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37 zu 33: Dresden beendet die Haushaltssperre - doch das Aufatmen hat ein Verfallsdatum

Die Silhouette der Dresdner Altstadt mit Frauenkirche spiegelt sich im ruhig fließenden Wasser der Elbe, während die gesamte Szenerie in ein warmes, goldenes Licht getaucht ist.
Finanzstopp abgewendet: Der Stadtrat beschließt den Nachtragshaushalt 2026 und beendet die Haushaltssperre. Doch die strukturelle Finanznot bleibt. Symbolbild: Pixabay/Pozhidaeva
Von: Cornelius de Haas
Mit nur vier Stimmen Vorsprung wagt der Stadtrat im zweiten Anlauf den Befreiungsschlag und kippt die monatelange Haushaltssperre - von der Nossener Brücke bis zum Moosmutzelhaus fließt wieder Geld. Gelöst ist Dresdens Finanznot damit aber nicht, sie wird nur ins nächste Jahr vertagt.

Dresden. Bis zur letzten Stimme blieb es eng: Mit 37 Ja- gegen 33 Nein-Stimmen und ohne eine einzige Enthaltung hat der Dresdner Stadtrat am Donnerstag den Nachtragshaushalt für 2026 beschlossen – und damit die seit dem Herbst 2025 geltende Haushaltssperre beendet. Im April war ein erster Anlauf noch gescheitert. Vier Stimmen Vorsprung trennten die Stadt diesmal vom finanziellen Stillstand.

Nachtragshaushalt mit 37 zu 33 Stimmen: Fünf Fraktionen tragen den Kompromiss

Angenommen wurde nicht die ursprüngliche Vorlage des Oberbürgermeisters, sondern ein interfraktioneller Änderungsantrag, der sie ersetzte. Über Wochen hatte eine „Verantwortungsgemeinschaft" aus CDU, Grünen, SPD, FDP/Freie Bürger und der PVP-Kooperation, zu der die Piraten gehören, diesen Kompromiss ausgehandelt. Nötig wurde der Nachtrag durch eine prognostizierte Ergebnisverschlechterung von 144 Millionen Euro gegenüber der ursprünglichen Planung, ausgelöst vor allem durch steigende Kosten bei kommunalen Pflichtaufgaben in der Eingliederungshilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe.

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Was das Ende der Haushaltssperre für Dresden bedeutet

Für die Stadt fällt damit eine schwere Last ab. Unter der Sperre durften neue Investitionen - etwa in Schulen oder Straßen - gar nicht erst starten, und die Sachkostenbudgets waren um die Hälfte gekürzt. Jetzt fließt wieder Geld: CDU-Fraktionschefin Heike Ahnert verwies etwa auf die Nossener Brücke, deren Finanzierung sonst weiter gestockt hätte. Spürbar wird der Kompromiss vor allem im Kleinen. Die Verfügungsmittel der Stadtbezirke steigen von zunächst geplanten 6,60 auf 8,25 Euro je Einwohner - rund 890.000 Euro mehr; bei der Volkshochschule fällt die Kürzung um 60.000 Euro geringer aus, und für den Kindertreff Moosmutzelhaus in Löbtau sind zusätzlich 185.000 Euro vorgesehen. Das Sparprogramm betrifft ausschließlich freiwillige Leistungen und senkt das erwartete Defizit 2026 auf rund 123,9 Millionen Euro – von einem ausgeglichenen Haushalt ist Dresden damit weit entfernt.

Kritik von AfD, BSW, Linken und Team Zastrow am Nachtragshaushalt

Geschlossen war der Rat nicht - die 33 Nein-Stimmen kamen aus vier Fraktionen mit gegensätzlichen Begründungen. Das BSW lehnte den Kompromiss als „Scheinlösung" ab; Finanzsprecher Maurice Devantier verglich eine Zustimmung mit einem Schiffbrüchigen, der gegen den Durst Salzwasser trinkt. Linken und BSW gingen die Einsparungen weiterhin zu weit, während die AfD im Gegenteil zu viele Schulden kritisierte und beklagte, die Stadt müsse faktisch „in den Dispo". Team Zastrow wiederum monierte, man sei in die Verhandlungen gar nicht erst einbezogen worden. Für die Mehrheit reichten die 37 Ja-Stimmen am Ende dennoch.

Doppelhaushalt 2027/28: Die Finanzkrise ist nur vertagt

So groß die Erleichterung, so kurz dürfte sie währen. Mehrere Fraktionen betonten, die strukturelle Finanznot sei nicht behoben und bleibe eine Bürde für den Doppelhaushalt 2027/2028 - allein bei der Gewerbesteuer fehlten der Stadt rund 34 Millionen Euro. OB Dirk Hilbert hatte für 2027/28 bereits „dramatische Einschnitte" im freiwilligen Bereich angekündigt.

Hoffnung auf Entlastung kommt ausgerechnet vom selben Abend: In Berlin einigten sich Bund und Länder bei der Ministerpräsidentenkonferenz auf eine Finanzreform nach dem Grundsatz „Wer bestellt, bezahlt". Ab dem 1. September soll der Bund 80 Prozent der Mehrkosten tragen, wenn neue Bundesgesetze Kommunen und Länder zusammen mit mehr als 200 Millionen Euro im Jahr belasten - und das in genau jenen Feldern, die Dresdens Etat sprengen: Kinder- und Jugendhilfe sowie Eingliederungshilfe. Für die Stadt ist das aber eher ein mittelfristiges Versprechen als schnelle Hilfe: Die Regel bremst vor allem künftiges Kostenwachstum, erstattet nicht den bereits aufgelaufenen Aufwand, und die konkreten Sparmaßnahmen an den Sozialgesetzen stehen noch aus. Hinzu kommt, dass das Geld über den Freistaat liefe, der es erst über den kommunalen Finanzausgleich weiterreichen müsste - und dass Dresdens Gewerbesteuer-Lücke außen vor bleibt, weil Steuergesetze von der Reform ausgenommen sind.

Bis die Haushaltssperre wirklich fällt, fehlt ohnehin noch ein formaler Schritt: Die geänderte Haushaltssatzung muss der Landesdirektion Sachsen zur Genehmigung vorgelegt werden - erst danach gilt die Sperre endgültig nicht mehr.

Beschlossen wurde am Donnerstag aber nicht nur der Etat: Die Doppelsitzung brachte unter anderem auch den Ideen- und Realisierungswettbewerb zur BUGA 2033, das weitere Vorgehen für die Badestelle am Kiessee Leuben („Südsee") und die Fortschreibung des Kita-Fachplans auf den Weg.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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