024 spontan zum Publikumsliebling wurden. Tanzbare Titel der 1920er und 1930er Jahre, eigene Kompositionen, unverstellte Spielfreude. Beim Nachwuchswettbewerb des Jazzfestivals in Megève gewannen sie den Jurypreis und wurden vom Publikum zur beliebtesten Band unter zwanzig europäischen Formationen gewählt. Sie sind wieder dabei.

Auf der anderen Seite des Lineups stehen Baby Jools & The Jazzaholics aus Großbritannien. Bandleader Julyan Aldridge, von Jazzlegende Max Collie nach dem Drummer „Baby" Dodds getauft, tourte mit britischen Jazzgrößen wie Kenny Ball, Chris Barber und Collie, bevor er sein eigenes All-Star-Ensemble gründete. Beim Großen Konzert treten sie gemeinsam mit Simon Holliday & his Rhythm auf.
Auch der Kalender spielt mit. Christi Himmelfahrt fällt in diesem Jahr auf den 14. Mai, mitten in die Festivalwoche. Meyer findet das gut: „Die Jazzmeile öffnet damit bereits am Donnerstagabend auf dem Schlossplatz." Kostenfreie Musik in der Altstadt an einem Feiertag im Dresdner Frühling.
