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Dixieland-Festival setzt auf junge Bands und neue Formate

Pressekonferenz zum Internationalen Dixieland Festival Dresden 2026: Drei Organisatoren sitzen an einem Tisch vor einer großen Sponsorenwand; im Vordergrund lehnt ein buntes, illustriertes Plakat für die „Prohibitionsparty – Circus of Swing“.
Freude auf den Festival-Mai: Steffen Grosche (Waterloo Produktion), Social-Media-Managerin Antonia Flache und Pressesprecher Hendrik Meyer (v.l.n.r.) präsentieren das Programm für das 54. Internationale Dixieland Festival Dresden. Nach den Vorjahres-Sorgen steht 2026 die Rückkehr der großen Jazzmeile und Highlights wie die Prohibitionsparty (Plakat vorn) im Fokus. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Beim 54. Internationalen Dixieland Festival in Dresden spielt die Jazzmeile wieder dort, wo sie hingehört: in die Altstadt. Nach dem Sicherheitschaos des Vorjahres ist das keine Selbstverständlichkeit. Und zwischen Tradition und Erneuerung zeigt sich das Festival 2026 vielseitiger denn je.

Dresden. Wer im vergangenen Mai die Prager Straße entlangging und sich fragte, warum die Bühnen so anders standen als in den Jahren zuvor, dem sei gesagt: Es war kein gestalterischer Einfall. Es war Notlösung. Wegen Sicherheitsauflagen der Stadt, die Mehrkosten von bis zu 120.000 Euro für den Terrorschutz verursacht hätten, musste das Festival sein Freiluftprogramm in nur vier Wochen umplanen. Die Jazzmeile schrumpfte von sieben Bühnen in der Altstadt auf drei an der Prager Straße. Dem Verein blieb ein Defizit von mehr als 60.000 Euro.

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Die Jazzmeile kehrt zurück

In diesem Jahr läuft es anders. Vom 10. bis 17. Mai kehrt die Jazzmeile zurück, mit sieben Bühnen vom Schlossplatz über den Neumarkt bis in den Hauptbahnhof. Die Stadt stellt die Absperrmaterialien diesmal kostenfrei bereit, die Eigenkosten des Veranstalters für Sicherheitssperren und Personal belaufen sich auf rund 11.900 Euro.

Dahinter steckt eine Frage, die weit über das Dixielandfestival hinausreicht: Wer zahlt, wenn der Staat Großveranstaltungen im öffentlichen Raum mit Sicherheitsauflagen belegt? Der Veranstalter, ein gemeinnütziger Verein ohne staatliche Grundfinanzierung, hat das im vergangenen Jahr deutlich gesagt. Man trage weder Verantwortung für die Terrorgefahr noch habe man zu ihrer Entstehung beigetragen. Sollte die finanzielle Zuständigkeit dauerhaft beim Verein bleiben, werde das zum Ende wesentlicher Teile der Kulturlandschaft führen. Für 2026 haben Stadt und Veranstalter eine Lösung gefunden. Ob sie dauerhaft trägt, wird man spätestens beim 55. Festival wissen.

44 Bands aus acht Ländern: Das Programm 2026

44 Bands und Solisten aus acht Ländern, 276 Stunden Live-Musik, 51 Veranstaltungen an 60 Spielorten. Bis zu 350.000 Besucher werden bei gutem Wetter erwartet. Pressesprecher Hendrik Meyer sagt, das Festival habe sich in den letzten Jahren konsequent verjüngt, „ohne seine Wurzeln zu verleugnen". Und er beschreibt, was das konkret bedeutet: „Wir haben junge Bands, die auf international höchstem Niveau spielen, absolut stilsicher im Traditional Jazz sind, eigene Kompositionen mitbringen und dabei einen Entertainmentfaktor haben, der auch ein erfahrenes und kritisches Dresdner Publikum überzeugt. Das ist kein Kompromiss. Das ist die Zukunft dieser Musik."

Pariser Publikumslieblinge kehren nach Dresden zurück

Als Beleg dafür stehen die Mama Shakers aus Paris, eine Band um Sängerin und Trompeterin Angela Strandberg, die beim Festivaldebüt 2024 spontan zum Publikumsliebling wurden. Tanzbare Titel der 1920er und 1930er Jahre, eigene Kompositionen, unverstellte Spielfreude. Beim Nachwuchswettbewerb des Jazzfestivals in Megève gewannen sie den Jurypreis und wurden vom Publikum zur beliebtesten Band unter zwanzig europäischen Formationen gewählt. Sie sind wieder dabei.

Die Musikerin Angela Strandberg spielt Trompete auf einer blau beleuchteten Bühne während des Dixieland Festivals Dresden; im Hintergrund ist ein Kontrabassist zu sehen.
Publikumslieblinge aus Paris: Angela Strandberg (Mama Shakers) an der Trompete verkörpert die junge, energiegeladene Seite des 54. Internationalen Dixieland Festivals Dresden. Die Band kehrt nach ihrem Erfolg 2024 auch im Mai 2026 wieder in die sächsische Landeshauptstadt zurück. Foto: Hendrik Meyer

Auf der anderen Seite des Lineups stehen Baby Jools & The Jazzaholics aus Großbritannien. Bandleader Julyan Aldridge, von Jazzlegende Max Collie nach dem Drummer „Baby" Dodds getauft, tourte mit britischen Jazzgrößen wie Kenny Ball, Chris Barber und Collie, bevor er sein eigenes All-Star-Ensemble gründete. Beim Großen Konzert treten sie gemeinsam mit Simon Holliday & his Rhythm auf.

Auch der Kalender spielt mit. Christi Himmelfahrt fällt in diesem Jahr auf den 14. Mai, mitten in die Festivalwoche. Meyer findet das gut: „Die Jazzmeile öffnet damit bereits am Donnerstagabend auf dem Schlossplatz." Kostenfreie Musik in der Altstadt an einem Feiertag im Dresdner Frühling.

Vier neue Formate

Vier neue Formate stehen im Programm, und jedes ist auf seine Weise konsequent. Erstmals bespielt das Festival alle drei Räume der Dresdner Festungsanlage: Im Kanonenhof, in den Kasematten und im Bärenzwinger spielen am 12. Mai fünf Bands unter dem Titel „Hot Jazz in der Festung". Der „Late Night Boogie" im Tresor Dresden am 15. Mai bietet 100 Plätze, nicht mehr. Im Untergeschoss des Löwensaals spielen Dan Popek und Niels von der Leyen. Die Diksi Disko im Bautzner Tor schließlich, ab 22 Uhr, zielt auf ein Publikum, das tanzen will. Antonia Flache, Social Media Managerin des Festivals, hat dafür eine Erklärung: „Ich sehe bei jungen Leuten eine gewisse Sehnsucht nach etwas echt Handgemachten, weg vom Digitalen. Die jungen Bands spielen zwar klassischen Dixie, aber mit einer ganz eigenen Energie." Sie hofft, mit der Diksi Disko und der Prohibitionsparty viele junge Menschen anzusprechen.

Prohibitionsparty im Parkhotel

Das Highlight des Abendprogramms ist die „Prohibitionsparty — Circus of Swing" am 16. Mai im Parkhotel Dresden. Steffen Grosche von der Waterloo Produktion, der die Veranstaltung organisiert, kennt das Format aus eigener Erfahrung: „Ich war schon als junger Mensch 1993 bei den Prohibitionspartys im Schloss Nickern dabei." Später war das Feldschlößchen-Stammhaus Austragungsort, dann folgte eine lange Pause. Jetzt ist es eine Wiederbelebung. Das Konzept: Dresscode 1920er Jahre, Zugang nur mit mitgebrachter Porzellantasse. „Zur Prohibition wurde offiziell kein Alkohol ausgeschenkt", sagt Grosche, „daher sind die Gäste angehalten, ihre eigenen Porzellantassen mitzubringen, um möglichst unauffällig Getränke zu sich zu nehmen. Ich persönlich kann es nicht ausschließen, dass die Prohibition eventuell an dem Abend zu Grabe getragen werden könnte." Erstmals wird auch die Empore im großen Saal begehbar sein. Die Räume des Parkhotels sollen mit eigener Neugier entdeckt werden, und wer die Nacht noch nicht kennt, soll das als Versprechen nehmen.

Höhepunkt ist ein Retro-Dance-Battle: Acht Tanzpaare aus Schulen wie der Tanzschule Weise, dem 1. DRRC Rock'n'Roll Club, 24 Tangos, Elementio, der TU Dresden und dem Jam Circle treten in einem genreübergreifenden Wettbewerb an, bei dem Salsa, Tango, Standard, Lindy Hop und Boogie Woogie zusammenkommen. „Es wird ein großes Tanzvergnügen werden", sagt Grosche. Live-Musik liefern die Chicago Stompers aus Italien, das Cabaret-Ensemble LET'S MISBEHAVE! und die OhnO! Jazzband aus den Niederlanden. Dazu zwei DJanes bis in den frühen Morgen. Tickets: 49 Euro.

„Mozart des Boogie Woogie" übernimmt drei Auftritte

Eine Geschichte verdient einen eigenen Absatz: Die Schweizer Boogie-Woogie-Pianistin Ladyva hat aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. Ihr Ersatz ist Dan Popek, Förderpreisträger des Festivals 2019, damals vor über 3.000 Zuschauern in der Jungen Garde aufgetreten, seither von der Presse als „Mozart des Boogie Woogie" gefeiert. Er übernimmt alle drei Auftritte: das Solokonzert im Coselpalais, den Late Night Boogie und „Hot Jazz in der Festung". Antonia Flache bringt es auf den Punkt: „Es ist schön zu sehen, wie sich die Künstler auf Dresden freuen und welche Ideen sie mitbringen."

Pianist Dan Popek spielt konzentriert an einem schwarzen Flügel bei einem Open-Air-Konzert des Dixieland Festivals in Dresden; im Hintergrund ist ein großes, unscharfes Publikum in der Sonne zu erkennen.
„Mozart des Boogie Woogie“ als Retter in der Not: Der preisgekrönte Pianist Dan Popek übernimmt beim Dixieland Festival 2026 kurzfristig die Konzerte der erkrankten Ladyva. Das Publikum darf sich auf drei Termine mit dem virtuosen Ausnahmetalent freuen. Foto: Hendrik Meyer

Das 54. Internationale Dixieland Festival beginnt am Sonntag, 10. Mai, mit „Dixieland in Familie" im Zoo Dresden und endet am 17. Mai mit der großen Parade durch die Innenstadt. Wer spontan plant: Für viele Veranstaltungen sind noch Tickets erhältlich. Karten ab 7,50 Euro, online unter www.dixielandfestival-dresden.com, telefonisch unter 0351 27 18 71 55 sowie an den bekannten Vorverkaufsstellen in Dresden.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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